allesauto.at

 
  • 25.05.10 von Roland Scharf
  •  

Chrysler Voyager, ab 2001 - Raumfahrt mit Pannen

Der Chrysler Voyager war auch in seiner vierten Auflage nicht frei von Fehlern. Doch genau da liegt vielleicht die Chance, ein echtes Schnäppchen zu machen.

Fotos: Robert May, WerkGrößer und moderner als der Vorgänger, aber leider fast so fehleranfällig: Chrysler Voyager, Jahrgang 2001-2007  

Wenn es eine Eigenschaft gibt, die den Voyager seit jeher auszeichnet, dann ist es der riesige Innenraum. Der unschlagbare Nutzwert ist aber auch die einzige Ge¬meinsam¬keit, denn die letztes Jahr ausgelaufene, vierte Auflage (Typ RG) versuchte mit allen Mitteln, den Imageschaden der dritten Generation auszubügeln. Dieser ab 1996 produzierte Typ GS galt als absoluter Mängelriese, keine Baugruppe, die nicht erhebliche Defekte aufweisen konnte, ganz egal ob Getriebe, Motor, Elektronik, Karosserie, Innenraum oder Fahrwerk.
Somit wurde der RG der europäischste Chrysler aller Zeiten. Nicht nur, weil er noch in Österreich produziert wurde (der brandneue Nachfolger läuft wieder nur mehr in den Staaten vom Band), man überarbeitete ihn auch gezielt für den alten Kontinent: Zum einen versuchte man, die typisch amerikanischen Eigenschaften (weichgespülte Fahrwerksabstimmung, Sprit fressende, lahme Motoren und die sehr legere Verarbeitung) abzulegen. Kein Voyager vorher fuhr sich (in Anbetracht des hohen Leergewichts) so direkt, bei den Bremsen gab’s auch nichts zu meckern, und die Ergonomie war durchaus annehmbar. Zwar hatte der 141 PS starke Diesel aufgrund des üppigen Hubraums nach wie vor mit Verbrauchs-Problemen zu kämpfen, er stellte aber einen deutlichen Fortschritt zum lauteren, schwächeren und weniger genügsamen Vorgänger dar.
Auch in Sachen Innenraum sichtete man Verbesserungen. Dank einiger Zusatz-Zentimeter ist ausreichend Platz für sieben Passagiere plus Gepäck vorhanden – vor allem in der (vorsteuerabzugsberechtigen) Lang-Version „Grand“. Gegen Aufpreis öffnen bzw. schließen Heckklappe und seitliche Schiebetüren elektrisch. Nur auf die Variabilität hatte man schlicht vergessen. Die Rückbank der dritten Reihe lässt sich theoretisch zwar ausbauen, wiegt aber satte 64 Kilo und ist so sperrig wie ein Surfbrett. Erst ab der Modellpflege 2005 wurde das Problem gelöst. Die Sitze waren von da an komplett im Wagenboden versenkbar.
Weniger glückten die Verbesserungen auf dem Gebiet der Qualität – dem Hauptproblem des glücklosen Vorgängers. Die vierte Generation absolvierte zwar 2004 den ALLES AUTO Intensivtest mit nur einem leichten Defekt (gebrochene Gurthöhenverstellung), doch mit steigendem Alter fällt die schlechte Verarbeitung immer stärker auf.
So reicht der Mängel-Katalog von Kleinigkeiten wie durchgesessene Sitze und Lackfehler, über noch verdaubare Defekte wie schwächelnde Beleuchtung bis hin zu echten Härtefällen im Bereich der Bremsanlage und Lenkung. Als weitgehend problemlos gelten Achsen plus Antriebswellen, und auch die Rostvorsorge konnte im Vergleich zum Vorgänger verbessert werden.
All das schlägt sich natürlich in den Gebrauchtwagenpreisen nieder. Die Praxis zeigt, dass die Eurotax-Werte oft nicht erzielt werden können. Das gilt vor allem für die Benzin-Varianten, die allesamt über viel Hubraum, einen entsprechenden Verbrauch und einen dazu passenden Beliebtheitsgrad verfügen.
Andererseits: Das niedrige Preisniveau ist der Grund, warum der Voyager als Gebrauchter so beliebt ist. Denn es ist relativ leicht, ein echtes Schnäppchen zu ergattern. Besonders empfehlenswert sind die Facelift-Modelle ab 2005, die nicht nur über die versenkbaren Sitze, sondern auch über den 2,8 Liter-Selbstzünder verfügen. Der hat zwar nur sieben PS mehr als der alte 2,5-Liter, dafür spürbar mehr Drehmoment und Automatik ab Werk.
Die Auswahl ist jedenfalls groß, und funktioniert auch alles so, wie es soll, bietet der Chrysler-Van ein nur schwer zu schlagendes Preis/Raum-Verhältnis mit der richtig dosierten Menge an "American way of drive". So ist es vor allem wichtig, auf ein vollständiges Service-Heft zu achten, damit einem die Lust am günstigen Ladewunder nicht gleich wieder vergeht.

Chrysler Voyager, Generation IV

  • Die häufigste Version ist der (vorsteue...  

  • Ergonomie und Sitzposition gehen in Ord...  

  • Wenig Seitenhalt, dafür äußerst bequeme...  

Alle Fotos anzeigen (8)

Top
  • 1 von 1
  • alt