Autokosten-Vergleich: Österreich gegen Deutschland

30. April 2021
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Aktuelles

Unsere Politiker schielen immer mal wie­­der über die Grenze, um zu sehen, wie man in Deutschland gewisse Probleme zu lösen versucht. Eine Taktik, die zwar Inspiration vermissen lässt, aber nicht immer die schlechteste ist. Selbst die sonst so besonnene deutsche Langzeit-Kanzlerin Angela Merkel soll einmal einen flotten Spruch über Österreichs Ex-Bundeskanzler Werner Faymann losgelassen haben: „Er kommt mit keiner Meinung zu mir und geht dann mit meiner Meinung wieder.“

In einem Punkt hat sich Österreich allerdings noch nie an Deutschland orientiert, und zwar bei den Kosten fürs Auto. Egal, ob es sich dabei um die Neuanschaffung oder um laufende Aufwendungen dreht. Faustregel: In Österreich ist fast alles rund ums Auto teurer, teilweise sogar empfind­­lich.

Auf diesbezügliche Nachfrage erhält man von Politikerseite oft die flapsige Antwort: „Deutschland muss ja seine mächtige Automobil-Industrie stützen.“ Nichtgenügend, setzen! Seit Jahrzehnten wird ignoriert, dass hierzulande bis zu 600.000 Menschen vom Automobil leben. Dass es weltweit agierende Zulieferer genauso gibt wie wichtige Montagewerke. Ganz zu schweigen davon, dass sich der VW-Konzern mehrheitlich im Besitz der österreichischen Familie Porsche-Piëch befindet. Doch in den Augen unserer politischen Entscheidungsträger ist Österreich kein Autoland, daher dürfen die Blechdosen auf Rädern ruhig teuer sein.

Ausnahmefall NoVA

Das geringste Problem ist dabei die mit 20 Prozent um einen Prozentpunkt höhere Umsatzsteuer. Anders sieht es mit der in Deutschland unbekannten NoVA aus. Das österreichische Spezifikum „Normverbrauchsabgabe“ wird beim Neuwagenkauf fällig und steigt mit dem Verbrauch nahezu exponentiell. Null Prozent beträgt die NoVA lediglich bei Elektroautos und bei Verbrenner-Fahrzeugen, die unter einem CO2-Ausstoß von (derzeit) 112 Gramm pro Kilometer liegen. Das entspricht einem WLTP-Normverbrauch von 4,9 Litern bei einem Benziner bzw. 4,3 Litern bei einem Diesel.

Neben Elektroautos, deren CO2-Ausstoß auf dem Papier immer null beträgt, sowie Plug-In-Hybriden mit ihren Fabel-Normverbräuchen kommen hier lediglich ein paar besonders sparsame Kleinwagen wie der Toyota Yaris Hybrid (siehe Tabelle) ungeschoren davon. Der Rest wird zur Kasse gebeten. Dass man für einen Mercedes-AMG GT R fast 50.000 Euro NoVA abdrücken muss (auch hier siehe Tabelle), wird nur marginal Mitleid erregen, aber ein paar Tausender ist man auch in der Mittelklasse schnell einmal los.

Elektro-Förderung

Nun möchte man meinen, dass die Preisunterschiede zwischen den zwei Nachbarländern bei Elektroautos oder Plug-In-Hy­briden deutlich geringer sein werden, schließlich lässt unsere Regierung keine Gelegenheit aus, zu betonen, wie generös man bei den Förderungen für alternative Antriebsformen sei. Doch Deutschland zeigt sich noch viel generöser. Während der österreichische Fiskus für Elektroautos 3000 Euro und für Plug-In-Hybride mit mindestens 50 Kilometern elektrischer Reichweite 1250 Euro zuschießt, fördert der deutsche Staat mit 6000 bzw. 4500 Euro – jeweils bis zu relativ großzügigen Preis-Obergrenzen der Autos. Auch die Hersteller bzw. Importeure machen im Nachbarland um jeweils rund 1000 Euro Umweltförderung mehr locker als bei uns, sodass Privatkunden an Gesamtförderung 9570 Euro für Stromer und 7178 Euro für Hybride abstauben (Österreich: 5400 bzw. 2750 Euro).

