Ford Fiesta Coupé 1,6 Sport

30. Dezember 2008
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Ford
Klasse:Kleinwagen
Antrieb:Vorderrad
Treibstoff:Benzin
Leistung:120 PS
Testverbrauch:7,7 l/100km
Modelljahr:2008
Grundpreis:17.150 Euro

Ein Jahr nach dem Plattform-Bruder Mazda2 bringt Ford nun den neuen Fiesta. Wir testeten die Top-Version des dreitürigen Coupés

Ford will mit dem neuen Fiesta vermehrt jüngere Kunden ansprechen. Also guckt der Kleine schon rein äußerlich viel frecher in die Welt als sein Vorgänger. Erst recht unser dreitüriges Coupé in der Version Sport“ – mit tief heruntergezogener Frontschürze, angedeutetem Diffusor und mächtigem Dachspoiler. Optionale 17-Zoll-Räder komplettieren den nicht gerade dezenten, aber stimmigen Auftritt.
Um der aggressiven Optik gerecht zu werden, steckt unter der Haube unseres Testwagens der derzeit potenteste Antrieb. Der 120 PS starke 1600er-Benziner wird im Verkauf zwar nur wenig Rolle spielen, soll aber zeigen, wozu der neue Fiesta fähig ist.
An dieser Stelle ist ein kurzer Rückblick angebracht: Vor genau einem Jahr absolvierte ein Mazda2 unseren großen Test. Und auch damals sprachen wir von neuer Dynamik und Sportlichkeit. Kein Zufall. Die Kleinwagen von Ford und Mazda werden zwar unabhängig voneinander gebaut, entspringen aber gemeinsamer Entwicklung.
So nutzen beide die gleiche Bodengruppe, weisen untereinander identische Achskonstruktionen auf und lassen auch in der ausgeprägten Keilform der Karosserie keine Zweifel an ihrer Verwandtschaft.
Unterschiede gibt es dennoch genug: Sechs Zentimeter mehr Außenlänge verschaffen dem Fiesta einen deutlich größeren Kofferraum. Dank auch längs verstellbarer Lenksäule und stufenloser Lehnen-Justierung lässt sich im Ford leicht die gewünschte Sitzposition finden. Und an Ablagen, zumal für Fondpassagiere, waren die Kölner ebenfalls spendabler.
Wer nur den Fiesta fährt, wird auch von Lenkung und Handling begeistert sein. Erst im direkten Vergleich zeigt sich, dass der Ford nicht ganz so spielerisch und zielgenau um Ecken zirkelt wie der Japaner. Größer ist der Unterschied in der Schaltung. Der Hebel des Ford liegt tief, und speziell der dritte Gang ist bei raschem Hochschalten nicht immer leicht zu treffen.
Im Fahrverhalten sind die beiden Halbbrüder einander wieder ebenbürtig. Der Fiesta liegt neutral und lässt nur bei extremen Lastwechseln das Heck schwanzeln. Dann ist rasches Gegenlenken gefordert – oder aber ESP um 561 Euro.
Das beim „Sport“ obligate härtere Fahrwerk ist noch keinesfalls familienfeindlich, ein wenig hoppeln kann der Fiesta auf schlechten Straßen aber genauso wie der Mazda.
Die Bremsen kennen kein Fading und lassen sich selbst von zehn aufeinander folgenden Notstopps aus 100 km/h kaum beeindrucken – obwohl an der Hinterachse nur Trommeln werken. Angesichts der Winterreifen am Testwagen gehen auch die Bremswege in Ordnung. Bei den Verzögerungs-Versuchen auf diversen Gleitbelägen stoppte der Fiesta damit sogar ausgesprochen früh und überzeugte (bestückt mit Aufpreis-ESP) zudem durch herausragende Spurtreue.
Die 120 PS des 1600er-Motors treiben den Kleinwagen lebendig voran. Vor allem, wenn man hohe Drehzahlen nicht scheut. Merklich besser als der nur 103 PS starke Mazda des vorjährigen Tests geht der Ford allerdings nicht.
Die knappe und insgesamt kurze Getriebe-Übersetzung – schon bei Tempo 130 zeigt der Drehzahlmesser im höchsten Gang 4000 Touren – fördert Fahrspaß, ist günstigem Verbrauch aber abträglich. Mit ein bis zwei Litern über dem Norm-Mix muss man schon rechnen.
Vielleicht nicht jedermanns Geschmack trifft die Mittelkonsole im Raumschiff-Enterprise-Look. Die Bedienung des Fiesta gibt aber keine Rätsel auf. Radio, Bordcomputer, Klimaanlage – alles leicht zu durchschauen.
Tagfahrlicht und dreimaliges Tipp-Blinken sind fein, die unübliche Scheibenwasch-Betätigung wird bald zur Gewohnheit. Ebenfalls ford-typisch sind die bei Sonne schlecht ablesbaren LED-Displays. Und ein Armaturen-Dimmer? Fehlanzeige.
Wie schon beim Mazda2 lässt die Übersicht nach schräg hinten zu wünschen übrig. Zudem stört beim Rangieren der ungebührlich große Wendekreis unseres mit 17-Zoll-Rädern bestückten Testwagens.
Wie sieht letztlich die Kostenseite aus? Billig ist das 120 PS-Coupé mit 17.150 Euro natürlich nicht. Es steht aber auch ziemlich konkurrenzlos da. Der dreitürige Seat Ibiza ist mit maximal 105 PS zu haben, das Mazda2 Coupé höchstens mit 86 (den 103 PS-Motor gibt es nur im Fünftürer). Wer sich beim Fiesta Coupé mit 82 PS und „normalem“ Outfit begnügt, zahlt selbst in Top-Ausstattung nur 14.850 Euro. Und hat dann immer noch einen attraktiven, modernen und praktischen Kleinwagen.

