Großer Test: Kia Rio 1,0 TGDI Gold

16. Mai 2017
270 Views
Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Kia
Klasse:Kleinwagen
Antrieb:Vorderrad
Treibstoff:Benzin
Leistung:120 PS
Testverbrauch:6,3 l/100km
Modelljahr:2017
Grundpreis:19.990 Euro

Woran erkennt man, dass Österreich an­­ders tickt als der Rest der Welt? An koreanischen Kleinwagen! Kein Scherz – es ist nämlich so, dass der Rio seit Jahren schon weltweit Kias erfolgreichstes Modell ist. Nur bei uns greifen die meisten lieber zu einem anderen Modell. Vielleicht liegt es daran, dass der kleine Picanto und der kompakte Cee’d für unsere Ansprüche für ein Modell dazwischen keine Luft lassen. Oder, dass uns der Rio immer eine Spur zu ­bieder war. Aber genau dieses ­Surfen unter dem Radar soll die neueste Generation endlich ab­­legen.

Was gleich auffällt: Der Rio hat an Profil gewonnen. Die Optik ist ansprechend und adrett, zeigt jedoch, dass man weiterhin konservative Kundschaft ansprechen möchte. Wer mit einem Kia auffallen will, kann ja zum Soul greifen. Der Rio bietet ein klassisches und schnörkelloses Schrägheck in der immer be­liebter werdenden Viermeter-Klasse.

Diese bietet im Innenraum spürbar mehr Platz als klassische Kleinwagen, baut aber nicht so ausladend wie die gut 30 Zentimeter längere Golfklasse. Wer also hauptsächlich zu zweit und nur ab und an zu viert unterwegs ist, hat keinen Grund, sich für einen gut 3000 teureren Cee’d zu entscheiden.

 

Zumal der Innenraum alles bietet, worauf es ankommt: Nicht nur, dass das Lenkrad gut zur Hand liegt, die gesamte Armaturenlandschaft zeigt sich aufgeräumt und ergonomisch durchdacht, zudem glänzt das leicht zu bedienende Multi­­me­dia­system samt Navi mit allen Spielereien der Neuzeit, bis hin zu Apple Carplay und An­­­droid Auto. Dass Kia seine Hausaufgaben brav erledigt hat, zeigt sich zudem an Details wie den zahlreichen Ablagemöglichkeiten und der guten Übersicht.

Die Top-Ausstattung namens Gold lässt schon erahnen, dass sie praktisch alles ab Werk bietet, was glänzt. Von Navigation mit großem Touchscreen über Tempomat bis hin zu der Basisbestückung an Assistenzsystemen ist alles bereits verbaut, was man gerne ankreuzen würde. Somit sind die 2200 Euro Aufpreis zur einfacheren Silber-Version gerechtfertigt, die aber mit Klimaautomatik, Einparkhilfe, Regensensor und Rückfahrkamera schon mehr als ausreichend bestückt ist.

Und auch der Motor ist – zumindest fast – ein echtes Goldstück: Wir entschieden uns nämlich nicht für den Diesel mit 90 PS, sondern für den Dreizylinder-Benziner mit einem Liter Hubraum, Turboaufladung und strammen 120 Pferden. Zugegeben – das ist etwas viel für ein so kleines Auto. Für 800 Euro weniger gibt es vom gleichen Motor aber auch eine Version mit 100 PS und gleich viel Drehmoment, die jedoch mit fünf Gängen auskommen muss.

Wir können aus sechs Fahrstufen wählen, und das ist gut so. Denn der zwangs­beatmete Hubraum-Zwerg zeigt die Grenze des Downsizings auf: Erst nach einem merklichen Turboloch geht es tapfer vorwärts. Wer unter 2000 Umdrehungen Gas gibt, erntet die charakteristische Denksekunde, bevor der Ladedruck einsetzt – insofern ist eine clevere Gangwahl das Gebot der Stunde.
Sobald der Turbo aber fröhlich dreht, gibt es Kraft satt. Weil der kleine Motor zudem auch noch leise und vibrationsarm läuft, kann es nun schnell passieren, dass man im falschen, meist zu niedrigen Gang unterwegs ist.

Wer die Fahrstufen aber richtig sortiert hat, entdeckt noch ein weiteres Talent des Rio: die Fahrdynamik. Vielleicht lag es an den optionalen 17 Zoll-Rädern, jedenfalls bot der kleine Kia erstaunlich viel Grip nicht nur beim Ausweichtest. Dank seiner knappen Abmessungen stürmte er auch durch den Slalom wie ein Großer und konnte, obwohl winterbereift, zahlreiche deutlich stärkere Konkurrenten ab­­schütteln. Der Rio blieb stets spurstabil und ließ sich selbst vollbeladen im Ausweichtest nicht aus der Ruhe bringen – trotz deaktiviertem ESP.

