allesauto.at

 
Enrico Falchetto

Wahlempfehlung

26.03.2013  - Mit 2013 steht uns ein Wahljahr ins Haus. Was alle Unzufriedenen freut, die Wahlzettel als Denkzettel sehen. Was aber soll nun der Autofan, der sich jahrelang über Verkehrspolitik und Belastungswellen geärgert hat, in der Kabine ankreuzen? <br />Die beiden koalitionären Großparteien tun sich schwer im bundesweiten Beliebtheits-Ranking, sind sie doch offensichtlich verantwortlich für den aktuellen Unmut. Die ÖVP etwa stellt die böse Finanzministerin, die uns mit ihrem Mineralölsteuer-Wahnsinn quält. Die Roten als die Guten? Sicher nicht mehr, seit sie in Wien den Schwachsinn mit der grünen Mitregierung zu verantworten haben. <br />Womit wir bei den Oppositionsparteien sind. Die Grünen, wiewohl in Sachen Korruption mit weißer Weste, disqualifizieren sich leider, weil hier die Verkehrspolitik einzig auf autohassender Intoleranz fußt. Die FPÖ ist immer dick da beim Verteidigen der Autofahrer. Doch abgesehen von ideologischen Ungereimtheiten haben die Blauen leider schon bewiesen, dass sie, sobald an der Macht, keine der zuvor angeprangerten Belastungs-Schwachsinnigkeiten abschaffen. <br />Und Stronach? Eigentlich müsste man den Automanager als Autoliebhaber lieb haben. Doch abseits fragwürdiger Ansichten in Sachen Presse- und Meinungsfreiheit verstören die wirren TV-Auftritte des Austro-Kanadiers. Und werfen die Frage auf, warum der gute Mann nicht in Würde altern will. <br />Keine Wahlempfehlung also? Natürlich nicht, die hat in einem Automagazin nichts verloren. Außer vielleicht die: Sie sollten auf jeden Fall wählen gehen. Und sei es nur das für Sie persönlich geringste Übel.<br />

 Enrico Falchetto

BILANZ-VERSCHIEBUNG

26.03.2013  - Die aktuelle Unfallbilanz zeigt Erfreuliches: Heuer gab es erneut weniger Verkehrstote. Wenn alles gut geht, wird 2012 erstmals die magische Marke von 500 Opfern unterboten – das ist gerade Mal ein Viertel des Wertes von 1980. Schieben wir das einmal ungefragt unseren immer sicherer werdenden Autos zu. <br />Aber es gibt auch Negatives zu berichten: Die Anzahl der Vorfälle unter Alkoholeinfluss ist wieder gestiegen. Dazu passt ein neuer unerfreulicher Trend: Unfallursache Nummer eins ist mittlerweile das Telefonieren am Steuer ohne Freisprecheinrichtung, rund ein Drittel aller Karambolagen ist auf diese moderne Art der Ablenkung zurückzuführen – ein Wert, der ziemlich genau doppelt so hoch ist wie der für Raserei. <br />Dabei haben Studien gezeigt, dass man mit dem Telefon am Ohr so schlecht fährt wie mit 0,8 Promille Alkohol im Blut. Das Handy hat das gute Glaserl zuviel also abgelöst. Leider auch als Kavaliersdelikt. Denn die, die immer meinten und meinen, betrunken nicht schlechter Auto zu fahren als nüchtern, gehen wohl auch davon aus, dass eine Freisprecheinrichtung nur etwas für ungeschickte Weicheier ist. <br />

