Großer Test: Renault Scénic Energy dCi 110 EDC Bose

17. März 2017
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Renault
Klasse:Van
Antrieb:Vorderrad
Treibstoff:Diesel
Leistung:110 PS
Testverbrauch:5,6 l/100km
Modelljahr:2016
Grundpreis:30.490 Euro

Auch wenn man sich bei Renault nicht mehr über extravagante Modelle wie Avantime, Bebop oder Wind traut – die Franzosen sind dennoch immer wieder für eine Überraschung gut. Und zeitgleich für einen Supertrumpf in jedem Autoquartett: Denn der neue Scénic ist das weltweit erste Auto, das serienmäßig auf 20 Zoll-Rädern steht. Ein Kompaktvan, wohlgemerkt!

Keine Frage – Design spielt eine buchstäblich große Rolle. Aber ist das für ein Familienauto schlau? Und bringt das nicht auch Nachteile mit sich? Und was bleibt übrig vom alten Alleskönner? Wir schnappten uns ein Exemplar mit dem beliebten 1500er-Diesel, 110 PS und Doppelkupplungsgetriebe. Die Topausstattung „Bose“ ist zwar nicht ganz so beliebt und kostet im Vergleich zum moderaten und völlig ausreichenden „Intens“ rund 4000 Euro Aufpreis. Doch dafür gibt es lässige Features wie LED-Licht, Navi und fünf Fahrerlebnis-Programme ab Werk.

Zusätzlich gab es für unsere Fahrzeugwahl einen ganz besonderen Grund. Denn 2009 ließen wir bereits den direkten Vorgänger, ebenfalls mit 110 Diesel-PS, hier im Driving Camp in Pachfurth antreten. Wir können also nicht nur sagen, wie gut der neue Scénic ist – sondern auch, ob und um wie viel er besser wurde.

Der neue Renault Scénic wirkt nicht nur aufgrund der serienmäßigen 20-Zöller riesig. Er hat auch ungefähr die gleichen Abmessungen wie die ersten Espace-Generationen

Der neue Renault Scénic wirkt nicht nur aufgrund der serienmäßigen 20-Zöller riesig. Er hat auch ungefähr die gleichen Abmessungen wie die ersten Espace-Generationen.

Wichtigstes Kapitel natürlich: der Innenraum. Über große Türen gelangt man in beide Reihen, Kniefreiheit und Verstaumöglichkeiten gibt es ausreichend. Die Instrumente lassen sich super ablesen, das 431 Euro teure Headup-Display ist also nicht zwingend notwendig. Wirklich clever: die Mittelkonsole. Sie bietet nämlich nicht nur USB-Anschlüsse und ein riesiges Staufach, sondern lässt sich auch in der Länge verschieben. Je nachdem, ob man vorne oder hinten mehr oder weniger Platz braucht. In der Praxis zeigt sich aber, dass man sie seltener benutzt als gedacht. Denn in der vordersten Position sind etwa die Becherhalter und die 12 Volt-Buchse nicht mehr zu erreichen.

Das Sitzkonzept ist beim neuen Scénic völlig neu: Nicht nur, dass die Fond-Sessel nun in der Länge verschiebbar sind. Geht es ans Umlegen, falten sie sich zusammen und bilden so eine große Ablagefläche. Weit angenehmer also als die ausbaubaren Exemplare des Vorgängers, vor allem für Laternenparker ohne eigene Garage.

 

Stichwort Motor: 110 PS sind heutzutage kein Reißer, aber wenn es nicht gerade steil bergauf geht, ist man mit dem zweitstärksten Selbstzünder der Palette stets ausreichend motorisiert. Mehr aber auch nicht. Knappe Landstraßen-Überholmanöver sollte man sich überlegen, doch hilft das Doppelkupplungs-Getriebe im Sport-Modus dank schneller Schaltzeiten eifrig mit.

Die Schaltbox hat auch großen Anteil daran, dass der neue Scénic um eine ganze Sekunde schneller auf 100 km/h beschleunigt als sein Vorgänger. Mehr auf das Konto der ausgefeilten Aerodynamik hingegen geht die dezente Geräuschkulisse auf der Autobahn. Herrscht zwischen den beiden Renaults im Leerlauf und bei 50 km/h noch absoluter Gleichstand, schlüpft der Neue bei 130 km/h um 8 Dezibel leiser durch den Wind. Hat Renault also seine Hausaufgaben ordentlich gemacht?