Fiesta-Cockpit: optisch spacig, ergonomisch OK. Die Materialien überzeugen im unmittelbaren Sichtbereich

MOTOR & GETRIEBE
Der 1600er-Benziner entwickelt erst bei höheren Touren ordentlich Punch und dreht willig bis weit in den roten Bereich. Akustik von dezent bis kernig. Sportlich gestuftes und sehr kurz übersetztes Getriebe. Schaltung kein Wunder an Präzision.

FAHRWERK & TRAKTION
Trotz Sportfahrwerk brauchbarer Komfort, nur kurze Wellen lassen die Hinterachse leicht hoppeln. Lenkung direkt und ausreichend zielgenau. Fahrverhalten im Grenzbereich neutral, Lastwechsel können jedoch Heckschwenks provozieren. Standfeste und gut dosierbare Bremsen.

COCKPIT & BEDIENUNG
Groß dimensionierte und gut konturierte Sitze, erstklassige Sitzposition. Fond-Einstieg via Easy-Entry, fahrerseitig mit Positions-Memory. Tadellose Ergonomie, doch schlecht ablesbare LED-Displays. Kein Dimmer. One-Touch-Fensterheber fahrerseitig. Schlechte Sicht nach schräg hinten, großer Wendekreis.

INNEN- & KOFFERRAUM
Vier Erwachsene haben gut Platz, zu dritt im Fond wird´s eng. Geräumiges Gepäckabteil, doch hohe Ladekante. Fondlehnen mit einem Handgriff 2:1 vorzuklappen, im Boden bleibt dabei eine Stufe. Viele brauchbare Ablagen, auch Fondpassagiere finden Türfächer, jedoch keine Haltegriffe am Dach.

DRAN & DRIN
Als „Sport“ bereits brauchbar bestückt. Unter den moderat gepreisten Extras finden sich – teils in Paketen – weitere Goodies bis hin zur Lederpolsterung. Navigation als Zubehör zu haben. Materialien nur teilweise hochwertig. Verarbeitung an manchen Stellen etwas hemdsärmelig.

SICHER & GRÜN
Fünf Airbags (inklusive Schutz für die Fahrerknie) sind Standard, ebenso Isofix. Kopfairbags, ESP und die dritte Fond-Kopfstütze kosten extra. Verbrauch im Rahmen, wenngleich deutlich über der Werksangabe.

PREIS & KOSTEN
Die potenten Dreitürer von Nissan Micra und Suzuki Swift kosten etwa gleich viel, billiger gibt´s den Fiat Grande Punto. Mitsubishi Colt CZT und Toyota Yaris sind stärker und teurer. Der Plattform-Bruder Mazda2 ist als Dreitürer mit maximal 86 PS zu haben. Ford-Plus: Vier Jahre Garantie. Gute Werthaltung als Power-Coupé eher fraglich.

FAZIT:
Als 120 PS-Coupé ist der Fiesta ein echter Hingucker. Das Gros der Kunden wird zu zivilen Versionen greifen – und bekommt auch dann einen rundum attraktiven Kleinwagen.

MOTOR-BAUART:
Vierzylinder Reihenmotor vorne quer liegend, Zylinderblock und -kopf aus Leichtmetall, elektronisch gesteuerte Drosselklappe. Fünffach gelagerte Kurbelwelle, zwei oben liegende Nockenwellen mit Zahnriemenantrieb und variablen Steuerzeiten, vier Ventile pro Zylinder. Elektronische Benzineinspritzung, variable Kennfeld-Zündung. Geregelter Dreiwege-Katalysator, Abgasnorm Euro IV.

