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Die späte Reue des Knoflachers

6. März 2018
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Mit 77 Jahren hat ihn wohl die Furcht gepackt, ohne Beichte das Zeitige zu segnen. Dem „Spiegel“ hat der Herr Knoflacher gebeichtet und sein schwer belastetes Gewissen erleichtert. Er habe bewusst und auf linkes, Wiener Politikergeheiss jahrzehntelang eine autofeindliche Verkehrsplanung betrieben. Straßenbahnhaltestellen z.B. so gestaltet, dass man nicht daran vorbei fahren kann, wenn Fahrgäste aus- und einsteigen, ja sie sogar umfahren werden müssen. Baustellen wurden bewusst möglichst Stau-fördernd ausgebildet. „Manche Leute hätten vor Verzweiflung geschrieen“ behauptet er seelenruhig. Desweiteren gab er zu, dass man bewusst Stau erzeugt habe, um die Autofahrer zu nerven.

Das ist ungefähr so, als würde ein Arzt beichten, dass er bewusst jahrzehntelang Menschen mit Krebszellen infiziert hat. Und die noch größeren Pharisäer  – um nicht Sadisten zu sagen – sitzen im Rathaus, haben dies alles angeordnet und nehmen den mit den Megastaus verbundenen höheren CO2-, Feinstaub- und NOx-Ausstoss ohne mit der Wimper zu zucken in Kauf. Von der zynischen Ignoranz gegenüber den leidenden Autofahrern, denen man auf diese Weise Unmengen an Freizeit, Geld und jede Menge Nervenkostüm gestohlen hat, ganz zu schweigen.  Und gleichzeitig scheinheilig jammern über den zunehmenden CO2-Ausstoss, den Feinstaub, das bodennahe Ozon und die hohe NOx-Belastung.

Menschen in Autos – und das muss man sich schon auf der Zunge zergehen lassen – werden von Herrn Knoflacher erst dann als Menschen akzeptiert, wenn sie aus dem Auto ausgestiegen sind. Das sollte mal einer von der anderen politischen Seite so sagen – die mediale Inquisition hätte seinen Ruf längst am Scheiterhaufen zur öffentlichen Verbrennung frei gegeben.

Autofahrer in Städten dürfen seiner „Expertenmeinung“ nach nicht mehr Platz beanspruchen als andere Verkehrsteilnehmer auch, also Straßenbahnfahrer, Fußgänger und Radfahrer. Deshalb hat er auch empfohlen, das Parken in der Stadt auf bis zu 500.- zu erhöhen. Nicht monatlich oder jährlich wohlgemerkt, sondern pro Anlaßfall.

Eigentlich unglaublich und unfassbar, was da ans Tageslicht kommt. Ein „Stalin“ der sogenannten Verkehrsplanung erleichtert sein Gewissen, aber wen stört dieser Skandal? Wer nimmt ihn überhaupt zur Kenntnis? Der Staatsfunk verschweigt es komplett, Wiener Lokalpolitiker der Opposition protestieren, der ÖAMTC auch und das war`s. Die politisch Verantwortlichen treiben weiter ihr verkehrspolitisches Unwesen im Wiener Rathaus und die Wähler haben das bis zur nächsten Wahl 2020 ganz sicher vergessen.

Fast wie eine Weihnachtsgeschichte.

6 Kommentare

  1. Profilbild von Der Schwedenkönig

    Angesichts dieser verzerrenden Interpretation empfehle ich das Studium des Originaltextes.

    • Profilbild von Weuzi

      Verzerrend?
      Weil die 500.- Parkgebühr pro Monat empfohlen werden und nicht – wie ich fälschlicherweise schrieb – pro Anlassfall oder weil ich vergessen habe zu schreiben, dass er Autofahrer vorsintflutlicher als Steinzeitmenschen findet? Weil sich ein Autofahrer erdreistet, Spaß am Autofahren zu haben. Wie primitiv doch so eine Stimulanz ist – genauso primitiv aber wie z.B. auf dem Fahrrad oder Skiern einen Berg runterzurasen oder andere Sportarten, die vorwiegend auf Geschwindigkeit basieren.
      Das Vorstehende ändert jedoch nichts, aber schon gar nichts, an der Tatsache, dass es eine Chuzpe ist, einen fanatischen, militanten Autogegner als „Verkehrsexperten“ zu bezeichnen und dann auch noch seine radikalen, umweltschädlichen Methoden umsetzen lässt.
      Da ist das Sprichwort vom Bock, den man zum Gärtner macht wohl am Zutreffendsten.

  2. Profilbild von wein4tler

    Ich bin jetzt kein Knoflacher-Fan, aber das Bild zum Artikel sagt uns eh eigentlich alles. Nämlich es sind ZU VIELE Autos in der Stadt unterwegs … 😉

  3. Profilbild von Weuzi

    Korrektur meines Titels:
    es ist nicht die – in Anlehnung an Heimatromane scherzhaft von mir gemeinte – „späte Reue des Knoflachers“, weil von Reue keine Spur, sondern „das absterbende Aufmucken eines narzisshaften Selbstdarstellers, der Niemanden mehr interessiert“.
    Um nicht wieder als verzerrend betitelt zu werden zum Nachsehen und -hören:
    https://www.youtube.com/watch?v=vQk0b6S5XJ8

  4. Profilbild von Hans

    Eine Frechheit, was der Typ von sich gibt. Aber es überrascht mich natürlich nicht, er beschreibt ja nur, was er getan hat.
    Man kann nur hoffen (wenn die Hoffnung auch sehr gering ist), dass Ludwig als Bürgermeister ein wenig realitätsnäher agieren wird.
    MfGJ

  5. Profilbild von Der Schwedenkönig

    Ich versuch mir grad vorzustellen, wie die Strassen der Stadt heute ohne den – oft zulasten des Autoverkehrs – hervorragend ausgebauten Öffisektor aussehen würde. Wenn also der Großteil der heutigen Öffibenutzer mit dem eigenen Auto statt mit Bus, Tram. U- und Schnellbahn unterwegs wäre.

    Kein Stau, keine Luftverschmutzung, das reine Paradies.
    Man blicke nur nach Rom oder Brüssel – die machen vor, wie’s geht.

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