Luftfracht - Der Seidl-911
Wie sieht das ultimative Spaßgerät aus? Für Leser Gernot Seidl braucht es Heckantrieb, Luftkühlung sowie zwei Turbos. Und reichlich Leistung, wie sein 560 PS starker Porsche 911 Turbo beweist.
Was dieser Porsche kann? 560 PS, aber nur 1380 Kilogramm. Noch Fragen?
Die größten Projekte fangen meist zufällig und mit einer winzigen Kleinigkeit an. Eigentlich wollte Gernot Seidl nur den Motor seiner Neuerwerbung, einem Porsche 993 Turbo, neu abdichten. Nachdem aber alles mal zerlegt war, bekam die Sache eine gewisse Eigendynamik und es entstand einer der heftigsten Porsche-Umbauten des Landes.
Erfahrung auf dem Gebiet hat der Autohändler und leidenschaftliche Schrauber auf dem Porsche-Sektor schon genug: Auf einen 944 Turbo folgte ein Carrera RS, der nach einiger Zeit aber etwas stärkerem weichen musste. Wieder mal durfte es ein zwangsbeatmeter Porsche sein, möglichst leicht und luftgekühlt. Schnell fiel die Wahl auf ein 993er-Modell des Jahres 1995, bereits ab Werk mit optionalen 450 PS nicht wirklich untermotorisiert.
Nach der völligen Zerlegung des Sechszylinders wurden nicht nur die Verschleißteile getauscht. Der Ventiltrieb arbeitet fortan nicht mehr mit Hydrostösseln, sondern mechanisch, die zwei Standard-Turbos wichen großen K26-Ladern und die Nockenwellen stammen aus der letzten Evolutionsstufe des 993 GT2.
So simpel das klingt: Der Umbau zog sich über Monate. Immer wieder wurden unterschiedliche Kombinationen diverser Komponenten ausprobiert, im Anschluss alles wieder zerlegt, weitergetüftelt und erneut zusammengeschraubt.
Damit der Motor möglichst lange gesund bleibt, kam ein zusätzlicher Ölkühler inklusive Gebläse zum Einsatz und der Ladeluftkühler wurde entlackt (schwarze Farbe lässt den Kühler schneller aufheizen, die Kühlwirkung sinkt) und der Motorraum zur besseren Führung der Kühlluft mit zusätzlichen Dichtungen isoliert.
Dem nicht genug, ging es auch dem restlichen Auto an den Kragen. Gernot bediente sich im großen Porsche-Baukasten, der ähnlich simpel aufgebaut ist wie jener von VW und Audi: Die Lenkung wurde gegen jene des 993 RS getauscht, das Lenkrad stammt überhaupt vom Nachfolgemodell und Dämmmaterial plus Rücksitzbank tauschte der Gleisdorfer gegen einen verchromten Überrollbügel aus dem Clubsport-Programm. Bei den Sitzen entschied man sich für GT3-Exemplare. Auch der Allradantrieb flog raus, aus zwei Gründen: Erstens ist für Gernot das Fahren mit Heckantrieb „ehrlicher“, da der trügerische Traktionsvorteil des Allrads über schlechten Fahrbahnbelag hinwegtäuscht, was sich beim Bremsen bitter rächen kann. Und zweitens hätte es den Antriebsstrang bei der angestrebten Leistung ganz einfach zerrissen.
Gerät des Monats: Der Seidl-911
.jpg)
Der entlackte Ladeluftkühler verdeckt d...
.jpg)
Wühlen im Porsche-Baukasten: die Sitze ...
.jpg)
Die Optik blieb bewusst seriennah, nur ...
Alle Fotos anzeigen (9)
