F1 2017 vorab angespielt

7. August 2017
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Leben

Es mag für Mercedes Benz zwar in der Formel 1 nicht so glorreich laufen wie noch vor einiger Zeit, aber dennoch hätte es für einen Anspieltermin des neuen F1 2017 wohl keine bessere Location gegeben als das Mercedes-Benz Museum in Stuttgart. In kaum einem Museum schwebt immerhin so viel Rennsport-Geschichte im Raum wie bei den Erfindern des Autos höchstselbst. Da verwunderte es auch wenig, dass dem Platz nehmen im virtuellen Cockpit eine Führung durchs Haus vorausging, bei der wir uns Stockwerk für Stockwerk von den Anfängen im Jahr 1902 bis zum Hier und Jetzt vorgearbeitet haben. Vom Pferd bis zum SLS quasi – inklusive all der Zwischenschritte wie den Anfängen des Motorenbaus, dem Zusammenschluss zur Daimler-Benz AG, der Übernahme des Namens Mercedes, dem ersten Diesel-Auto, den ersten Airbags und so weiter und so fort.

 

Doch zum Spiel: Wie ihr vielleicht wisst, ist F1 2017 alles andere als der erste Rennspiel-Titel mit offizieller Formel 1-Lizenz von Codemasters. Die Damen und Herren von der Insel produzieren selbige schon seit Jahren und haben dabei schon so manche Fort- und Rückschritte für die Serie produziert. Dabei war das Vorjahres-Produkt allerdings nach einer Art ständigem Abwärtstrend endlich mal wieder erfrischend gut (hier der Test). Darauf wollten die Entwickler aufbauen. Statt radikal Neuem erwartet uns also behutsames Verfeiern – und das ist gut so.

Abgesehen vom Offensichtlichen – also den Autos aus der aktuellen Saison – hat man also vor allem neue Feinheiten hinzugefügt, die in Kombination aber doch einen großen Sprung nach vorne versprechen. In der Karriere beispielsweise, in der ihr nach wie vor mit einem Team eurer Wahl startet (übrigens auf Wunsch gerne auch als weibliche FahrerIN) und in Folge nicht nur an eurem eigenen Erfolg, sondern auch der Entwicklungsarbeit des Teams mitwirken könnt. Dreh- und Angelpunkt ist hier nach wie vor eure Managerin, die nun aber nicht mehr der einzige Mensch ist, mit dem ihr zum Plaudern kommt. Zudem darf auch mit dem Technik-Chef gesprochen werden, der euch mittels an ein Rollenspiel erinnernden Talentbaum noch deutlich detailliertere Möglichkeiten bietet an der Entwicklung eures Wagens und Teams zu arbeiten. Und darüber hinaus – besonders cool – wartet nun als Ansprechpartner auch der reiche Autonarr Jonathan, der diverse Events mit klassischen Formel-Fahrzeugen veranstaltet und euch dabei als Fahrer verpflichtet.

 

Also ja, es gibt nun wieder (auch das hatten wir ja schon mal in der Serie), historische Autos. Zwölf sind es an der Zahl. Zumindest für Vorbesteller – sonst muss man sich mit elf zufriedengeben:

  • 1988 McLaren MP4/4*
  • 1991 McLaren MP4/6
  • 1992 Williams FW14B
  • 1995 Ferrari 412 T2
  • 1996 Williams FW18
  • 1998 McLaren MP4-13
  • 2002 Ferrari F2002
  • 2004 Ferrari F2004
  • 2006 Renault R26
  • 2007 Ferrari F2007
  • 2008 McLaren MP4-23
  • 2010 Red Bull Racing RB6

* nur für Vorbesteller

Diese könnt ihr natürlich sowohl in Einzelrennen eurer Wahl, im Rahmen der Karriere aber vor allem in Spezial-Events an ihre Grenzen treiben. Hier gilt es dann zum Beispiel in einer bestimmten Anzahl von Runden eine bestimmte Menge langsamerer Gegner zu erholen, auf einen Gegner aufzuschließen, der mit Vorsprung gestartet ist oder vorgegebene Slalom-Strecken zu fahren. Dabei sind aber die Autos an sich das größte Highlight. Ihr Fahrverhalten, vor allem aber ihr Sound wurde nämlich ebenso detailverliebt eingefangen wie bei allen aktuellen Autos. Der längere Bremsweg, das unbarmherzige Handling und vor allem der betörende Sound faszinieren hier von Anfang an.

Unnötig zu erwähnen, dass sie auch einfach ein schöner Anblick sind. Vor allem in den Häuserschluchten von Monaco, die nun auch Nachts befahren werden können (spätestens bei Regen ein absoluter Adrenalin-Höhenflug mit Ganserlhaut-Garantie). Apropos neue Strecken: Profis werden sich freuen zu hören, dass Suzuka komplett neu vermessen und nachgebaut wurde. Streckenneigung und Unebenheiten sind nun also „spot-on“. Zudem wurde – im Interesse der Abwechslung – auch eine Vielzahl von neuen Streckenlayouts bekannter Pisten hinzugefügt. Das alles natürlich zusätzlich zu den 20 offiziellen Pisten der aktuellen F1-Saison.

