ALLES AUTO Mai 2019

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Editorial

Zugegeben, „Wer braucht noch einen Golf“ als Aufmachertitel unseres ­Covers ist schon etwas polemisch, um nicht zu sagen marktschreierisch. Doch der Golf ist zu­nehmend unter Druck geraten. Vielleicht ist das der Grund, ­warum die Neuauflage des Bestsellers vom heurigen Herbst auf 2020 verschoben wurde – bei der Gene­ration VIII darf einfach nichts schiefgehen.

Problem für VW: Die Plattform-Brüder der „Billigmarken“ im Konzern sind früher dran mit ihren neuen Kompakten. Der Skoda Scala startet schon jetzt (siehe Fahrbericht auf Sei­te 18), dazu wird sich die frische ­Generation des Seat Leon heuer ziemlich sicher auch noch aus­gehen. Das Comeback des Corolla (siehe Test auf Seite 38) könnte dem Wolfsburger ebenfalls zu schaffen machen, vor allem weil Toyota zwei Hybrid-Versionen im Programm hat und dazu mit Tugenden punktet, die bei den Ja­panern bislang nicht so weit oben im Lastenheft standen: mit hochwertigen Ma­teri­alien etwa, ­einem feinen Handling und einem Design, dem sich das Platzangebot unterordnen muss.

Die Absatzzahlen des Golf sind in den letzten Jahren jedenfalls konti­nuierlich gesun­ken: Fand der Parade-Volkswagen hier zu Lande 2010 und 2011 noch jeweils über 20.000 Käufer, so ­wa­ren es im Vorjahr nur mehr 12.349. Eines ist aber auch klar: Die wahren Gegner für das nach wie vor meist gekaufte Auto in Österreich heißen nicht Scala oder Leon oder ­Corolla, auch nicht Focus, Ceed oder Astra, sondern finden sich eine Aus­baustufe höher. Viele treue Golf-Kunden sind im Vorjahr ­etwa zum Marken-Bruder T-Roc ab­gewan­dert und werden es heuer zum klei­neren T-Cross (siehe Fahrbericht im letzten Heft) tun.   

Es liegt also am wenigsten an den Talenten des Golf, dass sich immer ­weniger Men­schen für ihn begeistern können. Auch dass es in Zukunft keinen Elektro-Ableger mehr gibt, wird dem Urmeter der Klasse ab dem kommenden Jahr, wenn die schar­fen CO2-Grenzen in Kraft treten, zu schaffen machen. Für Stromkunden hat Volks­wagen mit I.D. ja eine eigene Marke kreiert – das erste Modell wird noch heuer präsentiert, also vor dem neuen Golf.

Wenn man heute Elektroauto sagt, dann kommt man am Phänomen Tesla nicht vor­bei – egal, wie man zum ­illustren US-Konzern stehen mag. Das kompakte Model 3 war schon in aller Munde, bevor es noch zu sehen oder gar zu fahren war. Jetzt haben wir uns das Europa-Modell zum ersten Test gekrallt. Und waren ziemlich be­eindruckt.

Enrico Falchetto, Chefredaktion ALLES AUTO

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