Zwei mal zwei
Der Zweitakt-Motor ist wieder da – mit gegenüberliegenden Kolben, elektrischen Turbos – und einer Menge Entwicklungspotenzial.
Zwei Takte, zwei gegenüberliegende Kolben - die Kernideen von EcoMotors
Geschichte wiederholt sich und manche Ideen tauchen immer und immer wieder auf. Auch in der Welt des Automobils. Alle paar Jahre versuchen es findige Tüftler, altbekannten Technologien neuen Glanz einzuhauchen. Der Wankelmotor ist ein klassisches Beispiel, oder eben der Zweitaktmotor.
Grundsätzlich ist die Idee dahinter ja gut. Der Motor arbeitet effektiver als der gebräuchliche Viertakter, weil er nur zwei Arbeitsschritte (eben zwei Takte) benötigt, um das Gemisch anzusaugen, es zu komprimieren, zu verbrennen und wieder auszustoßen. In weiterer Folge benötigt er weit weniger Bauteile, zum Beispiel keine Ventilsteuerung, baut daher kompakter und leichter. Warum also fahren wir alle mit dem uneffizienteren Viertakter durch die Gegend?
Weil dieser keine echten Nachteile hat. Wankel und vor allem Zweitakter neigen dazu, Öl und unverbranntes Gemisch auszustoßen und damit deutlich schlechtere Abgaswerte zu erzielen. In der heutigen Zeit ein echtes Killerargument. Bis jetzt.
Denn eine junge Firma aus Michigan namens EcoMotors International möchte den Zweitakter so weit entwickeln, dass die Vorteile überwiegen – mit einem für den Automobilbau revolutionären Konzept: Den gegenüberliegenden Kolben.
Da der Zweitakter ja keine Ventile braucht, können jeweils zwei Kolben gegenläufig arbeiten. Verbaut man in dieser Konfiguration vier Kolben (jeweils zwei zueinander) und kombiniert sie mit nur einer Kurbelwelle (siehe Bild), entsteht ein kompakter Motor mit extrem hohen Wirkungsgrad.
Der OPOC-Motor (steht für Opposed Piston, Opposed Cylinder – gegenüberliegende Kolben, gegenüberliegende Zylinder) soll bis zu 50 Prozent effizienter Arbeiten als herkömmliche Auto-Triebwerke, aber deutlich weniger Abgase ausstoßen als andere Zweitakter – durch eine intelligente Steuerung.
Die Motorelektronik hat die komplexe Aufgabe, Ein- und Auslass-Kanäle je nach Lastzustand zum richtigen Zeitpunkt zu öffnen, Sprit nach Bedarf korrekt einzuspritzen und sogar die Kompression über einen elektrisch angetriebenen Turbolader zu variieren.
Wie passend, dass Software-Guru Bill Gates mit über 23 Millionen Dollar an EcoMotors beteiligt ist. Doch auch die mechanischen Herausforderungen müssen noch bewältigt werden.
Die gegenüberliegenden Kolben etwa erfordern unterschiedlich lange Pleuel, die entsprechend unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt sind, dennoch wucht und sauber arbeiten müssen.
Kritiker mögen behaupten, dass nichts am OPOC-Motor revolutionär sei, da es alles schon einmal gab, sei es im Dampfmaschinen-, Motorrad- oder Flugzeugbau. Noch nie wurden alle diese Details aber kombiniert und genau darin liegt die Problematik. Sollte die Rechnung aber aufgehen, könnte dem Zweitakter tatsächlich ein fulminantes Comeback gelingen.
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