ALLES AUTO April 2017

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Editorial

Es ist der Deal des Jahres in der Autobranche – und wohl auch die große Überraschung: PSA, also Peugeot/Citroën, kauft Opel. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu finden Sie hier im Heft auf Seite 36/37. Die Übernahme der Rüsselsheimer GM-Tochter durch die Franzosen schafft jedenfalls einen europäischen Riesen, der sich in Sachen Stückzahlen hinter VW auf Platz zwei einreiht. Fakt ist: Mit Opel bekommt PSA zusätzliche Marktanteile – beträchtlich sind diese vor allem in England und Deutschland.

Doch auch eine Image-Stärkung könnte für die Gallier dabei herausschauen, schließlich sind die Umfrage-Werte in Sachen Qualität & Zufriedenheit bei Opel deutlich besser als bei Peugeot und Citroën. Was es unterm Strich finanziell bringt, bleibt abzuwarten. Synergien durch gemeinsame Aktivitäten in puncto Entwicklung, Forschung und Einkauf werden noch etwas auf sich warten lassen. Opel ist jedenfalls die strenge Mutter GM los, darf jetzt also etwa auf dem chinesischen Markt tätig werden – wobei Karl-Thomas Neumann, der Chef der Blitz-Marke, darauf angesprochen, noch etwas zurückhaltend reagiert.

Wichtig ist auf jeden Fall, dass Opel selbstständig weiterarbeiten darf und weiterhin als deutsche Marke erkennbar sein wird. Alles andere wäre auch nicht klug gewesen. Ob die Franzosen im Gegenzug am kommenden Elektroauto-Know-how von Opel mitnaschen dürfen? Eine spannende Frage, schließlich liegt die Technik-Kompetenz bei dem heuer auf den Markt kommenden Ampera-e (ein reines Stromfahrzeug) in Amerika. In jedem Fall profitieren kann Peugeot vom Umstand, dass Opel über Vauxhall Werke in Großbritannien hat – nach dem Brexit womöglich ein strategischer Vorteil. Klingt also alles nach eitel Wonne. Dennoch zittern in Deutschland, aber auch in Wien- Aspern viele Opel-Mitarbeiter um ihren Job. Schließlich gilt PSA-Boss Carlos Tavares als beinharter Sanierer. Der im Ernstfall eher zu französischen Mitarbeitern und Werken halten wird.

Wie auch immer, mit Opel bekommt PSA ums kleine Geld eine starke Marke, die es wohl bald in die schwarzen Zahlen schaffen wird (für 2016 hat das laut Karl-Thomas Neumann der Brexit verhindert). Ein Zugpferd dabei könnte der neue Insignia sein, von dem wir Ihnen auf Seite 28 einen ersten Fahrbericht servieren.

Ein neues Peugeot-Modell sind wir für diese Ausgabe auch schon gefahren: den Siebensitzer-SUV 5008 (Seite 22). Auf dessen Plattform werden übrigens heuer noch zwei Opel-Ableger kommen. Diese Kooperation wurde schon lange vor den Übernahme- Ambitionen geschlossen. Vielleicht aber schon in weiser Voraussicht.

Enrico Falchetto

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