Das spiegelt sich auch in der Rundenzeit unseres Tracktests im Driving Camp Pachfurth wieder: Eine am gleichen Tag zum Test angetretene Mercedes C-Klasse mit 177 PS und Allradantrieb bewältigte den ersten, kurvigen Abschnitt auch nicht schneller. Mit ein Grund: die Bremsen des Koreaners. Auch wenn die reinen Verzögerungswerte nicht überragend sind – Fading war trotz weicher werdendem Pedal kaum zu be­­merken. Und auf den unterschiedlichen Rutschbelägen schaffte der Rio überhaupt eine Spitzenleistung.

Nüchtern betrachtet, hat Kia seinem großen Kleinen also alles antrainiert, worauf es bei einem zeitgemäßen Auto an­­kommt. Jetzt muss nur noch Österreich so denken wie der Rest der Welt.

Motor & Getriebe – Dezent, aber unüberhörbar brummt der Dreizylinder vor sich hin. Deutliches Turboloch bis knapp 2000 Umdrehungen, dann gibt es ordentlich Schub und gute Fahrleistungen. Getriebe: knackige Gang-Spreizung, leichtgängig zu bedienen. Fahrleistungen OK.

Fahrwerk & Traktion – Mit optionalen 17-Zöller definitiv auf der härteren Seite, ansonsten souverän-straff abgestimmt. Deutlich mehr Fahrdynamik als beim Vorgänger, Untersteuern nur mehr in Härtefällen. Gute Traktion.

Cockpit & Bedienung – Die Ergonomie gibt keine Rätsel auf, alles sitzt dort, wo man es intuitiv vermutet. Gut ablesbare Instrumente, der Touchscreen ist leicht zu erreichen und einfach zu bedienen. Fein: große Ablagen-Anzahl, gute Übersicht. Rangieren dank gutem Wendekreis und Serien-Rückfahrkamera ein Leichtes. Top: Sitzposition – die Möbel selbst könnten etwas stärker konturiert und besser gepolstert sein.

Innen- & Kofferraum – Weitgehend auf dem Raum-Niveau des Vorgängers. Die Werte für Ladekante und maximale Durchlade-Länge sind sogar schlechter, dafür gerieten Innen- und Kof­ferraum deutlich breiter. Platz für vier ist jedenfalls genug. Gepäckabteil: glattflächig, simpel erweiterbar mittels 2:1 Umlege-Fondlehnen. Doppelter Ladeboden bringt kaum Höhen-Gewinn, dafür ebene Fläche.

Dran & Drin – Die Topversion verfügt praktisch über alle Gimmicks inklusive Navi & Lenkrad-Heizung. Kaum mehr Extras übrig. Hohe Verarbeitungs-Qualität, die Materialien sind ziemlich hart und nicht wirklich kratzfest.

Schutz & Sicherheit – Ab Werk die üblichen Airbags und E-Fahrhilfen. An Assistenten gibt es mit Spurhalte- und Notbrems-Hilfe eine klassenübliche Bestückung.

Sauber & Grün – Früh hochschalten, dann bleibt der Verbrauch im Rahmen. Ein Kostverächter ist der Dreizylinder aber nie – da hilft auch das flotte Stopp/Start-System wenig.

Preis & Kosten – Preislich fair, aber nicht übertrieben günstig: Auf einem Niveau mit dem ähnlich star­ken Opel Corsa, preiswerter als der technisch identische Hyundai i20. Span­nend auch: Der 90 PS-Diesel kostet über 1000 Euro mehr, rechnet sich also kaum. Top: sieben Jahre Neuwagen-Garantie. Gute Werthaltung ob der vielen PS fraglich.

kia_rio_08_may

Das Rio-Cockpit gibt keine Rätsel auf, ist aufgeräumt und klar gegliedert. Top: Sitzposition und Rundumsicht.

