Elektroautos – ist die Zukunft nah?

22. Januar 2021
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Aktuelles

Das Elektroauto hat es nicht leicht. Einerseits baut die Autoindustrie, getrieben von der Politik, zusehends auf eine surrende Zukunft, andererseits besteht nach wie vor Skepsis in der Bevölkerung. Deswegen sorgen die EU bzw. deren Staaten mit Verbrauchs-Strafen für die Hersteller und Kauf-Anreizen für Elektroautos, dass Stromer im Vergleich attraktiver werden. Unter anderem haben Österreich und Großbritannien spezielle Regelungen für Elektroautos. Neben Förderungen gibt es noch viele weitere Strategien, auf die die einzelnen Länder zurückgreifen.

Wer sich nicht mehr für einen reinen Verbrenner, aber noch nicht für ein reines Elektroautos entscheiden will, für den kommen Hybridautos als sinnvolle Übergangstechnologie infrage. Sie nützen teilweise die Vorteile der Elektromobilität, müssen gleichzeitig aber auf die hohe Reichweite von Verbrennern nicht verzichten.

Elektroautos als Klimaretter?

Die Hoffnungen der Politik ruhen auf Elektroautos. Sie sollen die Verbrenner ablösen und für eine möglichst klimaschonende Mobilität sorgen. Obwohl es derzeit bezüglich der Klimafreundlichkeit von Produktion und Recycling der Batterien noch begründete Bedenken gibt. Auch die Bereitstellung von genügend Strom aus erneuerbaren Energien ist ein noch ungelöstes Problem. Dennoch entscheiden sich viele EU-Länder dafür, die Elektromobilität zu fördern und Nutzern von Elektroautos bestimmte Privilegien und Rechte zukommen zu lassen.

Die Ziele sind ambitioniert. Deutschland wollte es beispielsweise schaffen, innerhalb kürzester Zeit eine Million Elektroautos auf seine Straßen zu bekommen. Mit rund 68.000 Neuzulassungen im Jahr 2018 landete man zwar im europäischen Vergleich auf Platz 2 hinter Norwegen, vom anvisierten Ziel ist man jedoch noch deutlich entfernt. Ähnliches gilt für andere europäische Länder. Diese verfolgen ambitionierte Ziele, bis zu deren Erreichen ist jedoch noch viel Arbeit zu leisten.

Verschiedene Arten von Hybridautos

Hybridautos gelten als Brückentechnologie auf dem Weg zu reinen Elektroautos. Es gibt viele unterschiedliche Varianten von Hybriden mit jeweils anderen Stärken und Schwächen. Eine Sonderrolle nehmen Mildhybride ein. Bei ihnen sorgt ein kleiner Elektromotor für mehr Kraft beim Anfahren, außerdem sind mit ihm längere Abschaltphasen des Benziners möglich als bei einer herkömmlichen Start-Stopp-Automatik. Der Motor wird dann nicht nur im Stillstand an Ampeln abgestellt, sondern auch beim Rollen zwischendurch, was mehr Sprit spart. Zudem verfügen sie über einen Generator, der beim Bremsen Energie zurückgewinnt.

Mildhybride sind noch stark auf den Verbrennungsmotor ausgerichtet, der durch den Elektromotor lediglich unterstützt wird. Vollhybride haben hingegen einen weit stärkeren Elektromotor, der genug Kraft hat, um das Auto auch allein antreiben zu können. Aufgrund ihrer kleinen Batterie (maximal 1,5 kWh) ist ihm das zwar häufig, aber immer nur kurzzeitig möglich. Dennoch steht unterm Strich, vor allem im Stop-and-go-Betrieb, eine deutliche Verbrauchs-Ersparnis. Potenziell noch mehr bei den Plug-in-Hybriden, deren Erkennungszeichen ein deutlich größerer Akku (10 bis über 15 kWh) ist, der über eine Ladestation aufgeladen wird. So können sie Strecken von 50 bis über 70 Kilometern rein elektrisch zurücklegen, was für das Tagespensum der meisten Autofahrer ausreichend ist. Wirklich Sinn machen sie allerdings nur bei täglichem Strom-Laden.