 Stefan Pabeschitz

Auto-Gen

26.01.2013  - „Dem Automobil wird in dieser Stadt kein Denkmal gesetzt“, soll ein Wiener Bürgermeister einmal die Anregung zu einer ständigen Automobilausstellung abgeschmettert haben. Sehr plakativ – jedoch einer vermuteten Volksmeinung folgend, die von den Besucherzahlen der „Vienna Autoshow“ deutlich widerlegt wird. Fast 148.000 Gäste zählte die gemeinsame Veranstaltung mit der Ferienmesse heuer, etwa 53.000 mehr, als der Anti-Autofahrerpartei (früher bekannt als „Die Grünen“) bei der letzten Gemeinderatswahl ihre Stimme gegeben haben. Offensichtlich ist das Interesse am Automobil ebenso ungebrochen wie die damit verbundene Emotion – und die mediale Lautstärke seiner Gegner unverhältnismäßig zur tatsächlichen Stimmung. Keine Technik hat sich in den letzten Jahren so konsequent den Umweltanforderungen unterworfen und so große Fortschritte gemacht wie die des Autos. Die österreichische CO2-Bilanz krankt nicht am Auto, sondern an den jahrzehntelangen Versäumnissen auf vielen anderen Gebieten – das schlechte Zeugnis eines Staates, dem die Steuereinnahmen von heute wichtiger sind als die Umwelt von morgen. Österreich braucht sich seiner automobilen Gene und der damit verbundenen Traditionen nicht zu schämen. Für viele Menschen ist das Auto das teuerste Wirtschaftsgut, das sie in ihrem Leben anschaffen, und darauf wollen sie zurecht ein bisschen stolz sein. Ein maßgeblicher Teil der Wirtschaft unseres Landes lebt davon. Dafür wäre ein wenig Denkmalpflege schon angebracht. <br />

 Stefan Pabeschitz

ORF Bürgerforum am 29.5.2012

06.06.2012  - „Autofahrer – die Deppen der Nation?“ – Eher Tatsache als Frage, wenigstens da schienen sich die Vertreter aller Enden des Meinungsspektrum einig zu sein. Die Emotionen gingen während der Sendung merklich hoch, wogegen sich die Intelligenz weitgehend anderso verkrochen haben muss. Wer sich von den geladenen Politikern konkrete Erklärungen oder Ansätze für eine sinnvolle Verkehrspolitik erwartet hat, wurde – wie immer – enttäuscht. Der kritische Zuseher fand sich eher in einem komprimierten Stieg-Larsson-Universum wieder: Verblendung-Verdammnis-Vergebung (Letzters nur durch frühzeitiges Betätigen des OFF-Knopfes an der Fernbedienung). Minister Berlakovic konnte außer den Themenüberschriften der Homepage seines Ministeriums nichts beitragen, womit er wenigstens deklariert hat, dass er von seinem Fachgebiet auch nicht mehr Ahnung hat, als jeder Mensch mit Internetanschluß. <br />Verkehrministerin Bures gefiel sich mehr in der Rolle einer Austro-Evita und gab die händereichende Integrationsfigur, die schon alles zu Eurem Besten machen wird, wenn ihr sie nur laßt und keine Fragen stellt. Die Studiogäste konnten sich nach Sendeschluß vermutlich nur durch sofortige Flucht davor retten, einzeln von Ihr persönlich umarmt zu werden um dann gemeinsam „Don’t cry for me Austr-ia“ anstimmen zu müssen. Die Wiener Vizebürgermeisterin Vasilakou glänzte durch visionäres Leugnen der aktuellen Gegebenheiten und kategorisches Ausblenden kritischer Anmerkungen. Dafür hatte sie offenbar eine ansehnliche Schar von engagierten Anhängern (in welcher Bedeutung diese Definition auch immer zutreffen mag) mit ins Studio gebracht, die jedem Räuspern von Ihr stehende Ovationen folgen ließen und im Gegenzug Kritiker ausbuhten. Die Grünen haben die Propagandamethoden dunkler Zeiten offenbar gut studiert – sie dürfen das aber so machen, weil sie ja die Guten sind und Recht haben. Den Beweis, dass die Hemmschwelle manchmal eher eine Grube und Niveau vielleicht doch nur eine Creme ist, lieferte letztendlich der Vertreter des Verkehrsclub Österreich: Autofahren allein ist nach dessen Darstellung direkt verantwortlich für Kindersterblichkeit, Allergien und jede Art von Lungenkrankheit. Ein noch tieferer Griff, als der in die Kiste der Brutinstinkte war offenbar nicht möglich. Zumindest haben Menschen, die in Ihrer Kindheit eventuell tatsächlich einmal unter längerem Sauerstoffmangel gelitten haben, später vielleicht die Chance auf einen Job beim VCÖ. Wenigstens eine interressantes Faktum lieferte am Ende der Sendung der ORF selbst: Mit etwa tausend Anrufen sei die übliche Zuseherbeteiligung diesmal etwa zehn mal so hoch gewesen wie sonst. Offenbar hat das Thema Auto die demnach sonst nur von einem exklusiven Kreis beachtete Sendung ungewöhnliche Aufmerksamkeit beschert. Das hätte auch einen gehaltvolleren und seriöseren Umgang mit dem Thema verdient. <br />