[vc_row][vc_column][vc_column_text]Woran erkennt man, dass Österreich an­­ders tickt als der Rest der Welt? An koreanischen Kleinwagen! Kein Scherz – es ist nämlich so, dass der Rio seit Jahren schon weltweit Kias erfolgreichstes Modell ist. Nur bei uns greifen die meisten lieber zu einem anderen Modell. Vielleicht liegt es daran, dass der kleine Picanto und der kompakte Cee’d für unsere Ansprüche für ein Modell dazwischen keine Luft lassen. Oder, dass uns der Rio immer eine Spur zu ­bieder war. Aber genau dieses ­Surfen unter dem Radar soll die neueste Generation endlich ab­­legen. Was gleich auffällt: Der Rio hat an Profil gewonnen. Die Optik ist ansprechend und adrett, zeigt jedoch, dass man weiterhin konservative Kundschaft ansprechen möchte. Wer mit einem Kia auffallen will, kann ja zum Soul greifen. Der Rio bietet ein klassisches und schnörkelloses Schrägheck in der immer be­liebter werdenden Viermeter-Klasse. Diese bietet im Innenraum spürbar mehr Platz als klassische Kleinwagen, baut aber nicht so ausladend wie die gut 30 Zentimeter längere Golfklasse. Wer also hauptsächlich zu zweit und nur ab und an zu viert unterwegs ist, hat keinen Grund, sich für einen gut 3000 teureren Cee’d zu entscheiden. [gallery ids="20896,20892,20891" link="file" size="mediaholder-medium"]   Zumal der Innenraum alles bietet, worauf es ankommt: Nicht nur, dass das Lenkrad gut zur Hand liegt, die gesamte Armaturenlandschaft zeigt sich aufgeräumt und ergonomisch durchdacht, zudem glänzt das leicht zu bedienende Multi­­me­dia­system samt Navi mit allen Spielereien der Neuzeit, bis hin zu Apple Carplay und An­­­droid Auto. Dass Kia seine Hausaufgaben brav erledigt hat, zeigt sich zudem an Details wie den zahlreichen Ablagemöglichkeiten und der guten Übersicht. Die Top-Ausstattung namens Gold lässt schon erahnen, dass sie praktisch alles ab Werk bietet, was glänzt. Von Navigation mit großem Touchscreen über Tempomat bis hin zu der Basisbestückung an Assistenzsystemen ist alles bereits verbaut, was man gerne ankreuzen würde. Somit sind die 2200 Euro Aufpreis zur einfacheren Silber-Version gerechtfertigt, die aber mit Klimaautomatik, Einparkhilfe, Regensensor und Rückfahrkamera schon mehr als ausreichend bestückt ist. Und auch der Motor ist – zumindest fast – ein echtes Goldstück: Wir entschieden uns nämlich nicht für den Diesel mit 90 PS, sondern für den Dreizylinder-Benziner mit einem Liter Hubraum, Turboaufladung und strammen 120 Pferden. Zugegeben – das ist etwas viel für ein so kleines Auto. Für 800 Euro weniger gibt es vom gleichen Motor aber auch eine Version mit 100 PS und gleich viel Drehmoment, die jedoch mit fünf Gängen auskommen muss. [gallery size="mediaholder-medium" ids="20897,20894,20895" link="file"] Wir können aus sechs Fahrstufen wählen, und das ist gut so. Denn der zwangs­beatmete Hubraum-Zwerg zeigt die Grenze des Downsizings auf: Erst nach einem merklichen Turboloch geht es tapfer vorwärts. Wer unter 2000 Umdrehungen Gas gibt, erntet die charakteristische Denksekunde, bevor der Ladedruck einsetzt – insofern ist eine clevere Gangwahl das Gebot der Stunde. Sobald der Turbo aber fröhlich dreht, gibt es Kraft satt. Weil der kleine Motor zudem auch noch leise und vibrationsarm läuft, kann es nun schnell passieren, dass man im falschen, meist zu niedrigen Gang unterwegs ist. Wer die Fahrstufen aber richtig sortiert hat, entdeckt noch…

6.8

FAZIT

Der neue Rio ist im positiven Sinne nichts Besonderes, sondern einfach ein solider, clever kons­truierter Kleinwagen. Und dank tollem Fahrwerk ist er sogar schneller als manch stylischer Konkurrent.

Motor & Getriebe
Fahrwerk & Traktion
Cockpit & Bedienung
Innen- & Kofferraum
Dran & Drin
Schutz & Sicherheit
Sauber & Grün
Preis & Kosten
User-Wertung : Sei der Erste !
7

R3, 12V, Turbo, 998 ccm, 120 PS (88 kW) bei 6000/min, max. Drehmoment 172 Nm bei 1500-4000/min, Sechsgang-Schaltung, Vorderradantrieb, Scheibenbremsen v/h (bel.), L/B/H 4065/1725/1450 mm, Radstand 2580 mm, 5 Sitze, Wendekreis 10,2 m, Reifen­dimension 195/55 R 16, Tankinhalt 45 l, Reichweite 710 km, Kofferraumvolumen 325–980 l, Leergewicht 1129 kg, zul. Ge­samt­gewicht 1620 kg, max. Anh.-Last 1110 kg, 0–100 km/h 10,2 sec, Spitze 190 km/h, Steuer (jährl.) € 483,60, Werkstätten in Österreich 111, Service alle 15.000 km (mind. 1x/Jahr), Normverbrauch (Stadt/außerorts/Mix) 5,6/4,2/4,7 l, Testverbrauch 6,3 l ROZ 95, CO2 (Norm/Test) 107/145 g/km

Front- und vordere Seitenairbags, durchgehende Kopfairbag-Vorhänge, Notbrems-Assistent, Spurverlassens-Warner, Berganfahrhilfe, Einparkhilfe h, Klimaautomatik, aut. klappb. und beheizb. E-Außenspiegel, Licht- und Regensensor, Sitzheizung v, Lenkrad-Heizung, LED-Heckleuchten und -Tagfahrlicht, Nebelscheinwerfer mit Abbiegelicht, Bord­com­puter, Tempomat, Multifunktions-Lederlenkrad, aut. abblendb. Innenspiegel, 7 Zoll-Touchscreen, DAB-Radio mit 6 LS, USB-Slot, Blue­tooth für Telefon & Audio, Navi­gation, Rückfahrkamera, getönte Fond-Scheiben, etc.

Gold-Paket (Alupedale, schlüsselloser Zugang, 17 Zoll-Aluräder) € 1100,–, Metallic-Lack € 450,–

Sei der Erste der abstimmt.

Kommentar abgeben