Geld sparen durch Autoverzicht?

13. Januar 2016
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Haben Sie schon mal jemanden gefragt, warum er eine teure Breitling trägt, wenn man die Zeit doch auch am Handy gratis ablesen könne? Oder jemanden sagen hören, dass er seine sanierte Innenstadt-Altbauwohnung gegen eine Vorstadt-Garconniere eintauscht, weil er sich so gute 1000 Euro monatlich an Miete spart? Oder dass jemand statt im 5-Sterne-Boutique-Hotel auf Santorin wie bisher, seinen Urlaub künftig im 3-Sterne All-Inclusive-Club in der Türkei verbringt, „weil man damit viel Geld sparen kann“? Nicht? Logisch, würde auch – vorausgesetzt, der Betreffende ist in keiner finanziellen Notsituation – seltsam klingen. Und auf die Eingangsfrage würden Sie vermutlich kaum mehr als großes Unverständnis als Antwort erhalten.

Wie ich auf diese seltsamen Ideen komme? Nun, bei einem anderen alltäglichen Gebrauchsgegenstand sind solche Gedankengänge inzwischen völlig üblich. Denn als Autofahrer ist man heute vor allem in intellektuellen, urbanen Gesellschaftsschichten ständig in Erklärungsnotstand. Wo früher noch die (vielleicht sogar bewundernde) Frage kam „Und wie geht er?“, nachdem man sich als Fahrer eines gut motorisierten deutschen Premiummodells geoutet hat, folgt heute oft die Frage „Brauchst du überhaupt so ein teures/starkes/großes Auto?“. Häufig gefolgt von der Feststellung „Ich hab meinen Kübel vor zwei Jahren verkauft, vermisse ihn überhaupt nicht und spare mir damit jedes Jahr einen Haufen Geld.“

So gut wie alles ist Luxus

Ein in Wirklichkeit höchst seltsames Argument. Klar kostet ein schönes Auto Geld, das man auch für andere Dinge ausgeben könnte, aber das gilt wie gesagt ebenso für Wohnraum, Schmuck und natürlich jede andere Form von Luxus. Lacoste-Poloshirt und Timberlands? Beim Kik im Ausverkauf kommt man doch viel billiger weg!

Ob man ein Auto zum Leben „braucht“? Kaum, aber zum Leben „braucht“ der Mensch eine Höhle, ein Fell zum Überziehen im Winter und Pfeil und Bogen für die Jagd. Der Rest ist Luxus. Warum seit einigen Jahren das Auto so im Kreuzfeuer der Kritik steht? Die Verkehrs- und Gesellschaftspolitik von SPÖ und Grünen leistet wohl ganze Arbeit. Keine Frage, Autofahren ist teuer und ein schönes und starkes Auto in Österreich purer Luxus, unserer Steuer sei Dank. (Vergleichen Sie mal nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch die laufende KFZ-Steuer einer 250PS-E-Klasse zwischen Deutschland und Österreich. Da wird man blass. Von 911er & Co will ich gar nicht reden…) Aber warum zwar ein Essen im Steirereck, ein Urlaub in der Karibik als tolle Sache gesehen wird, während man im Alltag die U6 dem eigenen Auto vorziehen soll, bleibt mir ein Rätsel.

Kein schlechtes Umweltgewissen

Und das Umweltargument? Ist in der Realität verschwindend gering. Deshalb auf das Privatauto zu verzichten ist ähnlich nachhaltig, wie darauf zu verzichten, Kieselsteine in den Atlantik zu schmeißen, damit der Meeresspiegel nicht ansteigt.

In diesem Sinne: Mein neuer, den ich spätestens 2017 kaufen will, ist schon konfiguriert. Ja er wird nicht billig, er wird gut motorisiert sein und mir viel Spaß machen. Und er ist zwar ein Luxus, aber einer, auf den ich auch und gerade in Zeiten einer grünen Verkehrsstadträtin nicht verzichten will und werde.

Ich bin seit vielen Jahren als Journalist tätig, komme aber eigentlich aus dem kulinarischen und touristischen Eck. Allerdings - die Faszination von allem, was zumindest zwei Räder und einen Motor hat, hat mich nie losgelassen. Daher lege ich wert auf Autos mit Heckantrieb und komplett deaktivierbarem ESP und liebe es, mit meinem Motorrad auf große Tour zu gehen. Außerdem ich habe in der Vergangenheit viel Zeit auf Rennstrecken, bei Fahrtechniktrainings und bei Kartrennen verbracht. Da war es dann irgendwann eine logische Konsequenz, die Faszination am Fahren auch in Worte fassen zu wollen. Hoffe, Ihr habt so viel Spaß am lesen wie ich am Schreiben.

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