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  • 30.11.10 von Roland Scharf
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General-Angriff

General Motors ist Weltmeister – zumindest an der Börse. Der Gewinner der ganzen Aktion ist in erster Linie Amerika.

Anlässlich des GM-Börsegangs: Auszug aus der aktuellen GM-Produktpalette vor der New Yorker Börse an der Wall Street 

23,1 Milliarden Dollar, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Kein Unternehmen zuvor stieg mit einem derartigen Volumen in der Börse ein. Und erst recht keine Firma, die ein Jahr zuvor vor der Pleite stand. Dass der Staat dem Autoriesen aus der Patsche half (und dessen Kürzel GM kurzzeitig mit Government Motors übersetzt wurde), ließ diverse Mitbewerber sauer aufstoßen. Es sei wettbewerbsverzerrend, gegen jegliche Logik der Marktwirtschaft einen Pleitekandidaten künstlich zu stützen. Heute aber sieht die Lage ganz anders aus: General Motors macht wieder Gewinn, verkauft Autos in respektablen Stückzahlen und ist – Konkurs sei dank – die alten Knebelverträge mit den Gewerkschaften los. Vom symbolischen Wert, einen der größten Stützpfeiler der US-Industrie gerettet zu haben, ganz zu schweigen. Man kann jedenfalls ohne Altlasten neu durchstarten. Am besten mit viel frischem Kapital.
GMs Börsengang ist aber nicht nur deswegen ein Superlativ. Die Firma aus Detroit übertrumpft sogar die Agricultural Bank of China (22,1 Mrd.) und den Kreditkarten-Riesen Visa (19,7 Mrd.). Insgesamt 478 Millionen Aktien zu einem Stückpreis von 33 Dollar warf GM auf den Markt, die zusammen mit diversen Stamm- und Vorzugsaktien die Rekordsumme ergeben. Passt GM aber nicht auf, stehen sie vor dem gleichen Problem wie zu Beginn der sogenannten Krise.
Denn mit ein Grund für das Dilemma war immer schon, dass die Laune der Aktionäre scheinbar wichtiger war als die Budgets für Forschung und Entwicklung. Hohe Dividenden und veraltete, nicht wettbewerbsfähige Technik ergaben einen ungesunden Mix, der den Konzern nachhaltig aushöhlte. Und auch dieses mal wird das frische Geld erst einmal dafür verwendet, die Finanzspritze der Regierung, immerhin 49,5 Milliarden Dollar, zurückzuzahlen. Neue Produkte? Die Pickups verkaufen sich eh wieder wie von selbst, seitdem der Spritpreis wieder niedrig ist.
Ein Problem, vor dem auch Opel stand. Da die Gewinne immer artig an den Mutterkonzern in Detroit gezahlt werden mussten, gab es kein Geld für neue Entwicklungen. Und das, was nach GM-Vorgabe entwickelt wurde, passte oftmals nicht ins Marken-Konzept. Genau diese Probleme möchte Opel mit dem Börsengang los werden. Das Konzept der Sanierung sieht eine Mitarbeiterbeteiligung vor. Im Gegenzug verzichtet die Belegschaft bis 2014 auf jährlich 265 Millionen Euro.
Sinn der Aktion ist aber nicht nur das Lukrieren neuer Geldquellen. Es geht auch um die Entscheidungs-Unabhängigkeit von der US-Mutterfirma, was neue Produkte und die Modellpolitik angeht. Denn nur so kann Opel aus der Verlustzone, in der sie nach wie vor stecken, heraus kommen. Und das kommt im Endeffekt auch wieder GM zugute.
Wer sich jetzt dafür entschlossen hat, auch einen Teil von GM besitzen zu wollen, muss nur mehr auf eine Sache achten: An der Börse werden zwei GM-Aktien gehandelt. Die erste, Wertpapierkennnummer A0X900, ist die alte GM-Aktie, die der nunmehrigen „Motors Liquidation Company“. Jenes Abwicklungsunternehmens also, dass sich um den Nachlass der alten GM-AG (in erster Linie alte Fabriken und sonstige verwahrloste Besitztümer) kümmert. Wert der Aktie: Knapp über Null, Tendenz fallend.
Wer Präsident Obama bei seiner Mission, die amerikanische Wirtschaft zu retten, aber unterstützen möchte, greift lieber zur Kennnummer A1C9CM.
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