Ferrari Luce: Der erste elektrische Ferrari

Mit dem Luce präsentiert Ferrari sein erstes vollelektrisches Serienmodell. Der neue Gran Turismo wurde nicht als klassischer Supersportwagen gezeichnet, sondern als eigenständiger, viertüriger Fünfsitzer mit luxuriösem Raumangebot und radikal neuer Formensprache. Entwickelt wurde das Design gemeinsam mit LoveFrom, dem Designstudio von Jony Ive und Marc Newson. In Europa soll der Ferrari Luce Ende 2026 starten, der Preis wird mit rund 550.000 Euro angegeben.

Erster Ferrari ohne Verbrenner

Der Luce ist für Ferrari mehr als ein neues Modell. Er ist der erste rein elektrische Ferrari und damit ein bewusst gesetzter Bruch mit der Tradition von V8- und V12-Motoren. Statt eines Verbrenners arbeiten vier Elektromotoren im Fahrzeug, die zusammen je nach Quelle rund 1.035 bis 1.050 PS leisten sollen. Ferrari spricht von einer eigenständigen Elektroarchitektur, die Performance, Allradantrieb und ein neues Raumkonzept verbindet.

Die Fahrleistungen bleiben trotz des ungewohnten Formats klar auf Ferrari-Niveau. Der Luce soll in rund 2,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen und mehr als 310 km/h schnell sein. Die Batterie fasst 122 kWh, die Reichweite wird mit bis zu 530 Kilometern angegeben. Damit zielt Ferrari nicht auf ein reines Kurzstrecken-Showcar, sondern auf einen elektrischen Gran Turismo, der hohe Leistung und Langstreckentauglichkeit verbinden soll.

Design von LoveFrom und Ferrari

Besonders auffällig ist das Design. Der Luce sieht nicht wie ein elektrischer Purosangue und auch nicht wie ein klassischer Ferrari mit Batterien aus. Die Karosserie wirkt glatter, reduzierter und stärker von Industrie- und Produktdesign geprägt. LoveFrom bekam laut Ferrari bewusst große gestalterische Freiheit, um eine neue Sprache für das erste Elektroauto der Marke zu entwickeln.

Die Form trennt optisch die dunkle Passagierzelle von der lackierten Außenhaut. Die gläserne Kabine wirkt wie ein eigenständiger Körper, der von der Karosserie eingefasst wird. Dazu kommen fließende Flächen, eine aerodynamisch geglättete Silhouette und integrierte Lichtlösungen. Ferrari wollte damit offenbar keinen nostalgischen Elektro-Sportwagen bauen, sondern ein Auto, das eine neue Kundengruppe anspricht und trotzdem als Ferrari funktionieren soll.

Im Innenraum geht Ferrari ebenfalls einen eigenen Weg. Statt alles über große Touchscreens zu lösen, setzt der Luce wieder stärker auf physische Bedienelemente. Das ist bemerkenswert, weil Jony Ive oft mit dem Touchscreen-Zeitalter verbunden wird. Beim Luce soll die Bedienung aber bewusst taktil bleiben, damit sich der Fahrer stärker auf das Fahren konzentrieren kann. Gleichzeitig kommen OLED-Displays, digitale Oberflächen und hochwertige Materialien wie Leder, Glas, Aluminium und Stahl zum Einsatz.

Ferrari-Emotion im Elektrozeitalter

Eine der größten Herausforderungen betrifft den Charakter. Ein Ferrari ohne Motorgeräusch muss trotzdem Emotion erzeugen. Deshalb arbeitet Ferrari beim Luce an einem eigenen Klang- und Vibrationskonzept. Statt künstlich einen Verbrenner zu imitieren, soll ein mechanischer Klang aus der elektrischen Antriebseinheit aufgenommen und je nach Fahrmodus verarbeitet werden. So will Ferrari dem Elektroantrieb eine eigenständige, aber markentypische Sinnlichkeit geben.

Auch strategisch ist der Luce wichtig. Ferrari will mit dem Modell neue Kunden erreichen, vor allem solche, die Luxus, Technik und Design stärker gewichten als klassische Verbrenner-Nostalgie. Gleichzeitig bleibt die Marke vorsichtig: Der Luce ist kein günstiger Einstieg in die Elektromobilität, sondern ein Luxusprodukt mit sehr hoher Exklusivität. Die ersten europäischen Auslieferungen sind für Ende 2026 geplant, die USA sollen 2027 folgen.

Foto: Werk

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