Heftige Kfz-Steuer

Ein weiteres düsteres Kapitel ist jenes der Kfz-Steuer. Diese wurde in Österreich vor Jahren in „motorbezogene Versicherungssteuer“ umbenannt, damit man glaubt, sie käme den Versicherungen zugute. Diese heben sie aber bloß ein und müssen sie danach 1:1 an den Fiskus überweisen. Jene Steuer setzt sich in Österreich aus Komponenten für Motorleistung und CO2-Ausstoß zusammen, in Deutschland spielen Hubraum und CO2 die entscheidenden Rollen. Unterm Strich steigt die Steuer bei uns mit mehr Leistung oder Verbrauch viel empfindlicher an, sodass sich in bestimmten Fällen Unterschiede vom Fünffachen oder mehr zu unseren Ungunsten ergeben.

Bei der Spritbesteuerung kommt man in Österreich immerhin günstiger weg: Nach der kürzlichen Einführung einer CO2-Komponente, die Benzin und Diesel in Deutschland um 7 bis 8 Cent pro Liter verteuert, liegt die dortige Gesamt-Steuerbelastung (Energie-, Öko- und Umsatzsteuer) des Kraftstoffs bei 65 Prozent, in Österreich sind es hingegen „nur“ 61 Prozent an Mineralöl- und Umsatzsteuer beim Benzin und 55 Prozent beim Diesel. Über die Abschaffung des „Diesel-Privilegs“, das zu einer Zeit eingeführt wurde, als praktisch nur Nutzfahrzeuge Ölbrenner waren, wird aber zusehends lauter nachgedacht. Jüngst fiel Umweltministerin Leonore Gewessler sogar mit Plänen einer Steuererhöhungs-Automatik aller Sprit-Arten im Rahmen des künftigen Klimaschutzgesetzes auf.

Allein in einem Punkt ist die Politik unschuldig, diese Kritik geht an die Hersteller: Die Nettopreise der Autos (von Steuern unbelastete Tarife) sind in Österreich fast durchwegs höher als in Deutschland. Dabei erzählt man uns seit Jahren, dass diese innerhalb der EU gleichgestellt seien. Wir wollen ja gar nicht bevorzugt werden, aber warum müssen die Nettopreise ausgerechnet im Hochsteuerland Österreich über jenen in Deutschland liegen?

Fotos: TF3000/Pixabay (1), stux/Pixabay (1), Robert May (5)

4 Kommentare

  1. So richtig zum Speiben wird es, wenn sie die Kosten für einen Kleinlaster ab Herbst vergleichen – und nicht nur mit Deutschland sondern zu Österreich heute. Da sind dann gleich 30 Tausender Mehrpreis beisammen. Und was wird es bringen? Nichts, denn die Gretayuppies lassen sich weiter ihre Internetbestellungen klimabewusst ins Haus liefern und der Installateur oder Elektriker wird wohl auch weiterhin nicht mit der Scheibtruhe ins Haus kommen. Und wer wird das alles bezahlen? Bingo, wieder wir, das Stimmenvieh, das zwar motschkert, aber schnell vergisst und sein Kreuzerl bei der nächsten Wahl wieder an der üblichen Stelle macht.

  2. Die hohe Förderung von Elektroautos in .de ist leider auch ein Beitrag für die Rubrik: „Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht“.
    Der Erhalt des vollen Förderungssatzes war nämlich nur an eine Behaltefrist von 6 Monate gebunden. Dadurch sind Händler aus Dänemark, wo Autos viel teurer sind als in .de, aktiv an die Besitzer von jungen gebrauchten Elektroautos herangetreten und haben dann mehr gezahlt, als der durch die Förderung zustandegekommene Neupreis. Mithin haben die Verkäufer mit „Staatshilfe“ einen Reibach gemacht und konnten gleich wieder die hohe Förderung in Anspruch nehmen.

  3. Trifft das auch auf Plug-In Hybride zu?
    Mir fällt nämlich auf, dass auffällig viele junge BMW 225xe Active Tourer quasi zum halben Neupreis angeboten werden (auch in .at).
    MfG J

  4. Guten Morgen Johann, ich sehe da keinen Zusammenhang. Die von mir geschilderte Situation betrifft nur das Grenzgebiet Dänemark/Deutschland und nur Elektroautos, wo es durch die hohe Förderung zu einer Marktverzerrung gekommen ist.

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