 Georg Fischer

Tagebuch eines Stromers

22.02.2012  - Sonntag, 29. Jänner:          Wie ALLES AUTO-Leser wissen, findet das Messprogramm für den Großen Test im Driving Camp Pachfurth statt, 45 Kilometer östlich von Wien. Vereinbarter Termin ist diesmal Montag, der 30. Jänner. Für gewöhnlich reisen wir mit dem jeweiligen Testwagen in der Früh an und ermitteln dabei gleich einen Verbrauch. Die zweite Verbrauchsfahrt kombinieren wir dann mit der Rückreise. Nicht so mit dem Leaf. Der hätte nach 45 Kilometern nicht mehr genug Strom für die Tests gehabt. Zum Glück gibt’s im Driving Camp eine freie Garage mit Steckdose. Also Anreise schon am Vortag. Natürlich zu zweit, denn irgendwie muss ich ja wieder heimkommen. Beide haben wir uns den Sonntag Nachmittag ursprünglich anders vorgestellt.             Dienstag, 31. Jänner:          Die gestrigen Messungen hat der Leaf problemlos hinter sich gebracht, dann war die Batterie aber wieder leer. Nachdem das mindestens zehn Stunden Ladezeit bedeutet, blieb uns wieder nur die Garage vor Ort. Mittlerweile habe ich mir ein zweites Auto aus der Redaktion organisiert und bin unabhängig. Ich fahre heute also bereits zum dritten Mal nach Pachfurth, um nun Verbrauch und Reichweite des Leaf zu ermitteln. 90 Kilometer weit komme ich bei minus fünf Grad. Dann bin ich zurück im Driving Camp – natürlich wieder mit leerer Batterie. Also muss der Leaf noch einmal angesteckt hier übernachten.         Mittwoch, 1. Februar:          Heute wird der Nissan endlich heim geholt. Dazu habe ich mir wieder einen Freund organisiert. Locken konnte ich ihn damit, den Leaf von Pachfurth bis nach Hietzing – knapp 60 Kilometer – selbst zu fahren. Er kommt mit dem Wagen offenbar gut zurecht, fährt auf der Autobahn brav 130, ich hinterdrein. Nach ein paar Kilometern wird er langsamer, fährt eine Zeit lang 110, später nur mehr 90. Ich rufe ihn an und frage, was los ist. „Die Reichweite geht rapid hinunter. Ich hab’ Angst, dass mir der Strom ausgeht“, kriege ich zur Antwort. Die 60 Kilometer bis zur Redaktion gehen sich auf jeden Fall aus, beruhige ich ihn. Er bleibt bei Tempo 90. Was mir mehrere wütende Chauffeure auflaufender Lkw einbringt. In Hietzing angekommen, verabschieden wir uns voneinander. Er habe noch seine Handschuhe in meinem Auto, meint mein Freund. Die hätte er im Leaf gut gebrauchen können. Vor lauter Angst liegenzubleiben, ist der Arme bei minus fünf Grad ohne Heizung bis Wien gefahren. Der Umgang mit niedrigen Reichweiten verlangt offenbar einiges Umdenken.         Freitag, 3. Februar:          Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag verbringt der Leaf in der Redaktions-Einfahrt, natürlich am Stromkabel. Dann schnappt ihn sich Chefredakteur Enrico Falchetto und fährt heim nach Gießhübel, rund 15 Kilometer. Eine Ansteck-Möglichkeit gibt es dort nicht. Am Freitag früh hat es dort oben stramme minus 17 Grad, der Toyota Diesel von Falchettos Frau will nicht mehr anspringen. Skeptisch entert das Paar den Nissan. Doch siehe da: Der fährt trotz eisiger Kälte willig los. Gemeinsam holen sie in einer nahen Werkstätte Hilfe für den Toyota. Danach will Enrico wie vereinbart zur Redaktion. Die dramatisch sinkende Reichweite lässt ihn allerdings bald resignieren. Er steuert den Leaf direkt zu Renault Nissan nahe der Autobahnabfahrt Brunn am Gebirge. Dort gibt er den Wagen ab und lässt sich von meinem Kollegen Roland Scharf abholen. Auch dem Herrn Chefredakteur war wohl eine Reichweite von nur mehr 20 Kilometern zu gering.