Ja, aber nicht überall: Herrscht bei den Bremsprüfungen auf trockener Bahn noch Gleichstand, gibt es beim Ausweichtest einen echten Patzer. Bei zu brutalem Lastwechsel kommt der neue Scénic aus dem Untersteuern überhaupt nicht mehr raus. Er ist somit nicht nur um 3 km/h langsamer, sondern auch störrischer zu kontrollieren.

Deutlich besser durchlief er die Slalom-Disziplinen, wobei man es auf keinen Fall übertreiben sollte – die Zeiten der sanft agierenden Stabilitätsprogramme scheinen vorbei zu sein, wie auch der Audi Q2 zuletzt demonstrierte. Das harte Eingreifen bei plötzlichen Richtungswechseln merkt man natürlich vor allem bei straff abgestimmten Fahrwerken, womit wir wieder bei den 20 Zöllern wären. Sie sind zwar nur 195 Millimeter breit – ihre niedrige Reifenflanke sorgt aber für ein stoßiges Abrollverhalten, das man nicht erst auf schlechten Wegen spürt.

Knackige Lenkung und agiles Fahrwerk machen den Scénic grundsätzlich zu einem talentierten Wedler, Lastwechsel quittiert er aber mit unkontrollierbarem Untersteuern bis fast zum Stillstand, da das ESP brutal eingreift

Knackige Lenkung und agiles Fahrwerk machen den Scénic grundsätzlich zu einem talentierten Wedler, Lastwechsel quittiert er aber mit unkontrollierbarem Untersteuern bis fast zum Stillstand, da das ESP brutal eingreift

Ganz zu schweigen von den horrenden Kosten für Winter-Gummis. Doch da hat Renault schon mit mehreren Reifenfirmen gesprochen, damit die Auswahl an diesen exotischen Dimensionen hoch und die Preise entsprechend niedrig werden. Andererseits: Der gebotene Grip reicht für die gebotene Leistung völlig, und selbst bei Nässe gibt es nur selten Probleme mit der Traktion, wie unser Tracktest zeigte. Bremsen und Lenkung arbeiteten souverän, nicht einmal der hohe Aufbau ließ den Scénic aus der Ruhe bringen.

Was für einen Familienbomber aber viel wichtiger ist: Der Verbrauch sank im Vergleich zum Vorgänger um satte 0,8 Liter, was vielleicht nicht extravagant sein mag – dafür aber ein echter Supertrumpf.

Motor & Getriebe – Der 1500er-Diesel läuft dezent nagelnd, bietet guten Durchzug und brauchbare Fahrleistungen. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet flink, manch­mal aber zögernd zurück. Im Spar-Modus sehr träge ansprechendes Gaspedal.

Fahrwerk & Traktion – Das knackig abgestimmte Fahrwerk für überraschend hohe Agilität und zackiges Einlenkverhalten. Weitgehend neutral abgestimmt, Heck frei von Lastwechsel-Tendenzen, ESP reagiert bei Lastwechsel im Grenzbereich knallhart. Lenkung etwas gefühllos, aber direkt. Die serienmäßigen 20 Zoll-Räder bewirken unnötig stoßiges Federungsverhalten. Traktion auch bei Nässe meist problemlos.

Cockpit & Bedienung – Übersichtlich gestaltetes Cockpit mit gut ablesbaren Instrumenten und vielfach einstellbarer Sitzposition. Großer Hochkant-Touchscreen in der Mittelkonsole fasst die meisten Funktionen zusammen, ist während der Fahrt aber nicht immer leicht zu bedienen. Unverständlich: Manche Basisfunktionen (z.B. Uhrzeit) werden nur im Hauptmenü angezeigt. Übersicht OK, Einparkhilfe aber Serie.

Innen- & Kofferraum – Ausreichend Platz in Reihe eins, hinten wird es ein bisschen knapp. Verschiebbare Rücksitze erweitern bei Bedarf den Kofferraum – dieser ist glattflächig und über eine große Ladeluke erreichbar. Fondsitze falten sich auf Knopfdruck flach zusammen, Fläche aber nur dann eben, wenn Ladeboden auf höherer Position. Ablagen in Hülle und Fülle, riesiges Handschuhfach.

