Alles zu den Nobel-SUVs der nächsten Jahre

6. September 2016
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Aktuelles

Weltweit liegt der Anteil von SUVs derzeit bei etwa 15 Prozent – bald aber wird ein gutes Drittel aller Pkw hochbeinig unterwegs sein. Die Nobel-Varianten werden dabei einen gehörigen Anteil ausmachen – im mittleren bis oberen Preissegment lässt sich die Allrad-Technik zusammen mit gehobenerer Ausstattung gut vermarkten. Und auch bei den einträglichen Extras sitzt die Börse lockerer als im Brot-und-Butter-Universum.

Außerdem folgt die Entwicklung schlicht dem skurrilen Umstand, dass dort, wo die Begehrlichkeit des Autos am raschesten steigt, die Straßen am lausigsten sind: Auf den asiatischen Wachstumsmärkten ist ein SUV zum Lifestyle-Trend auch praktische Notwendigkeit. Das Gleiche gilt für Russland und die ölreichen Staaten mit viel Sand statt Asphalt. Nicht zuletzt sind die gewohnt umsatzstarken USA ausgerechnet im Autogeschmack einer Meinung mit ihnen. Dass der Fernost-Markt keine Einbahnstraße ist, beweist der Überraschungs-Newcomer Borgward.

Der Neue mit dem alten Namen: Borgwards BX7 verdankt seine Existenz deutscher Beharrlichkeit und chinesischer Innovation.

Der Neue mit dem alten Namen: Borgwards BX7 verdankt seine Existenz deutscher Beharrlichkeit und chinesischer Innovation.

Mit dem wiederbelebten Namen aus der deutschen Automobilgeschichte, chinesischer Finanzkraft und dem Knowhow beider Welten schafft die Marke nach über 55 Jahren tatsächlich den Sprung zurück ins Leben. Das Premieren-Modell BX7 visiert zielsicher das Wachstums-Segment der mittelgroßen SUVs an. Als Plug-In-Hybrid mit 190 oder 260 PS Systemleistung und permanentem Allrad setzt sich der etwa 4,7 Meter lange und mit bis zu sieben Sitzen bestückte Einsteiger so selbstbewusst auf Augenhöhe mit dem Mitbewerb, als wäre die Marke nie weg gewesen.Bei Sicherheits- und Assistenzsystem sowie der Entertain- ment-Ausstattung soll der chinesische Hightech-Anspruch auftrumpfen, beim Preis könnte die günstige Fertigung im Reich der Mitte den etablierten Marken Kopfzerbrechen bereiten. Deren Schonzeit läuft im kommenden Jahr ab – 2017 geht Borgward ins Rennen um die Marktanteile.

Erwachsener, schärfer geschnittene Front und optional einen Plug-In-Hybrid unter der Haube. Auch über einen X3 M wird in München erstmals laut nachgedacht.

Erwachsener, schärfer geschnittene Front und optional einen Plug-In-Hybrid unter der Haube. Auch über einen X3 M wird in München erstmals laut nachgedacht.

Zeitgleich wird die dritte Auflage des BMW X3 antreten. Nach dem Vorbild des letzten X5 wird der Radstand zugunsten des Platzangebotes im Innenraum, aber auch des Fahrkomforts, bei annähernd gleicher Außenlänge wachsen. Diesmal legt München auch einen Plug-In-Hybrid auf, derzeit werden rund 250 PS Systemleistung angepeilt. Wer lieber dieselnd Sprit spart, bekommt mit dem sDrive 18d eine echte Diät-Version ohne Allrad und mit auf 120g CO2-Ausstoß getrimmtem Motor. Überhaupt dürfte das für die Bayern ein richtiges SUV-Jahr werden: Zu X6 und X4 ist für 2017 auch eine Coupé-Variante X2 angesagt. Bis vor kurzem war ein X7 noch ausgeschlossen – keine Fahrzeugklasse, die der markentypischen Fahrdynamik entspricht, hieß es. Nun kommt er doch – man darf gespannt sein, wie sich das Marketing zur Erklärung des 180-Grad-Meinungsschwenks verbiegen wird.

BMWs Allrad-Riese wird deutlich über fünf Meter messen, in den USA gefertigt werden und motorisch nach oben offen sein: Bentley als bisher einziger Zwölfzylinder-Anbieter im SUV-Segment wird womöglich bald Konkurrenz aus Bayern bekommen.

