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  • 10.02.12 von Wolf H. Leinweber
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Mister Pig

Er gehört zu englischen Liebesromanen wie die Vespa zu italienischen: der knackige Roadster, an dessen Steuer der Herzensbrecher durch die raue Landschaft braust. Als hinreißender Vertreter dieser Spezies erweist sich der Austin-Healey 100/6.

Fotos: Robert May, WerkSechs Zylinder, Sonnenschein und viel Zeit: die Zutaten für einen perfekten Nachmittag im offenen Austin-Healey 100/6  

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ahnte noch niemand, dass die 1945 gegründete „Donald Healey Motor Company“ einen der erfolgreichsten englischen Roadster der Nachkriegszeit hervorbringen sollte. Mister Healey war zwar vor dem Krieg General Manager der Triumph Motor Company und hatte unter anderem die Rallye Monte Carlo 1931 gewonnen. Seine ersten Sportwagen-Versuche führten aufgrund der Materialknappheit in den Nachkriegswirren jedoch nicht zum gewünschten Erfolg. Vorerst musste die Fabrik in Warwick also weiter Fahrwerke herstellen, die mit Motoren von Nash oder Riley bestückt wurden.
Der in den Folgejahren eher nebenbei produzierte Healey Silverstone brachte zwar sportliche Erfolge bei der Mille Miglia oder der Alpenrallye, doch einer größeren Fahrzeugproduktion standen Rohstoffmangel, Steuergesetze und Produktionskapazitäten im Wege. Healey wollte allerdings den lukrativen amerikanischen Markt erschließen und plante dafür ein unkompliziertes, günstiges und schnelles Auto. Aus Kostengründen griff er dabei auf Motoren und andere Komponenten aus dem Austin-Teileregal zurück, womit auch Ersatzteilversorgung und Zuverlässigkeit gesichert waren.
Auf der London Motor Show 1952 präsentierte man schließlich den ersten Healey 100, einen Zweisitzer mit relativ kurzem Radstand und einer umwerfend schönen Karosserie. Der anwesende Austin-Chef Leonard Lord war von dem Roadster dermaßen begeistert, dass er mit Healey sofort eine enge Zusammenarbeit vereinbarte und den Wagen in seine Modellpalette aufnahm. Erst diese Kooperation ermöglichte jene Produktionszahlen, die Healey alleine nie geschafft hätte.


Einsteigen und Losfahren: Das Cockpit war mit Lederbezug und verstellbarem Lenkrad für damlige Zeiten recht luxuriös

Dabei war Donald Healey an diesem Tag mit dem Kühlergrill-Design seiner Autos noch so unzufrieden, dass er das Ausstellungsfahrzeug hinter einer Säule parken ließ, um die Front zu verstecken. Es half aber nichts: Die Grundform des schnittigen Sportwagens überdauerte schließlich fünfzehn Jahre und machte aus dem Roadster einen zeitlosen Klassiker. Dabei zeigte schon der Name, wie der Charakter des Autos beschaffen war: Der Austin-Healey 100 konnte als eines der wenigen damaligen Fahrzeuge konstant eine Geschwindigkeit von über 100 Meilen pro Stunde halten.
Technisch gesehen bot der Zweisitzer solide Hausmannskost. Neunzig Pferdestärken aus einem 2660 Kubikzentimeter großen Austin-Vierzylindermotor gelangten über ein Dreigang-Schaltgetriebe mit Overdrive an die Hinterräder. Diese waren durch eine Starrachse verbunden, während die Vorderräder einzeln aufgehängt wurden. Der Healey war auf Anhieb schnell und lag gut auf der Straße, und trotz teils spartanischer Ausstattung – so gab es anfangs nicht einmal Türgriffe – entwickelten sich die Verkaufszahlen hervorragend. Dennoch folgten bereits zwei Jahre später die ersten Verbesserungen. So gab es nun ein Viergang-Getriebe, und motorisch standen fortan auch der 100M mit 110 Pferden oder der nur fünfzig Mal gebaute, gewichtoptimierte 100S mit weiteren 22 Pferden zur Auswahl.

Austin Healey 100/6

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