Ebenfalls noch einmal überarbeitet – wenn auch nur sanft – wurde die EGO-Engine. Das grafische Ergebnis ist auch nach all den Jahren ihres Einsatzes immer noch solide, auch wenn es mit Optik-Granaten wie einem Project Cars 2 oder Forza Motorsport 7 keineswegs mithalten kann. Dennoch: Gerade bei Regen hat F1 2017 optisch durchaus seinen Reiz. Und die somit angenehm niedrigen Systemanforderungen sind natürlich auch eine feine Sache. Bei dem Tempo eines modernen F1 ist ein ruckelndes Bild immerhin wirklich das letzte, was man gebrauchen kann.

 

Vor allem dann, wenn man die in vielen Feinheiten justierbaren Fahrhilfen und Schwierigkeits-Settings (die KI-Stärke kann nun übrigens für echte Cracks auf bis 110% angehoben werden) in Profi-Regionen hochgeschraubt hat. Dann merkt man nämlich schnell, dass mit Vollgas aus einer Kurve herausbeschleunigen wirklich nur in ganz, ganz seltenen Fällen eine gute Idee ist. Stattdessen ist viel Gefühl im Gasfuß oder Gas-Finger gefragt. Da wie dort – also sowohl bei Verwendung eines Force-Feedback-Lenkrads, als auch beim Spielen mit Gamepad – wurde gemeinsam mit der Überarbeitung der Physik-Engine intensiv daran gearbeitet dem Spieler mehr Feedback zukommen zu lassen. Der Controller liefert nun also viel häufiger und punktuellere Vibrations-Effekte um die Bodenbeschaffenheit und das Grip-Niveau an den Fahrer weiterzugeben. Gleiches gilt für Force-Feedback-Lenkräder, die nun durch Zerren und Rütteln an der Lenkung noch genauer vermitteln können, was mit dem Wagen gerade so passiert.

Natürlich ist man aber trotzdem nie davor gefeit, es einmal zu übertreiben. Das heißt bei einem F1 meistens: Abflug. Und das heißt in F1 2017 dann meistens: Auftritt Schadensmodell. Vom kleinen Splitter, der sich vom Frontspoiler verabschiedet bis hin zur brechenden Aufhängung bietet das System die ganze Bandbreite. Natürlich immer samt passender Auswirkungen auf das Fahrverhalten des Boliden (nur Verformungen des Chassis fehlen zur Gänze). Bei Autos bei denen die Aerodynamik so wichtig ist wie bei einem Formel-Fahrzeug kann schon der kleinste Rempler gravierende Auswirkungen auf das Fahrverhalten haben. Glücklicherweise hat Codemasters aber das beliebte Rückspul-Feature im Spiel belassen. Hat man also mal einen Bremspunkt verpasst kann auf Wunsch man jederzeit zurückspulen und es noch einmal probieren.

 

Zu guter Letzt noch ein Wort zum Multiplayer: Auch hier haben die Entwickler sich bemüht auf die Fans zu hören und dementsprechend einige heiß ersehnte Änderungen eingebaut. So gibt es nun immer mindestens zwei Spectator-Plätze pro maximal 22 Spieler fassendem Online-Rennen. Mindestens deswegen, weil nicht belegte Fahrer-Positionen natürlich auch durch Zuseher eingenommen werden können. Zudem werden nun auf allen Plattformen dedizierte Server geboten.

Ersteindruck

Geht es nach der fast fertigen Version von F1 2017, die wir immerhin zwei Stunden lang fast uneingeschränkt spielen durften, sind wir was den neusten Teil der Serie angeht mehr als zuversichtlich, dass hier wieder mal ein richtig guter auf uns zukommt … wenn nicht sogar der beste bis jetzt. Die Kombination aus sehr umfangreichem Karrieremodus samt Events mit historischen Autos, der Tatsache das letztere so toll umgesetzt wurden und der spannenden aber auch durchaus komplexen Erweiterung der Entwicklungsmögichkeiten im Karrieremodus macht definitiv Lust auf mehr. Wir sind gespannt ob im Praxistest Ende August dann auch die KI und Langzeitmotivation mithalten kann – erstere war noch nicht fertig und soll noch gepolished werden.

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Profilbild von Johannes Posch

Filme, Videospiele, Technik, Autos, Speis und Trank ... meine Interessen lesen sich wie das 1x1 der Männer-Klischees. Aber so bin ich nun mal. ;) Und das zeigt sich auch in meinem bisherigen Werdegang: Hotelfachschule, dann Videospieljournalist (übrigens bis heute: www.gamers.at), anschließend einige Jährchen bei einer Unternehmensberatung und Digital-Marketing Agentur und nun also hier, bei Alles Auto. Hier darf ich seit Mai 2015 die Geschicke von allem das "online & digital" ist lenken und gestalten ... und "nebenbei" natürlich der Redaktion mit Tests, Fahrberichten und mehr meinen Stempel aufdrücken. Und dabei bin ich natürlich auch immer für Anregungen offen. Fragen und vor allem Anregungen sind also jederzeit willkommen. :)

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