Die Wahrheit über CO2

29. April 2019
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Fotocredit: flickr.com/Zappys Technology Solutions

Wenn wir über Klimaziele sprechen, dann bedeutet das derzeit vorrangig: CO2 = Kohlendioxid. Ein Gas, das unter anderem bei fossiler Verbrennung entsteht. Aber auch bei der Lungentätigkeit – wir alle atmen es aus. Pflanzen binden es bei der Photosynthese, Algen in ihrem Stoffwechsel ebenso, beide sind damit ein maßgebliches Gegengewicht für die Kohlendioxid-Bilanz. CO2 ist ungiftig, farb- und geruchlos. Niemand bekommt deswegen Atembeschwerden oder wird davon krank. Schon der gängige Begriff CO2-Belastung ist irreführend, weil er so verstanden wird, als gäbe es eine unmittelbare, gesundheitsschädliche Auswirkung. Was nicht der Fall ist. Kohlendioxid reichert sich in der Atmosphäre an, deren natürlicher Bestandteil es ist. Ohne den dadurch erzeugten Treibhaus-Effekt würde die mittlere Temperatur auf der Erde etwa minus 18 Grad betragen und das Leben auf ihr äußerst unbequem sein. Sofern es angesichts solch äußerer Umstände nicht beschlossen hätte, sich lieber erst gar nicht zu entwickeln. Wie immer kommt es auch bei diesem Gas auf die Dosierung an, und eben die wird durch den Beitrag des Menschen kritisch erhöht.

Umso mehr zahlt es sich aus, die Verursacher zu identifizieren. Mit geringer Schwankungsbreite liegt der Anteil des Verkehrs an den vom Menschen verursachten CO2-Emissionen in Europa aktuell bei etwa 27 Prozent. Das ist geringfügig mehr als beim letzten Klima-Kassensturz und damit kein Anlass zu selbstgefälligen Jubeltänzen – es könnte und sollte bedeutend weniger sein. Unter dem Begriff Verkehr versammeln sich Flug-, Bahn-, Tram-, Bus-, LKW- und Liefer-Verkehr, PKW und Einspurige. Alle zusammen verursachen die 27 Prozent. Immerhin sickert die Zahl leidlich in die Gehirnwindungen der Bürger – nur eben nicht, was sie tatsächlich bezeichnet: Darauf angesprochen antwortet die Mehrheit, das Auto sei für ein starkes Viertel der CO2-Belastung verantwortlich. Was eben falsch ist – es ist der Verkehr insgesamt.

Wer das Dickicht der Statistiken und Aufschlüsselungen sorgsam filetiert, den Beitrag von Bahn-, Tram-, Bus-, LKW- und Lieferverkehr sowie Taxis abzieht, wird am Ende für Privat-PKW und Einspurige auf etwa ein Drittel vom Pauschalanteil des Verkehrs kommen – zirka neun Prozent der Gesamtbelastung. Die fleißig gewalkte Heilsbotschaft, der Planet würde gerettet, wenn wir auf das Auto verzichten, scheitert augenscheinlich an dieser Zahl. Selbst wenn ab sofort niemand mehr seinen PKW benutzt, wären immer noch 91 Prozent der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen übrig. Und auch dieser Wert bliebe unerreichbar, weil das Mobilitätsbedürfnis mit dem Verzicht auf das Auto nicht abgeschafft ist. Denn auch das öffentliche Verkehrsnetz arbeitet nicht CO2-neutral. Dazu hat es schlichtweg nicht die Kapazitäten, sämtliche Menschen zu befördern. Es müsste erst großzügig ausgebaut werden, was in diesem Umfang nicht ansatzweise finanzierbar ist – schon gar nicht, wenn der immense Steueranteil aus der Automobilwirtschaft entfällt. Und vor allem: Die notwendige Erhöhung des Verkehrsaufkommens im öffentlichen Bereich würde gut die Hälfte der so sauer errungenen neun Prozent CO2-Reduktion kosten. Bleiben netto also etwa viereinhalb bitter erkämpfte Prozentpunkte, eine gesellschaftliche Rosskur mit unabsehbaren Folgen und ein immer noch kaputter Planet.

Trotz dieser offensichtlichen Unergiebigkeit visiert ein Großteil der gepriesenen Maßnahmen zur CO2-Reduzierung, sittsam der Meinung der Halbwissenden gehorchend, allein auf den privaten PKW-Verkehr und verstellt den Blick auf das unausweichlich Wesentliche – nämlich auf die restlichen 91 Prozent der CO2-Emissionen. Die Liste der dort anfallenden Beitragstäter entspricht in etwa einer Aufzählung von Eckpunkten der modernen Industriegesellschaft: Ein vom hypertrophen Konsumbedürfnis gedopter Güterverkehr, die Flug-Frequenz unbeschränkt und galoppierend ansteigend. Dazu eine Industrie, die CO2-Emissionen gegen Zertifikate eintauscht statt sie konsequent zu reduzieren, und Heizanlagen, die bisher kaum Umweltschutz-Auflagen unterliegen. Mittendrin ein gewaltiger Verursacher, den wir nicht einmal wahrnehmen, und der sich auch erfolgreich aus fast allen Statistiken mogelt: der Schiffsverkehr.  Dessen Emissionen werden nur in den Hoheitsgewässern des jeweiligen Landes erfasst – also maximal innerhalb von zwölf Seemeilen, etwa 22,2 Kilometer. Außerhalb davon herrscht Schweigen. Die Vision, den Planeten auf der Straße zu retten, ist nicht haltbar. Tatsächlich wird er, wenn überhaupt, auf den Meeren geheilt – oder gar nicht.

Auszug aus dem Buch „Die Grüne Farce“ von Stefan Pabeschitz.
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