MOTOR-DATEN:
Hubraum 1596 ccm, Bohrung x Hub 79,0 x 81,4 mm, Verdichtungsverhältnis 11,0:1, Max. Leistung 88 kW (120 PS) bei 6000/min, Spez. Leistung 55,1 kW/l (75,2 PS/l), Max. Drehmoment 152 Nm bei 4050/min, Ölinhalt 3,8 l, Kühlwasserinhalt 5,5 l

KRAFTÜBERTRAGUNG:
Vorderradantrieb, Fünfgang-Getriebe.
Übersetzungen: I. 2,82, II. 1,508, III. 1,41, IV. 1,11, V. 0,88, R. 3,62
Achsantrieb 3,82

FAHRWERK:
Vorne: Querlenker, McPherson-Federbeine, Querstabilisator. Hinten: Verbundlenkerachse mit progressiver Spursteuerung, Schraubenfedern, Teleskop-Stoßdämpfer. Radstand 2489 mm, Spurweite vorne/hinten 1473/1470 mm. Zahnstangen-Lenkung mit elektrischer Servounterstützung, Lenkübersetzung 14,25:1. Hydraulische Zweikreisbremse mit Bremskraftverstärker, vorne innenbelüftete Scheiben mit Einkolben-Faustsattel-Zangen, hinten Trommeln. Feststellbremse auf die Hinterräder wirkend. Reifen & Räder: 205/40 R 17 84H M&S Pirelli Sottozero W210 auf Leichtmetall-Felge 7,0 J x 17 (Serie: 195/45 R 16 auf Leichtmetall-Felge 6,5 J x 16).

KAROSSERIE:
3 Türen/5 Sitze, Luftwiderstandsbeiwert cw 0,335, Stirnfläche A 2,08 m2, Luftwiderstandsindex A x cw 0,70, Länge/Breite/Höhe 3958/1722/1481 mm, Wendekreis 10,2 m, Tankinhalt 45 l, Eigengewicht 970 kg, max. zul. Gesamtgewicht 1500 kg, max. zul. Anhänge-Last 900 kg, Kofferraumvolumen (VDA-Norm) 295-979 l

VERBRAUCH (ROZ 95):
Norm (Stadt/außerorts/ Mix) 7,9/4,7/5,9 l, Testverbrauch 7,7 l/100 km, CO2-Ausstoß (Norm/Test) 139/179 g/km, Reichweite (bis Tankres.) 530 km

FAHRLEISTUNGEN:
Werksangaben: 0-100 km/h 9,9 sec, Spitze 193 km/h
ALLES AUTO-Messwerte: 0-80 km/h 7,3 sec, 0-100 km/h 11,0 sec, 60-100 km/h (im 4. Gang) 11,1 sec, 80-120 km/h (im 4. Gang) 11,7 sec

WARTUNG:
Service/Ölwechsel alle 20.000 Kilometer bzw. jährlich

GARANTIE:
4 Jahre Fahrzeug-Garantie (maximal 80.000 Kilometer), 2 Jahre Lack-Garantie, 12 Jahre Garantie gegen Durchrosten, 2 Jahre Mobilitätsgarantie (bei vorschriftsmäßiger Wartung)

PREIS UND AUSSTATTUNG:
Basispreis 3tg: EUR 17.150,-
Serienausstattung: Front- und vordere Seitenairbags, Fahrer-Knieairbag, ABS, fünf Dreipunktgurte (vorne mit Gurtstraffern und -kraftbegrenzern), vier Kopfstützen, Isofix, Klimaanlage, MP3-fähiges CD-Radio mit 4 LS und AUX-Anschluss, Bordcomputer, el. verstell- und beheizbare Außenspiegel, E-Fensterheber, Lederlenkrad, Fahrersitz höhenverstellbar, Fondlehne 2:1 umlegbar, Nebelscheinwerfer, Aluräder, Sportfahrwerk, FB-Zentralsperre etc.
Extras: City-Paket (Einparkhilfe h, Außenspiegel el. klappbar) EUR 387,-, Design-Paket Sport (17-Zoll-Aluräder, getönte Seitenscheiben) EUR 336,-, Comfort-Paket Medium (Klimaautomatik, Bluetooth-Schnittstelle etc.) EUR 540,-, Comfort-Paket Deluxe (Klimaautomatik, Bluetooth- und USB-Schnittstelle) EUR 612,-, Sicherheits-Paket (Regensensor, aut. abblendender Innenspiegel, el. heizbare Frontscheibe, Tempomat) EUR 448,-, durchgehende Kopfairbags EUR 428,-, ESP EUR 561,-, Bluetooth-Schnittstelle EUR 336,-, mittlere Fond-Kopfstütze EUR 82,-, Klimaautomatik EUR 398,-, Außenspiegel el. klappbar EUR 61,-, el. beheizbare Frontscheibe EUR 204,-, Regensensor inkl. aut. abblendendem Innenspiegel EUR 173,-, Tempomat EUR 245,-, Einparkhilfe h EUR 428,-, Lederpolsterung inkl. Sitzheizung v EUR 1631,-, Sitzheizung v EUR 224,-, Metallic-Lack EUR 387,-, getönte Seitenscheiben EUR 153,-, Radio-Navigationssystem (als Zubehör) EUR 799,- etc.


Fotos: Robert May

Diesen Test finden Sie in ALLES AUTO 11/2008

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