Chrysler 300 C 5,7 V8

1. November 2005
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Chrysler
Klasse:Limousine
Antrieb:Hinterrad
Treibstoff:Benzin
Leistung:340 PS
Testverbrauch:14,5 l/100km
Modelljahr:2004
Grundpreis:56.700 Euro

Auffälliger Auftritt, starker Antritt: neues Chrysler-Topmodell 300 C 5,7 V8

Der Trend in der Oberklasse zeigt seit Jahren in Richtung Understatement – also hin zu Autos, die kleiner aussehen, als sie sind, und sich noch agiler fahren, als sie aussehen. Chryslers neues Topmodell geht da ganz bewusst einen anderen Weg, und das nicht nur, weil der amerikanische Daimler-Partner wieder zum Heckantrieb zurückkehrt. Es ist vor allem der Auftritt, der beim 300 C für Aufsehen sorgt. Fünf Meter Länge sehen hier auch aus wie fünf Meter Länge, dazu gibt´s einen mächtigen Grill für ebensolches Überhol-Prestige und niedrige Scheiben wie bei einem Hot-Rod aus den 50er-Jahren. Nachteil der Mini-Fenster: Steht man an der Kreuzung in Pole Position, sieht man kein Ampel-Signal, ohne sich mühsam vorzubeugen.
Und die Pole Position erkämpft sich der 300 C nicht nur mit seiner Aus-dem-Weg“-Visage, sondern im Fall unseres Testwagens auch mit dem bulligen 5,7-Liter-V8. Der blubbert und ballert zwar nicht wirklich ami-klischee-gerecht, sorgt aber für souveränes Vorwärtskommen. Die Agilität verliert sich ein wenig beim ersten Kurven-Geschlängel – auch hier gibt´s keine Verleumdung des XXL-Formats. Größe möchte der Chryslers C-Klasse auch innen zeigen: Das Maßband weist allein bei der Kopffreiheit ein kleines Manko aus, und in Sachen Materialanmutung ist man zumindest um Klassen-Konformität bemüht. Eine Größe im Verkauf kann der 300 C jedoch erst nächstes Jahr werden – da startet nämlich die Diesel-Version.

TECHNIK
V8, 32V, 5654 ccm, 250 kW (340 PS) bei 5000/min, max. Drehmoment 525 Nm bei 4000/min, Fünfgang-Automatik, Hinterradantrieb, vorne: doppelte Dreiecksquerlenker, Stabilisator, Federbeine, hinten: Schräg- und Querlenker, Spurstange, Schraubenfedern, Teledämpfer, Stabilisator, Scheibenbr. v/h (v bel.), ABS, L/B/H 5015/1880/1475 mm, Radst. 3050 mm, 5 Sitze, Wendekr. 11,9 m, Servo, Reifendim. 225/60 R 18, Tankinh. 73 l, Reichw. (bis Tankreserve) 455 km, Kofferraumvol. 504 l, Leergew. 1835 kg, zul. Gesamtgew. 2280 kg, max. Anh.-Last 1425 kg, 0-100 km/h 6,4 sec, Spitze 250 km/h, Steuer (jährl.) EUR 1491,60, Normverbrauch (Stadt/außerorts/Mix) 19,5/9,7/13,4 l, Testverbrauch 14,5 l ROZ 98
Preis: EUR 56.700,-

FAHREN & FÜHLEN
Der große V8 ist am Stand nicht ganz laufruhig, dafür ami-untypisch leise. Die Fünfgang-Automatik (Marke Mercedes) schaltet weich, aber nicht zu langsam. Lenkung: eher indirekt, nicht unpräzise, im richtigen Maß leichtgängig, großes, dünnes Volant. Bremsen: fein zu dosieren, wirkungsvoll, kaum fading-anfällig. Das Fahrwerk (Marke E-Klasse Vorgängerin) ist recht weich abgestimmt, trotz hohem Reifenquerschnitt mag es dennoch keine kurzen Stöße, dafür untersteuert der große Chrysler sicher in flotten Kurven und bleibt dabei lastwechsel-immun – allein auf Querfugen Neigung zum Versetzen. Gute Traktion, selbst bei deaktiviertem ESP. Die Sitze: groß genug, kaum Seitenhalt (rutschiger Bezug), einfache E-Verstellung, straffe Polsterung, Kreuzstütze.

PLATZ & NUTZ
Bis auf die (durchs optionale Schiebedach) eingeschränkte Kopffreiheit klassen-konforme Innen-Maße, fast schon zu üppige Ellbogenfreiheit, geringe Schenkelauflage hinten. Kofferraum groß genug, wenn auch etwas verschachtelt und mit relativ hoher Ladekante, Erweiterungs-Möglichkeit über 2:1-Umlege-Lehnen. Minus: Tank extra zu sperren, Spiegel nicht elektrisch anklappbar, im Fond keine One-Touch-Fensterheber. Praxis-Pluspunkte: elektrisch verstellbare Pedale, linksseitige Lenkstockhebel-Überfrachtung à la Mercedes – ansonsten 1A-Ergonomie. Ausreichend Ablagen, Karosserie-Übersicht nur nach vorne gut – nicht jedoch nach oben hin zu Verkehrsampeln (Grund: niedrige, steile Scheibe).

DRAN & DRIN
Besser als klassenüblich bestückt, u.a. Serie: Lederpolsterung, beheizbare E-Vordersitze (Memo fahrerseitig inkl. Spiegel und Pedale), 380-Watt-Hifi-Anlage mit 7 LS und CD-Wechsler, Xenon-Licht, Einparkhilfe hinten. Einzige Extras: Metallic, E-Schiebedach und DVD-Navigation mit großem Schirm. Nicht alle Materialien hochwertig, außen auffällig, innen gefällig gestylt (besonders schön: die Rundinstrumente), Verarbeitung nicht ganz perfekt.

SICHER & GRÜN
Adaptive Frontairbags, durchgehende Kopfairbag-Vorhänge, ABS, Bremsassistent, ESP, Isofix, fünf Dreipunktgurte, fünf Kopfstützen (reichen vorne bis 1,85 m, hinten nur bis 1,65 m). Fehlanzeige: Seitenairbags, Reifendruckkontrolle, Lichtautomatik. Keine Patzer beim Umwelt-Check, Verbrauch – auch dank Zylinder-Abschaltung – im Rahmen.

PREIS & WERT
Der billigste V8 am Markt, die allesamt etwas schwächeren und zum Teil schlechter ausgestatteten Konkurrenten wie Lexus GS, Jaguar S sowie Mercedes E, Audi A6 und BMW 5er sind mindestens 10.000 Euro teurer. Zwei Jahre Neuwagen-Garantie (inkl. Mobilität), nur sieben Jahre gegen Durchrosten. Wohl hoher Wertverlust. Recht dünnes Werkstatt-Netz, Service und Ölwechsel alle 12.000 km.

ALLES-AUTO-TESTURTEIL :
Chrysler für Oberklasse-Individualisten, die den großen Auftritt schätzen.


Foto: Len Vincent

Diesen Test finden Sie in ALLES AUTO 9/2004

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