Autopflege-Serie Teil 21: Felgen-Reparatur beim Profi

Das Knarzen & Knirschen, wenn man sich beim Ein­parken ein paar Millimeter verschätzt – jeder kennt es! Schande & Schaden sollen natürlich möglichst schnell verschwunden sein. Wir haben uns eine Felgenreparatur beim Profi angesehen.

Felgen sind quasi die High Heels unserer vierrädrigen Lieblinge. Mit Kratzern will man hier nicht ausgehen. Randstein statt Schatz geküsst? Der Werbeslogan von „Kottnig’s Felgenklinik“ trifft es auf den Punkt. Bei der Wahl des Reparaturbetriebs trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Ist das Angebot zu verlockend, werden die Felgen meist über längere Zeit im Ausland billig, aber wohl nicht ewig haltbar gekittet und überlackiert oder sogar Kratzer so lange ausgeschliffen, bis der Felgenrand ausgelutscht ist.

Beim Familienbetrieb in Breitenfurt bei Wien gibt es diese günstigen Verfahren erst gar nicht. Egal ob Stahl oder Aluminium – verlorenes Material wird hier immer per Hand und Feingefühl aufgelasert, sprich Metall wird durch Metall untrennbar ergänzt. Somit bleibt das Originalmaterial immer erhalten.

Hier gibt es natürlich auch kein ungenaues Schleifen. In einer CNC-Maschine wird die Form durch Abtragung der aufgelaserten Schicht computerüberwacht exakt und originalgetreu abgetragen – innerhalb eines Tages lässt sich eine Felge so wieder in den Neuzustand versetzen. Die Preisspanne liegt pro Stück zwischen 150 Euro und 500 Euro. Vom höheren Preisniveau sind vor allem Spezialfälle, zwei- und dreiteilige Felgen, exotische Magnesium-Felgen oder historische Räder, Sonderwünsche oder Gravuren betroffen – zu letzterem gab es sogar einen Auftrag aus Modena.

Trotz hoher Expertise und Routine finden sich bei Kottnig immer wieder interessante Heraus­forderungen. Kunden jedoch, die eine in zwei Teile zerrissene Felge vorbei­bringen, kann man freilich nicht zufrieden stellen. Pro Jahr sind etwa 30 Anfragen nicht realisierbar, 14.000 gerettete Räder sind jedoch die stolze Habenseite.

Schritt 1 und 2 – Überprüfung und Ausroll-Verfahren

Die eingespannte Felge wird auf perfekten Rundlauf sowie alle Arten von Beschädi­gungen und Risse überprüft. Sogar harte Kanten-Knicke können geschweißt und wieder instandgesetzt werden. In jedem Fall gilt: keine Teilreparaturen. Und Sicher­heit geht immer vor Optik. Der nächste Schritt ist, sofern erforderlich, die ursprüng­liche Rundlage mittels Ausroll-Verfahren wiederherzustellen sowie eine Höhen­schlag-Reparatur zur Beseitigung jeder Unwucht duchzuführen. Was man reparieren darf und wie – diese Kompetenz gibt „Kottnig’s Felgenklinik“ auch über Schulungen weiter.

Schritt 3 – Laserstrahl-Schweißen

Spachteln und Kitten ist ausgeschlossen. Was am Randstein zurückgeblieben ist, meist der Felgenrand, wird mittels Laser wieder auf der Felge aufgebracht. Auch hier kommt es auf das geschulte Mitarbeiter-Auge und eine ruhige, geübte Hand an. Einschlüsse dürfen nicht passieren. Gut eine dreiviertel Stunde benötigt der Schritt, mehrere Jahre Erfahrung natürlich vorausgesetzt. Der Material-Überschuss wird später wieder abgedreht

Schritt 4 – Lackierung

In unserem Fall von teilweise lackierten und glanzgedrehten Felgen erfolgt die Lackierung vor dem Glanzdrehen. Das erspart mühsames Abkleben, denn es wird alles rund um den Lack abgedreht, die schwarze Fläche bleibt gestochen scharf übrig. Fast alle Sonderwünsche sind möglich, sogar eine dreifarbige Felge haben die Kottnig-Spezialisten schon realisiert

Schritt 5 – Glanzdrehen

Mittels Abtast-Arm wird die Felgenform und -Kontur dreidimensional an einer intakten Stelle digital erfasst. Der zuvor im dritten Schritt aufgelaserte Material-Überschuss wird mittels CNC und Diamantklinge wassergekühlt exakt und völlig glatt abgetragen, Übergänge sind keine sichtbar.

Schritt 6 – Pulverbeschichtung & Politur

Im letzten Schritt wird die Felge noch mit einer Pulverbeschichtung vor Rost und Umwelteinflüssen geschützt. Das weiße Pulver wird bei 160 Grad und nach 15 Minuten Backzeit transparent und hochglänzend. Zwei Beschichtungs-Straßen mit insgesamt 40 Metern Länge sind gut ausgelastet mit Aufträgen. Den letzten Schliff erhält die Felge per ordentlicher Handpolitur und durch ein geschultes Auge.

Fotos: Robert May

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