Foto: pixabay.de © lobpreis CCO Public Domain

So fördert Österreich die Elektromobilität

Österreichs Politik ist an einem Ausbau der Elektromobilität stark interessiert. Bis Ende 2018 fuhren etwa 18.000 Elektroautos auf österreichischen Straßen, die Tendenz war aber schon damals steigend. Deswegen hat die österreichische Regierung ein E-Mobilitätspaket auf den Weg gebracht. Dieses verfolgt das Ziel, Anreize für Elektroautos zu schaffen, statt Verbote für andere Antriebsformen auszusprechen. Letzteren wird allerdings durch die Verschärfungen bei Normverbrauchsabgabe (NoVA) und KFZ-Steuer das Leben zunehmend schwerer gemacht.

Das Mobilitätspaket hat verschiedene Regelungen für Elektroautos eingeführt. So wurde das Tempolimit für solche Fahrzeuge in gewissen Grenzen in Österreich aufgehoben. Da sie emissionsfrei unterwegs sind, dürfen sie in (speziell gekennzeichneten) IGL-100er-Zonen 130 km/h fahren, ohne hierfür belangt zu werden. Somit können Nutzer von Elektroautos auf 440 Kilometern in ganz Österreich schneller fahren als andere Verkehrsteilnehmer. Zudem wurde Städten und Gemeinden empfohlen, für Elektroautos Busspuren freizugeben und Kurzparkzonen gebührenfrei zu gestalten. Empfehlungen, die bisher allerdings kaum umgesetzt wurden.

Im Vergleich: Regelungen in Großbritannien

Großbritannien zählt zu den größten Förderern der Elektromobilität in Europa. Im Jahr 2018 waren bereits rund 60.000 Fahrzeuge zugelassen, wodurch das Land europaweit auf Platz drei landete. Außerdem ist Großbritannien im Bereich der Ladestationen ganz vorne mit dabei. Die Europäische Kommission rät, dass auf zehn Autos jeweils eine öffentliche Ladestation kommen sollte. Großbritannien hat diese Empfehlung trotz Brexit aufgegriffen und seine Ladeinfrastruktur dahingehend ausgebaut. Ziel ist es, dass zwischen zwei Ladestationen maximal 200 km liegen.

Weiters hat sich das Vereinigte Königreich dazu entschlossen, die Dienstwagensteuer bei Elektroautos zu streichen. Seit diesem Jahr sind die geldwerten Vorteile, die sich aus der privaten Nutzung elektrischer Dienstwagen ergeben, nicht mehr zu versteuern (wie auch in Österreich). Nicht zuletzt subventioniert Großbritannien wie viele andere Länder Elektroautos, allerdings wurden die Fördersummen in diesem Jahr reduziert.

Förderungen von Elektroautos in den EU-Ländern

Die EU-Länder setzen auf Förderstrategien, um die Elektromobilität voranzubringen. Hierzu gehört unter anderem, dass Elektrofahrzeuge in vielen europäischen Städten kostenlos parken dürfen. Zudem Hat Oslo (Norwegen) entschieden, dass solche Fahrzeuge auf der Bus- und Taxispur fahren dürfen, um bei dichtem Straßenverkehr schneller voranzukommen. Außerdem entscheiden sich viele Länder für Umweltprämien, um Kaufanreize für Elektroautos zu setzen. Ein besonderer Vorreiter in Sachen E-Mobilität in Europa ist Norwegen. Das skandinavische Land verzichtet bei Elektroautos auf die Mehrwertsteuer beim Kauf, die Registrierungssteuer und die jährliche KFZ-Steuer. Außerdem baut es seine Infrastruktur kontinuierlich aus und fördert das Image von Elektroautos.

Es gibt aber auch Länder, die sich der Elektromobilität noch nicht sonderlich verschrieben haben. So gibt es beispielsweise in Estland, Kroatien, Litauen, Malta und Polen keine speziellen Förderungen für Elektroautos. Die jeweiligen Ergebnisse sprechen für sich. In diesen Ländern ist der Marktanteil an Elektroautos ausgesprochen gering, während er in den anderen europäischen Staaten kontinuierlich gewachsen ist.

