Ein Rennen mit Autos, die andere schon lange entsorgt hätten. Das konnte nicht ohne kleinere Zwischenfälle über die Runden gehen. Gerade deswegen waren die 24 Stunden von Fuglau so speziell
Der Ärmste war der Kerl im blauen Polo. Schon in der Anfangsphase rollte er seinen VW aufs Dach, was an der grundsätzlichen Fahrbarkeit und am Zustand des Wagens (Schrott bleibt Schrott) zwar nichts änderte. Doch die Karosserie war so verbogen, dass die restliche Renndauer ohne Windschutzscheibe überstanden werden musste. Dass von nun an einfach mit Taucherbrille gefahren wurde, steht stellvertretend für das Stehvermögen der Teilnehmer, das geschundene Blech und sich selbst so lange wie möglich am Leben zu halten. Nicht der Sieg war das Ziel, sondern einfach nur das Ankommen - nach 24 unglaublichen Stunden.
So dramatisch das jetzt auch klingen mag. In Wahrheit war es ein sehr simples Rennen, mit simplen Autos und simplen Regeln: Motoren mit maximal 1500 Kubikzentimeter Hubraum, unveränderter Leistung und auch der Rest serienmäßig, mit Ausnahme eines Schalensitzes und ordentlichen Hosenträgergurten. Andere Raddimensionen, laute Auspuffanlagen oder sonstige Modifikationen, mit Ausnahme optischer Natur, waren jedoch verboten.
Günstiger Motorsport bedarf entsprechend harter Einschnitte in die künstlerische Freiheit motivierter Hobbyschrauber, sonst artet sogar dieses Leichenrennen in eine Materialschlacht aus. So aber wurde mit den simpelsten Dingen, sei es Vorschlaghammer oder Schweißgerät, im Fahrerlager mindestens so hart gekämpft wie auf der Strecke. Die Autos alterten im Zeitraffer, die einen schneller, die anderen langsamer, und es gingen Dinge ein, die garantiert niemand im Gepäck hatte. Legenden erzählen bereits jetzt von brennenden Differenzialen, weil sich das Öl auf der Strecke vertschüsste, da eine Schraube nicht dicht hielt. Und von Stoßdämpfern, die nicht nur überhitzten und ihr Öl abließen, sondern gleich ganz brachen.
Dass von 37 Startern 28 ins Ziel kamen, verblüffte nicht nur den Veranstalter, wie er auf seiner
Homepage zugibt. Es zeigt auch, dass wir Autos entsorgen, die scheinbar noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Mit Ausnahme des Polo ohne Windschutzscheibe.