Das ist heavy, Chevy
Gibt General Motors Opel nun endgültig auf? Aktuelle Berichte verheißen nichts Gutes.
Goldene Zeiten: 1983 wurde der 20 Millionste Opel noch sorgenfrei gefeiert
Es ist wirklich nichts Neues, dass General Motors über die Verluste seiner europäischen Tochterfirmen alles andere als erfreut ist. Allein in den ersten neun Monaten 2011 waren es 580 Millionen Dollar. Auch Gerüchte über einen möglichen Verkauf der deutschen Tochter Opel, bis hin zur Auflösung der Marke halten sich hartnäckig in den Schlagzeilen. Und zwar so hartnäckig, dass sie schon fast wieder unglaubwürdig klingen.
So düster wie jetzt tönte es aber noch nie aus Detroit über den großen Teich. Das Wall Street Journal berichtet nicht nur, dass die hohen Herren von GM auf die horrenden Verluste Opels im vierten Quartal 2011 nicht vorbereitet waren. Das Börsen-Portal vermeldet auch, GM überprüfe derzeit seine Optionen.
Derart nebulöse Aussagen verheißen nie Gutes, und tatsächlich berichtet ein hochrangiger GM-Manager, dass die US-Gruppe von den europäischen Marken und ihrer Unfähigkeit, Fortschritte zu machen, langsam die Nase voll hat: „Der Frust wird immer größer mit Opel und das Gefühl immer größer, dass die Maßnahme vor zwei Jahren nicht tief genug gingen. Wenn Opel gerettet werden soll, muss es jetzt passieren, und die Einschnitte werden tief gehen.“
Der Online-Dienst Autoscoop wird, was die konkreten Maßnahmen betrifft, schon deutlicher und beruft sich dabei auf einen Report des Nachrichtendienstes IHS Automotive. Ein sehr radikaler Plan sieht vor, die Marken Opel und Vauxhall zu eliminieren, nur vier oder fünf Produktionsstandorte zu behalten und dort Chevrolet-Modelle zu produzieren. Chevrolet-Modelle sollen dann verstärkt in ehemaligen Opel-Jagdgründen wildern und gegen Hyundai oder Skoda aufgestellt werden.
Und tatsächlich scheint es, dass Opel vor allem mit dieser internen Konkurrenz am meisten zu kämpfen hat. Chevys vom Schlage Cruze und Orlando verwenden durchwegs moderne Opel-Technik, kosten aber um ein Hauseck weniger. Die Idee, Opel als Premium-Marke zu etablieren, um die höheren Preise zu rechtfertigen, ging bis jetzt aber nicht auf. Somit entstand erst diese verzwickte Situation.
Doch es wird noch komplizierter: Nackte Zahlen allein können die komplexe Vernetzung eines internationalen Konzerns natürlich nicht darstellen. Und trotz aller Verluste ist Opel als Entwicklungsschmiede für GM extrem wichtig. Gäbe es die Rüsselsheimer nicht, stünden die Amis schon bald ohne moderne Technik da. Diese enorm wichtige Arbeit lässt sich aber nur schwer bis gar nicht in Zahlen ausdrücken, im Gegensatz zu massig produzierten Billigautos in irgendwelchen osteuropäischen Werken. Entsprechend mies ist das Standing der Deutschen bei den amerikanischen Zahlen-Jongleuren, die als erstes an Shareholder-Value denken und erst ganz zum Schluss an moderne, innovative Fahrzeugtechnik.
Natürlich ist das unfair, doch auch für diesen Aspekt gibt es einen Plan. Während ehemalige Opel-Werke künftig nur mehr Chevys produzieren sollen, wird die Opel-Zentrale in Rüsselsheim zu einem reinen Forschungs- und Entwicklungszentrum umgemünzt. Mit dem Ziel, echte Weltautos zu entwickeln, so wie es Ford derzeit auch macht.
GM Europe spielte seit 2009 einen Verlust von 2,4 Milliarden Dollar ein, seit 1999 sogar elf Milliarden. Allein die Umstrukturierungsmaßnahmen 2011 an allen europäischen Standorten kosteten das Unternehmen 900 Millionen Dollar.
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