Noch ist Jaguars kompakter E-Pace Zukunftsmusik (eventuell auch eine Fertigung in Graz) – ob er kommt oder nicht, entscheidet die Zukunft der Konzern-Plattform

Noch ist Jaguars kompakter E-Pace Zukunftsmusik (eventuell auch eine Fertigung in Graz) – ob er kommt oder nicht, entscheidet die Zukunft der Konzern-Plattform

In die Ecke schielt womöglich auch Jaguar, mit dem V8-Kompressor als Top-Motorisierung im Markenregal auch nicht schwach gerüstet. Die noble XJ-Baureihe um die traditionelle Coupé- und Cabrio-Version zu erweitern, wäre unwirtschaftlich – beide sind auf niedrigem Niveau stagnierende Fahrzeuggattungen. Besser investiert man in ein Wachstumssegment – die moderne Aluminium-Struktur des Range Rover bietet sich als Basis für einen großen SUV J-Pace geradezu an. Dieser soll ab 2019 mit zwei unterschiedlichen Radständen angeboten werden – also ebenfalls deutlich ins Fünfmeter-Segment hineinragen. Technisch dürfte die Spannweite vom Plug-In-Hybrid bis zu hochgezüchteten RS- und SVR-Versionen reichen.

Aber auch im kompakteren Segment denkt Jaguar über den Ausbau seiner SUV-Palette nach. Ein E-Pace auf Basis des Range Rover Evoque, der schon dem Discovery Sport seine Plattform gespendet hat, ist prinzipiell möglich. Die Basis wäre zum Erscheinen frühestens 2020 aber bereits einigermaßen betagt – eher ist das Modell ein Fall für die nächste Konzern-Plattform. Dazu ist die Frage der möglichen Kannibalisierung bei den Range Rover-Geschwistern knifflig.

Audi erneuert Ende des Jahres erst einmal den Q5, der rund vier Zentimeter in der Länge zulegen und optisch ein wenig schnittiger werden soll. Sparmeister werden sich über den Q5 e-Tron freuen, Power-Fans über den von der Quattro GmbH entwickelten Q5 RS mit rund 420 PS, gedieselt wird ab 150 PS. Die 2014 präsentierte TT SUV-Studie wird es vermutlich nicht in die Serienfertigung schaffen – aber wer weiß schon, was das Marktwachstum noch alles ermöglicht. Priorität hat jedoch der Q6 (2018) mit EAntrieb, mit dessen Leistungsfähigkeit Audi Tesla zeigen will, wo der Ingolstädter den Most herholt.

Der nächste Audi Q5 soll rund 70 Kilo abspecken, obwohl er etwas länger wird.

Der nächste Audi Q5 soll rund 70 Kilo abspecken, obwohl er etwas länger wird.

Holprig sollen die Straßen sein, nicht der Marktstart – Alfa Romeos SUV Stelvio wird hoffentlich einen pünktlicheren Start hinlegen als die eben erst lancierte Giulia.

Holprig sollen die Straßen sein, nicht der Marktstart – Alfa Romeos SUV Stelvio wird hoffentlich einen pünktlicheren Start hinlegen als die eben erst lancierte Giulia.

Weiter südlich rüstet sich Alfa Romeo auf den Launch seines Mittelklasse-SUV auf Basis der Giulia für 2017. Es ist zu befürchten, dass er Stelvio heißen wird, was der italienische Name für das Stilfser-Joch ist, aber wie ein Zuckerersatz klingt. Das Rätsel um die Motorenpalette hat die Giulia mit den 2,2-Liter-Dieseln gelöst, Heckantrieb soll Standard, Allrad mit um Terrain-Anwendungen erweitertem DNA-Fahrmodus-Schalter Option sein.

Bleibt noch der hohe Norden, wo sich Volvo still zum Weltmarktführer im Bereich der mittelgroßen SUVs gemausert hat. Der XC60 war in seinem gar nicht verflixten siebenten Produktionsjahr 2015 das meistverkaufte Fahrzeug seiner Klasse. Wenn andere längst abgelöst werden, kommt der Schwede offenbar erst richtig in Schwung. Dem künftigen Plattform-Konzept der Marke folgend, ist der Modellwechsel 2017, auch die Motorenpalette wird dem Downsizing-Gebot folgen, wie es schon der XC90 vorlebt. Dessen Plug-In-Hybrid-System wird der neue XC60 erben. Darunter ist noch Platz für einen kompakten XC40, der auf die Spannweite von BMW X3 bis Audi Q3 zielt.

Mit gewohnt kühlem, ruhigem Design will der nächste Volvo XC60 weiter Stückzahlen wildern – zu erkennen wird auch er an den T-förmigen Tagfahrleuchten sein, Spitzname „Thors Hammer“.

Mit gewohnt kühlem, ruhigem Design will der nächste Volvo XC60 weiter Stückzahlen wildern – zu erkennen wird auch er an den T-förmigen Tagfahrleuchten sein, Spitzname „Thors Hammer“.

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