Dran & Drin – Nomen est omen: Neben gutem Soundsystem verfügt der „Bose“ als Topmodell über zahlreiche Gimmicks ab Werk. Voll ausgestattet ist er aber nicht. Verarbeitung großteils gut, Materialqualität sogar im Kofferraum OK. Automatik-Verzicht spart 1700 Euro.

Schutz & Sicherheit – Als „Bose“ nicht nur mit den üblichen Airbags und Fahrhilfen bestückt, sondern auch ab Werk mit diversen Assistenzsystemen – noch mehr gibt’s gegen Aufpreis. Typisch Renault: der optionale Radartempomat arbeitet nicht unter 40 km/h.

Sauber & Grün – Häufig mit dem Tempomat fahren und die Automatik arbeiten lassen, dann sind sehr gute Verbräuche möglich. Hohe Drehzahlen mag der Zweiventiler gar nicht. Start/Stopp-Automatik springt fast schon zu früh an.

Preis & Kosten – Ausstattungsbereinigt äußerst attraktiv gepreist im Van-Segment. Ordentliche Garantie-Umfänge, Werthaltung dank attraktiver Antriebskombination durchaus positiv.

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Das Bedienkonzept mit dem hochgestellten Touchscreen in der Mittelkonsole übernimmt der Scénic von Mégane & Talisman – mit allen Vor- und Nachteilen. Tadellos: Sitzposition und Verarbeitung

[vc_row][vc_column][vc_column_text]Auch wenn man sich bei Renault nicht mehr über extravagante Modelle wie Avantime, Bebop oder Wind traut – die Franzosen sind dennoch immer wieder für eine Überraschung gut. Und zeitgleich für einen Supertrumpf in jedem Autoquartett: Denn der neue Scénic ist das weltweit erste Auto, das serienmäßig auf 20 Zoll-Rädern steht. Ein Kompaktvan, wohlgemerkt! Keine Frage – Design spielt eine buchstäblich große Rolle. Aber ist das für ein Familienauto schlau? Und bringt das nicht auch Nachteile mit sich? Und was bleibt übrig vom alten Alleskönner? Wir schnappten uns ein Exemplar mit dem beliebten 1500er-Diesel, 110 PS und Doppelkupplungsgetriebe. Die Topausstattung „Bose“ ist zwar nicht ganz so beliebt und kostet im Vergleich zum moderaten und völlig ausreichenden „Intens“ rund 4000 Euro Aufpreis. Doch dafür gibt es lässige Features wie LED-Licht, Navi und fünf Fahrerlebnis-Programme ab Werk. Zusätzlich gab es für unsere Fahrzeugwahl einen ganz besonderen Grund. Denn 2009 ließen wir bereits den direkten Vorgänger, ebenfalls mit 110 Diesel-PS, hier im Driving Camp in Pachfurth antreten. Wir können also nicht nur sagen, wie gut der neue Scénic ist – sondern auch, ob und um wie viel er besser wurde. [caption id="attachment_18841" align="aligncenter" width="940"] Der neue Renault Scénic wirkt nicht nur aufgrund der serienmäßigen 20-Zöller riesig. Er hat auch ungefähr die gleichen Abmessungen wie die ersten Espace-Generationen.[/caption] Wichtigstes Kapitel natürlich: der Innenraum. Über große Türen gelangt man in beide Reihen, Kniefreiheit und Verstaumöglichkeiten gibt es ausreichend. Die Instrumente lassen sich super ablesen, das 431 Euro teure Headup-Display ist also nicht zwingend notwendig. Wirklich clever: die Mittelkonsole. Sie bietet nämlich nicht nur USB-Anschlüsse und ein riesiges Staufach, sondern lässt sich auch in der Länge verschieben. Je nachdem, ob man vorne oder hinten mehr oder weniger Platz braucht. In der Praxis zeigt sich aber, dass man sie seltener benutzt als gedacht. Denn in der vordersten Position sind etwa die Becherhalter und die 12 Volt-Buchse nicht mehr zu erreichen. Das Sitzkonzept ist beim neuen Scénic völlig neu: Nicht nur, dass die Fond-Sessel nun in der Länge verschiebbar sind. Geht es ans Umlegen, falten sie sich zusammen und bilden so eine große Ablagefläche. Weit angenehmer also als die ausbaubaren Exemplare des Vorgängers, vor allem für Laternenparker ohne eigene Garage. [gallery size="mediaholder-medium" ids="18850,18849,18848" link="file"]   Stichwort Motor: 110 PS sind heutzutage kein Reißer, aber wenn es nicht gerade steil bergauf geht, ist man mit dem zweitstärksten Selbstzünder der Palette stets ausreichend motorisiert. Mehr aber auch nicht. Knappe Landstraßen-Überholmanöver sollte man sich überlegen, doch hilft das Doppelkupplungs-Getriebe im Sport-Modus dank schneller Schaltzeiten eifrig mit. Die Schaltbox hat auch großen Anteil daran, dass der neue Scénic um eine ganze Sekunde schneller auf 100 km/h beschleunigt als sein Vorgänger. Mehr auf das Konto der ausgefeilten Aerodynamik hingegen geht die dezente Geräuschkulisse auf der Autobahn. Herrscht zwischen den beiden Renaults im Leerlauf und bei 50 km/h noch absoluter Gleichstand, schlüpft der Neue bei 130 km/h um 8 Dezibel leiser durch den Wind. Hat Renault also seine Hausaufgaben ordentlich gemacht? Ja, aber nicht überall: Herrscht bei den Bremsprüfungen auf trockener Bahn noch Gleichstand,…

