Der Radnabenmotor: die Kraft im Rad

30. August 2017
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Aktuelles

Platz unter der Haube und ein enorm hoher Wirkungsgrad: das verspricht der Radnabenmotor. Dabei sitzt der Motor direkt im Rad, was die Kraft natürlich direkter und ohne Umwege dorthin kommen lässt. Auch die Betriebsbremse kann viel kleiner ausfallen und in manchen Fällen, wie beispielsweise auf der Hinterachse eines kleineren Autos, ganz weggelassen werden. Bremsvorgänge werden dann vom Generator durch Rekuperation durchgeführt – im besten Fall über alle vier Räder und somit auch vier Motoren. Das wäre ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, denn herkömmliche Elektroantriebe können nur über einen Motor Energie zurückgewinnen. Da jedes Rad durch Torque Vectoring einzeln angesteuert werden kann, verspricht das eigenwillige Konzept auch eine bis dato nicht gekannte Dynamik und verhilft dem Fahrzeug eine erhöhte Fahrstabilität. radnabenantrieb-02

Aber kein Für ohne Wider: die Konstruktion des Radnabenmotors erhöht die ungefederten Massen. Eine Bauernregel besagt ja, dass sich ein Kilo ungefederte Masse so start auswirkt, wie sieben Kilo Fahrzeuggewicht. Das schwerere Rad rollt wenig komfortabel ab und verschlechtert das Ansprechverhalten. Trotz der Nachteile forschen unter anderem das Unternehmen Fraunhofer Systemforschung an der Optimierung der bisweilen eher stiefmütterlich behandelten Technologie. Das Projekt LARA, ein luftgekühlter Radnabenmotor, hat nur 14,5 Kilogramm Masse, was im Vergleich zu den 50 – 80 Kilo herkömmlicher Technologien wirklich bemerkenswert ist. Der Direktantrieb liefert pro Rad etwa 27 PS und 500 Newtonmeter – durchaus Werte, die für einen Stadtflitzer schon jetzt annehmbar wären. Kombiniert man diese Technologie mit neuen Reifenmischungen, die komfortabler abrollen, steht einer spannenden Entwicklung in diesem Bereich nichts mehr im Wege.

Bilder: Fraunhofer LBF