 Roland Scharf

Polarität gegensätzlicher Wertbegriffe

22.02.2011  - Die deutsche Sprache besteht aus jeder Menge Dialekten, allein schon Österreich. Was rede ich, es unterscheiden sich ja schon die einzelnen Bezirke Wiens durch sprachliche Färbungen. Da ist es doch wohl logisch, dass auch einzelne Berufsgruppen ihre eigene Aussprache entwickeln. Ganz sicher trifft diese Erkenntnis auf die Gruppierung der Marketing-Fachleute zu, die ihr Können in einer ganz eigenen, sehr blumigen Variante unserer Sprache widergeben. Nennen wir es einfach mal Marketing-Deutsch.<br />Natürlich ist es die Aufgabe eines Redakteurs, sich mit den Produktvorstellungen der Hersteller auseinander zu setzen. Mit Presseaussendungen, die tagtäglich ins Haus flattern. Und obwohl es eigentlich immer nur um die nackten Informationen geht (Wann kommt der Hobel, wie wird er heißen, was soll er kosten?), können die Hersteller es nicht lassen, die Fakten möglichst schwülstig zu verpacken. <br />Jüngstes Beispiel: Die Aussendung der Fiat Group zum Genfer Automobilsalon. Hier ein paar Auszüge: „Ein Jahr nach der Integration von Lancia und Chrysler rufen die beiden Marken heute eine neue Produktgeneration ins Leben, in der die Highlights von zwei industriellen Kulturen miteinander verschmelzen: der extravagante Stil, die Wohlfühlkompetenz und die Funktionalität der Marke Chrysler mit den traditionellen Werten aus dem Hause Lancia, sprich Geschmack, Innovationskraft sowie Liebe zum Detail und zur Verarbeitung.“<br />So weit, so gut. Schmalzige Einleitungen haben in der Autobranche Tradition. Aber es geht noch weiter: „Das Ergebnis dieser Verschmelzung sind die auf dem Internationalen Autosalon Genf im Rahmen einer Weltpremiere präsentierten, neuen Lancia Modelle: der neue Ypsilon 5-Türer, der neue Thema, das neue Flavia Konzept, das neue Flavia Cabrio Konzept, der neue Grand Voyager und der neue Delta. Diese exklusiven Produkte bringen die gemeinsamen Werte der beiden Marken perfekt zum Ausdruck - die Eleganz und technologische Innovation sowie die über hundertjährige Geschichte und das Engagement für eine brillante Zukunft. Und sie stellen schließlich die Krönung einer erst 12 Monate jungen Integration dar, die sich in Rekordzeit vollzogen hat und ein noch enormes Potenzial bietet.