6.5

FAZIT

Käme der Scénic mit 18 Zoll-Rädern daher – er wäre immer noch fesch, aber der Federungskomfort käme einem Familienvan wesentlich näher. Ansonsten kann dieser Raum-Renault durchaus überzeugen.

Motor & Getriebe
Fahrwerk & Traktion
Cockpit & Bedienung
Innen- & Kofferraum
Dran & Drin
Schutz & Sicherheit
Sauber & Grün
Preis & Kosten
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7

R4, 16V, Turbo, 1461 ccm, 110 PS (81 kW) bei 4000/min, max. Drehmoment 260 Nm bei 1750/min, Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Vorderradantrieb, Scheibenbremsen v/h (bel.), L/B/H 4406/1866/1653 mm, Radstand 2734 mm, 5 Sitze, Wendekreis 11,2 m, Reifen­dimension 195/55 R 20, Tankinhalt 52 l, Reichweite 930 km, Kofferraumvolumen 506–1554 l, Leergewicht 1518 kg, zul. Ge­samt­gewicht 2070 kg, max. Anh.-Last 1500 kg, 0–100 km/h 12,4 sec, Spitze 184 km/h, Steuer (jährl.) € 424,08, Werkstätten in Österreich 185, Service alle 25.000 km (mind. 1x/Jahr), Normverbrauch (Stadt/außerorts/Mix) 4,2/3,9/4,0 l, Testverbrauch 5,6 l Die­sel, CO2 (Norm/Test) 104/147 g/km

Front- und vordere Seitenairbags, durchgehende Kopfairbag-Vorhänge, Notbrems-Assistent, Müdigkeits-Warner, Fernlicht-Assistent, Bordcomputer, E-Feststellbremse, getönte Fond-Scheiben, autom. abblend. Innenspiegel, el. verstell-, klapp- und beheizbare Außenspiegel, Verkehrszeichen-Erkennung, umklappb. Beifahrersitzlehne, Einparkhilfe v+h, Lederlenkrad, Regen- und Lichtsensor, Klimaautomatik, schlüsselloser Zugang, Nebelscheinwerfer, 20 Zoll-Aluräder, Bose-Soundsystem inkl. Bedien-Satellit, Fahrerlebnis-Schalter, Massage-Fahrersitz, verschiebbare Mittelkonsole, Voll-LED-Licht, Navigation inkl. 8,7 Zoll-Touchscreen, Bluetooth für Telefon & Audio, Zweifarb-Lackierung etc.

Technik-Paket (Radar-Tempomat, Spurhalte-Assistent, Headup-Display, Abstandswarner) € 923,–, Park-Premium-Paket (Totwinkel-Warner, seitliche Einparkhilfe, Rückfahrkamera, Einpark-Assistent) € 677,–, Winter-Paket (Sitzheizung v, Scheinwerfer-Reinigungsanlage) € 308,–, Notrad € 98,–, E-Sitzverstellung v € 431,–, Head-up-Display € 431,–, Metallic-Lack € 678,–, Panoramadach € 615,–, Spurhalte-Assistent € 123,–, Gepäck-Trennnetz € 135,– etc.

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