Bei einem von BMW Österreich organisierten Abendessen in Wien wurde mit Experten die Causa „Erneuerbare Kraftstoffe“ diskutiert. Die Münchner haben zwar hierzulande mit 34 Prozent einen überdurchschnittlich hohen Elektro- Anteil, doch der Premium-Hersteller ist ein Global Player, der auch feine Ver-brennungsmotoren baut – mehr als die Hälfte davon übrigens im oberöster- reichischen Steyr. Grüne Kraftstoffe liegen BMW also am Herzen. Damit Europa mehr Wertschöpfung generiert und weniger abhängig wird von welt- weiten Ölpreis-Schwankungen, Stichwort Iran-Krieg. Abgesehen davon wäremit Biosprit, E-Fuels & Co. eine CO2-Reduzierung unmittelbar und auf den gesamten Verbrenner-Bestand anwendbar.

Bei diesem Round Table präsentierte man auch eine Studie, die unter anderem gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie durchge- führt wurde. Positiver Grundtenor: Die volle Deckung des Kraftstoff-Bedarfs der Europäischen Union ist aus eigenen erneuerbaren Ressourcen schon ab 2040 möglich, 2030 könnten bereits 38 bis 55 Prozent abgedeckt werden. Das Negative: Für Biosprit ist derzeit von der EU lediglich drei Prozent An- rechenbarkeit in der Neuwagen-Flotte vorgesehen. Heißt: Kohlendioxid wird stur am Auspuff gemessen, und es wird nicht be- rücksichtigt, ob überhaupt fossiler Kraftstoff ver- brannt wurde. Umgekehrt werden Elektroautosautomatisch als CO2-frei angesehen. Egal, ob der Strom etwa aus einem Kohlekraftwerk stammt. Sprit aus Biomasse klingt immer etwas kri- tisch, doch besagte Studie hat nur Ressourcen berücksichtigt, die nicht in Konkurrenz zur Nah- rungsmittel-Produktion stehen. Dabei macht übrigens das viel zitierte und angeblich so knappe „Frittenfett“ lediglich einen Bruchteil aus: Altes Speiseöl steuert bloß ein Prozent bei. Den Großteil, näm-lich rund 38 Prozent, liefert Holz, meist forstwirtschaftliche Nebenproduk- te sowie Industrie-Abfall. Laut Christoph Pfemeter vom Österreichischen Biomasse-Verband könnte ein Liter reiner Biosprit (egal ob Diesel oder Benzin) an der Zapfsäule deutlich unter zwei Euro angeboten werden, sogar wenn darauf – was ja formal gesehen gar nicht sein dürfte – Mineralölsteuer eingehoben wird. Technologie-Offenheit ist also in der Praxis möglich, jetzt muss nur noch Brüssel einlenken.
Wir lenken ALLES AUTO jetzt einmal in die Sommerpause – natürlich nicht, ohne Ihnen vorher ein dickes Heft mit jeder Menge Lektüre für die sonnigsten Monate mitzugeben. Und da ist von Verbrennern über (Plug-in-)Hybride bis hin zu reinen Elektroautos alles dabei. Wir zeigen uns also wie gewohnt völlig technologieoffen.
Enrico Falchetto