“<br />Noch mehr Schmalz, und eine Frage: Wenn nach einem Jahr bereits die Krönung der Zusammenarbeit erreicht ist, wie geht es mit der Italo-Western-Connection dann weiter? „Dies ist die neue Geburtsstunde von Lancia. Wenige andere Marken können mit einem derartig breit gespannten Angebot vom Kleinwagen bis hin zum Luxury Van aufwarten, nur Lancia hat weltweit das Konzept „Premium-Auto” eingeführt, wo sich Wunsch und Besitz begegnen und Luxus entsteht, der kein Privileg ist, sondern ein leistbares Recht. Die Mission der Marke ist es, einen warmen und eleganten Luxus „Made in Italy” auf jedem Markt und in den wichtigsten Segmenten anzubieten.“<br />Man lernt wirklich nie aus. 1980 hätte dieser Text voll ins Schwarze getroffen. Heute ist Premium im Automobil-Business aber fast schon ein Schimpfwort und „Luxury-Vans“ sind bei anderen Marken mit noch breiter gespanntem Angebot ein alter Hut. "Alle neuen Lancia – und auch die weiterhin angebotenen Modelle Delta, Ypsilon 3-Türer und Musa - erfüllen die Wünsche einer anspruchsvollen Kundschaft, der es als Autobesitzer nicht darauf ankommt, mit ihrer Kaufentscheidung ihre finanziellen Möglichkeiten zur Schau zu stellen. Diese Kunden schätzen die Polarität gegensätzlicher Wertbegriffe wie Tradition und Innovation, Vernunft und Emotion, Individualität und soziale Verbindung; also eine Kundschaft, die nur mit dem Besten zufrieden ist und die sich weder von der Meinung der Anderen noch von kurzlebigen Modeerscheinungen beeinflussen lässt. In dieser Exklusivität ist nicht der Besitz kostbarer Wertgegenstände maßgeblich, sondern allein die Freude und persönliche Genugtuung.“ <br />Der Textchef würde diesen Absatz kommentarlos streichen. Anzahl der Fakten: Null. Und bereitet nicht der Besitz kostbarer Wertgegenstände Freude und persönliche Genugtuung? Scheinbar bin ich für die dargebotene Exklusivität einfach nicht reif genug. <br />„Diesen Kunden widmet Lancia ein Qualitätskonzept in der Art einer „multisensorischen Erfahrung”. An Bord der Fahrzeuge stehen edle Materialien, handwerklich gepflegte Details und technologische Innovation stets im Dienst von Fahrer und Fahrgästen. Für eine gebührende Inszenierung der vielen Weltpremieren von Lancia präsentiert der Genfer Stand auch in diesem Jahr die grafische Darstellung der perfekt gesetzten Teile eines Puzzlespiels, mit den Nuancen und Reizen aktueller Mode vereint.“ Alice im Wunderland hätte ihre Welt nicht besser beschreiben können. Ganz klar über die neuen Ansprüche der Marke dürfte man sich aber ohnehin nicht sein. Denn galten kurzlebige Modeerscheinungen für Lancia-Kunden nur einen Absatz weiter oben noch als Unmöglich, darf man mit deren Reizen die Kundschaft ruhig zum Lancia-Messestand locken.

