Erster Test: Neuer Mazda3

4. April 2019
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Aktuelles

Seit der Rest der Modell­palette nach dem aufregenden Kodo-Design ausgerichtet wurde, wirkte der eher schlichtere 3 zuletzt ein bisschen wie das Kuckucks-Ei im Mazda-Nest. Dafür darf er jetzt aus dem Vollen schöpfen: Selten gab es in der Kompaktklasse ein Modell, das äußerlich so viel Dynamik, Eleganz und Sportlichkeit auszudrücken im­­stande war. Kanten, die in fließende Flächen auslaufen, das Spiel mit Lichtreflexen und keine störenden Winkel. Mazda bringt sein Stil-Motto selbst mit „dem Weglassen von Unnötigem“ auf den Punkt und dürfte damit eine Designsprache abliefern, die zeitlos und dennoch nie langweilig ist.  Die Sonderfarbe Crystal Soul Rot schmeichelt den Formen besonders und führt auch automatisch zu einem Bezug, den die Japaner hoffentlich als Kompliment auffassen: Der Mazda3 ist der Alfa Romeo, den die Italiener erst einmal bauen müssen.

Auch im Innenraum ist das Bemühen um schlüssiges ­Design im wahrsten Sinne des Wortes greifbar: Sitzposition und Ergonomie sind tadellos, alle Bedien­elemente logisch und gut erreichbar angeordnet, die Anzeigen grafisch ansprechend und ordentlich sortiert. Dazu kommt eine Materialqualität, die vor allem im VW-Konzern für Schamesröte sorgen sollte: Rundum hochwertige Softtouch-Ober­flächen, Leder, solide Haptik bis zum kleinsten Schalter, ­elegante Chrom-Applikationen überall. Selbst Mercedes kann hier zumindest in seinen Basis-Ausstattungen nicht mithalten.

 

Womit schon das nächste Stichwort gefallen ist: Von der Demokratisierung der Technik reden viele Hersteller – und verstehen darunter meistens einen üppigen Optionen-Katalog, mit dem der Kunde den armselig ausgestatteten Preislisten-Lockvogel um viel Geld auf ein akzeptables Niveau hebeln kann. Mazda geht einen anderen Weg, der dem tatsächlichen Kaufverhalten seiner Kunden folgt: Weil fast ausschließlich Autos in ­mittlerer bis hoher Ausstattung geordert wurden, gibt es ab jetzt nur noch diese – und das auch noch zu ­einem echten Kampfpreis. 

Der Einstieg-Trimm „Comfort“ beinhaltet neben einer ungewohnt generösen Liste von Kom­fort- und Sicherheits-Features (siehe Kasten) bereits Elemente, die anderswo erst in der Topausstattung erhältlich sind. Und sogar darüber hinaus – etwa ist hier bereits ein Navigationssystem an Bord, das beispielsweise beim Kompaktklassen-Platzhirsch Golf selbst in der Top-Version Highline noch als Extra zu berappen ist. Angenehm ist auch, dass die Preisliste generell zu keiner Doktorarbeit ausufert: Es gibt zwei Ausstattungen und vier Zusatzpakete, basta.

Auch, wenn der echte Technik-Aufreger mit dem Benzin-Selbstzünder erst in der zweiten Jahreshälfte folgt, zeigt Mazda auch jetzt schon mit interes­santen Ingenieurs-Lösungen auf: Der 122 PS starke Benziner kommt nach wie vor ohne ­Turbo aus und setzt stattdessen auf sanfte Schubun­­ter­­­stützung dank 24 Volt Mild Hybrid. Der 118 PS Diesel schafft die aktuelle Ab­­-gas-Limits ohne lästigen AdBlue-Zusatz mit einem NOx-Speicher-Kat.

Das Leistungsspektrum beider Motoren liegt im gutem Mittelfeld, ab und zu wäre natür­lich etwas mehr Punch wünschenswert. Im Gegenzug leisten sie sich aber auch keine Brustschwächen bergauf oder bei voller Besetzung, wie vor allem bei kleinvolumigen Turbo Benzinern üblich, sondern liefern solide lineare Leistung ab. Die feine Fahrzeug-Balance, das ausgezeichnetes Handling und die straffe, präzise Lenkung vermitteln außerdem mehr Sportlichkeit, als es womöglich nur mäßig umgesetzte PS könnten. 

Das Sechsgang-Getriebe ist zudem ausgezeichnet abgestuft und die Schaltung auffallend knackig sowie exakt geführt. Als Bonus kommt ein Abrollkomfort weit über dem Klassenschnitt und eine ausgezeichnete Entkopplung von Fahrwerks-Einflüssen bei dennoch dynamischem Feedback dazu.

Bei so vielen sonnigen Eigenschaften war es tatsächlich nicht leicht, bei dem bereits in den Verkauf gestarteten Mazda3 auch ein wenig Schatten zu finden. Also: Das Kofferraum-Volumen ist etwas dürftig ausgefallen, und die Kopffreiheit im Fond könnte besser sein. Aber irgendwo muss der Mitbewerb ja auch noch punkten können.

Daten & Fakten

Basispreis in € 23.990,– (25.990,–)
Zyl./Ventile pro Zyl. 4/4
Hubraum in ccm 1998
PS/kW bei U/min 122/90 bei 6000
Nm bei U/min 213 bei 4000
Getriebe 6-Gang, man. (6-Gang-Aut.).
L/B/H, Radst. in mm 4460/1795/1435, 2725
Kofferraum/Tank in l 330–1026/51
Leergewicht in kg 1364 (1389)
0–100 km/h in sec 10,4 (10,8)
Spitze in km/h 197
Normverbrauch in l (Mix) 6,4/4,3/5,1 (6,8/4,7/5,5)
CO2-Ausstoß in g/km 117 (126)

(Werte in Klammer für die Version mit Automatik-Getriebe)

Basispreis in € 26.390,– (29.890,–)
Zyl./Ventile pro Zyl. 4/4
Hubraum in ccm 1759
PS/kW bei U/min 116/85 bei 4000
Nm bei U/min 270 bei 1600–2600
Getriebe 6-Gang, man. (6-Gang-Aut.)
L/B/H, Radst. in mm 4460/1795/1435, 2725
Kofferraum/Tank in l 330–1026/51
Leergewicht in kg 1385 (1410)
0–100 km/h in sec 10,3 (12,1)
Spitze in km/h 194 (192)
Normverbrauch in l (Mix) 4,6/3,8/4,1 (5,2/4,3/4,7)
CO2-Ausstoß in g/km 107 (127)

(Werte in Klammer für die Version mit Automatik-Getriebe, nur in Verbindung mit Ausstattung Comfort+)

PS: Wir konnten in der Zwischenzeit den Mazda3 auch schon auf heimischen Straßen testen.  Zu lesen gibt es den Bericht in der aktuellen Ausgabe April 2019!#A

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