Weitere Strategien zur Förderung der Elektromobilität

Die europäischen Staaten verfügen über ein breit aufgestelltes Portfolio an Möglichkeiten, um die Elektromobilität zu fördern. Hierbei wird nicht zuletzt auf Verbote zurückgegriffen. So sollen Verbrennungsmotoren mit der Zeit komplett von den Straßen verschwinden. Die Niederlande, Großbritannien und Slowenien haben beispielsweise beschlossen, dass ab 2030 keine neuen Fahrzeuge mehr zugelassen werden dürfen, die einen Verbrennungsmotor besitzen. Dasselbe Ziel ist in Frankreich für 2040 anvisiert.

Des Weiteren entscheiden sich viele EU-Länder dafür, ihre Elektroautos durch Steuererleichterungen zu fördern und den Nutzern den Zugang so leicht wie möglich zu machen. Außerdem gibt es viele Länder, die Kauf- und Abwrackprämien bereitstellen, um einen Kauf von Elektroautos attraktiv zu machen. Besonders viel Geld bekommen Menschen in Frankreich und Slowenien, aber auch in Österreich, Irland, Schweden und Deutschland gibt es zahlreiche Kaufprämien für solche Fahrzeuge.

Titelbild: pixabay.de © Ismael Marder CCO Public Domain

6 Kommentare

  1. Die Möglichkeit für Elektroautos, in den Lufthunderterzonen mit 130 zu fahren, ist aber mit Vorsicht zu genießen.
    Allzuweit dürften sie dann nämlich nicht kommen. 😉

    MfG J

  2. Der Aufsatz liest sich im Vergleich zu der zuletzt im Haudrauf-Stil veröffentlichten Kollektivmeinung von AA zur Elektromobilität wie ein Gastkommentar. Die Aussagen sind allgemein gehalten. Derjenige, der sich für das eine oder andere Thema interessiert, weiß jedoch zumindest wo er ansetzen kann. Warum nicht. Bei der Gelegenheit eine Information für diejenigen, die sich näher für das Thema Elektromobilität interessieren: Österreich konnte im Juni 2020 seinen gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energien decken. Das ist in der jetzigen Jahreszeit natürlich nicht möglich. Da sind wir nach wie vor auf Stromimporte angewiesen. Es zeigt jedoch wie weit wir bereit sind, nämlich nach wie vor Spitzenreiter in der EU und darauf gehört mMn immer wieder hingewiesen.

  3. Wenn man bedenkt, dass wir vergangene Woche an einem Europa-weiten Blackout vorbeigeschrammt sind, dann freue ich mich auf die flächendeckende E-Mobilität ganz besonders. Und das Hochfahren nach einem solchen Ereignis darf man sich nicht nach 2 Stunden wie bei einem Trafoausfall vorstellen, sondern nach 1 – 2 Wochen, weil das System sukzessive und übergreifend langsam hochgefahren werden muss. Und bevor ich wieder belehrt werde – ja, uns wird versichert, in Österreich kann sowas nie und nimmer passieren, weil wir sind Weltmeister und grün und besser und gescheiter und unabhängig und überhaupt… So wie sie uns nach dem Montblanc-Tunnelbrand auch gesagt haben, dass das bei uns nicht passieren kann. Aber dann ist es im Tauerntunnel und in Kaprun doch passiert.

  4. In der aktuellen Ausgabe von auto touring kann man einen informativen Aufsatz zum Thema Recycling von Lithium-Batterien lesen. Ich meine dieser ist sowohl für Kritiker als auch für jenen Personenkreis interessant, der dieser Form der Mobilität offen gegenübersteht. Für mich persönlich aufschlussreich ist auch der Vergleich mit den im Memorandum von AA zur Elektromobilität dazu kundgetanen Tatsachen.

  5. Interessant ist, dass auch die Verwerter (lt. AA Betreiber von Piotanlagen) bestätigen, dass viel zu wenige Batterien von Elektroautos zurückkommen, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Mit einem Unternehmen für das Recycling von Lithium-Batterien würde man heute wirtschaftlich so erfolgreich sein wie mit einer Änderungsschneiderei in einem FKK-Gelände. Mithin ist das Thema „fehlendes Recycling von Lithium-Batterien“ bei den Stammtischen gut aufgehoben.

  6. Es gibt auf motor.at einen aktuellen Artikel zum Thema fehlende Recyclinganlagen für Autobatterien.
    Diesmal bestätigt Volkswagen, dass mit einem Rücklauf von entprechenden Stückzahlen erst Ende des Jahrzehnts (!) gerechnet wird.

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