 Roland Scharf

Zwangsverordnete Radliebe

28.01.2011  - Die grünInne Abteilung der Stadtregierung kam unlängst mit einem neuen, für die Allgemeinheit bahnbrechendem Vorschlag: Wandeln wir ein paar Straßen in Wien doch in sogenannte Fahrradstraßen um. Heißt: Alle dürfen auf diesen Straßen fahren, vor allem aber Fahrräder. Es herrscht ein striktes, sprich autounfreundliches Tempolimit. Der Grund dafür: Man möchte dem Volk Anreize geben, auf das Fahrrad umzusteigen. <br />Vielleicht ist das sogar nett gemeint, aber zum einen ist es eine weitere Schikane gegen die Autofahrer. Und zum anderen wird es ohnehin nicht funktionieren. Wer mit dem Rad fahren möchte, kann dies jetzt bereits tun. Es gibt mehr als genug Radwege in dieser Stadt. Und wenn wer etwas anderes behauptet, dann beobachtet er nicht das gleiche wie ich. Nämlich verwaiste Radwege im ganzen Stadtgebiet, die höchstens von Motorradfahrern verwendet werden, um sich an der Autoschlange vorbeizudrängeln. Aber Radfahrer? Nie. <br />Ich verstehe es einfach nicht, warum immer wieder das Fahrrad als Ersatz für das Auto genannt wird. Und wenn es um meine persönliche Meinung geht: Ich hätte auch gar keine Lust darauf, bei einem Sauwetter wie heute auf mein Bike zu klettern, mich durch die Gegend zu frieren, all das Zeug im Kofferraum in einen Rucksack stopfen zu müssen und dann verrotzt und verschwitzt am Ziel anzukommen. Da ist es doch schlauer, nur dann in die Pedale zu treten, wenn man Lust dazu hat. Dann nämlich liebe ich mein Fahrrad heiß und innig. Aber nicht zwangsverordnet. Und ich glaube, dass ich mit dieser Meinung nicht allein dastehe. <br />Sollten die Fahrradstraßen jedenfalls kommen, müsste man dieses Verkehrsmittel auch wirklich in das System eingliedern. Sprich: Kennzeichen und Steuern für jedes Fahrrad. Wer eine Straße mitbenutzen will, soll – so wie auch die Auto- und Motorradfahrer – dafür gefälligst seinen Beitrag leisten. <br />Aber ich kann mir schon vorstellen, was sich abspielen wird. Nämlich zwei Dinge: Die Autofahrer werden dank aufmerksamer Radaraugen abgestraft und die Zahl der Radfahrer bleibt gleich. Wetten? <br />

 Roland Scharf

Stardust für all of us, bitte!

19.01.2011  - Es gibt eine Todsünde, die man als Schreiber eines Autoprospekts tunlichst vermeiden sollte: Den Leser (und damit potenziellen Kunden) zu überfordern. Nach Jahren des Studierens dieser Verkaufsunterlagen kann ich die Problematik auf zwei Kernbereiche eingrenzen. Zum einen die schon lange nicht mehr hippen Anglizismen. Und zum anderen die krampfhafte Suche nach Ausdrücken, um übliche Ausstattungsfeatures anders als die Konkurrenz zu umschreiben. Ich weiß schon, dass man mit diesen Methoden das Produkt spannender hinstellen möchte. Aber das Gegenteil ist der Fall, und das einzige, was dabei herauskommt, ist unfreiwillige Komik. Ausgerechnet das Prospekt eines japanischen Nobelhobels bestätigt meine Theorie, da neben der stylischen Formulierung (oftmals mit Trademark gesichert) zur Sicherheit auch die deutsche Übersetzung abgedruckt ist. Hier ein paar Auszüge: „Dynamisches Safety Shield-Paket“ – hat fast schon jedes Luxusauto, nur heißt es sonst so banal wie: Assistenzsysteme. „Eco Pedal – optimiert den Kraftstoffverbrauch durch Reaktivkraft auf das Gaspedal und Warnlichter im Combimeter“ – Sprich: Der Wagen gibt weniger Gas als man selbst. Und bevor sich jemand fragt: Combimeter ist keine Maßeinheit für Kofferräume, sondern ein Experimental-Wort für Bordcomputer. "I-Key mit Smart-Access-Funktion” – Kinder, bitte. Woher diese krampfhafte Sucht kommt, englische mit deutschen Wörtern zu kombinieren, würde mich mehr interessieren als die Frage, wer JFK wirklich erschossen hat. Gemeint ist: Intelligenter Schlüssel mit schlauer Öffnungs-Funktion. Hört sich auch kaum bessser an. „Forest Air-System mit automatischer Umluft, Brisen-Modus, Plasmacluster-Luftreiniger und Trauben-Polyphenolfilter“ – von allen Umschreibungen mein absoluter Favorit. Auf ein Waldluft-System haben wir Stadtmenschen wirklich gewartet. Auf Plasmacluster und Polyphenolfilter (was auch immer das sein mag) sowieso. „Innenverkleidung aus Weißesche mit Silberstaubfarbe“ – Ein wenig Stardust für all of us, bitte! „Scratch Shield – Kratzschutz-Lack“ Immerhin liefert der Hersteller hier die Übersetzung ins deutsche gleich mit. Nur stellt sich da die Frage: Wozu braucht man die trendigen Ausdrücke dann überhaupt?

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