Letzteres dürfte auch einer der Gründe dafür gewesen sein, warum sich der sowjetische Fiat-Ableger österreichweit bald in die Bestsellerlisten drängte. Mit aggressiver Werbung auf Plakaten und in den Zeitungen (Motto: Alle sind blöd, die ein teureres Auto kaufen) entwickelte sich der Lada in Österreich überraschend zum Verkaufsschlager in seinem Marktsegment. Angesichts dieses Erfolges hatte der tüchtige Lada-Verkaufsdirektor Gerhard Mühlauer damals allen Ernstes geglaubt, sein Lada sei ein unschlagbares Klasse-Auto.
Umso entsetzter war er, als der Lada bei einem Vergleichstest des „Kurier“ abgeschlagen Letzter wurde. Aufgeregt drohte Mühlauer, er war der Marketing-Stratege des Lada-Importeurs ÖAF, dem „Kurier“ mit Klage, ehe ihn eine Glosse in der Tageszeitung unvermutet gnädig stimmte. Geschrieben hatte sie Martin Maier, der große Sprachästhet, der regelmäßig auch Auto-Geschichten für den „Kurier“ verfasste. MM, wie sich Martin Maier nannte, liebte es, nicht die Siegerwagen der Vergleichstests zu bewegen, sondern die Verlierer. Das schien ihm journalistisch die größere Herausforderung zu sein.
Und so äußerte sich Martin Maier in der „Kurier“-Ausgabe vom 8. Mai 1976 über den Lada:
Und, in Zeiten des lebendigen Kommunismus klang das beinahe literarisch: „Wenn man die Lada für längere Zeit abstellen will, soll man es laut Betriebsanleitung in einem dunklen Raum tun. Das klingt nach endloser Abwesenheit des Besitzers. Wer weiß, wo er sich herumtreibt. Wo er herumgetrieben wird.“
Und dann, offenbar für jene Leser, die ein solches Auto besaßen: „Wem steht die Lada gut zu Gesicht? Starken Männern. Drum lieben Frauen Lada-Fahrer.“
*Der weibliche Artikel für Lada war in den 70er-Jahren üblich.
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