Formel 1 2017. So schauts aus!

28. Februar 2017
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Aktuelles

Nach dem finalen Präsentationswochenende vor den ersten Tests in Barcelona kennen wir endlich die Designs aller F1-Autos für die Saison 2017/18 – außer, es geschieht noch ein Wunder und Manor schafft es doch noch irgendwie, Investoren zu finden. Für dieses Jahr wurden uns die aggressivsten Boliden der Formel 1 Geschichte versprochen! Die extreme Breite, gepaart mit dank der neuen Aerodynamikregeln extrem hohem Abtrieb, sollen Kurvengeschwindigkeiten erlauben, bei denen jeder untrainierte Mensch nur noch Sternchen sieht. Resultat: Die Autos werden bis zu 5 Sekunden pro Runde schneller sein als zuvor. Aber haben wir wirklich bekommen, was uns versprochen wurde?

Nun ja, die Hersteller haben zwar das Rad nicht neu erfunden, erfreuen uns aber mit frischen Designs. Gehen wir diese mal von vorne nach hinten durch: Die gepfeilte Optik, oder auch Deltaform, des Frontflügels wirkt bei jedem Auto sehr dynamisch und sorgt für das notwendige Überholprestige. Die Nasen der neuen Arbeitsgeräte von Hamilton & Co haben wir allerdings eleganter in Erinnerung.

Nur Mercedes und Toro Rosso haben eine schlichte Nase. Die anderen Rennställe setzen, ähnlich wie 2013, auf kleine „Zapfen“. Dabei sind vor allem Force India und Red Bull hervorzuheben: Ersterer will mit seiner Nasenspitze wohl seine Männlichkeit beweisen, Zweiterer hat in seinem Boliden ein Nasenloch gegönnt. Wenn es um die Verbindung von Nase und Frontspoiler geht, tut sich McLaren dann mit Eigenständigkeit hervor und bringt eine eigenwillig perforierte, fast organisch wirkende Lösung zum Einsatz. Bei der Linie der Fahrzeuge sind sich die meisten Hersteller einig. Diese ist klar und schnörkellos. Lediglich Force India tanzt hier wieder aus der Reihe und zeigt einen unschönen Buckel. Möglich wäre aber auch, dass die Inder einen besonderen S-Schacht entwickelt haben und diesen einfach noch nicht zeigen wollen.

Ein zentrales Designelement der 2017er Autos sind natürlich auch die Reifen, die wie in den letzten Jahren von Pirelli kommen. Diese haben heuer eine Reifnitz-taugliche Breite von 305 Millimetern an der Vorder- und 405 Millimetern an der Hinterachse. Spannend wird es wieder bei den Designs der Seitenkästen. Hier sticht vor allem Ferrari mit extravaganten, waagerechten und im direkten Vergleich eher kleinen Öffnungen hervor. Einheitlich vergrößert haben sich beim kompletten Startfeld die Bargeboards, also die Leitbleche vor den Seitenkästen wie auch die Airbox. Dahinter feiert die Heckfinne ein Revival. Bis auf den Mercedes kommt sie bei jedem Team zum Einsatz – stets mit darauf montiertem Spoiler.

Apropos „Spoiler“: Mercedes hat sich aufgrund seines dezenten Heckdesigns für eine umso auffälligere T-Lösung entschieden, die etwas an die Stromabnehmer der E-Busse in so mancher Innenstadt erinnert. Sei’s drum. Irgendwie sieht auch das noch gut aus … wie alle Boliden der Saison. Immerhin sorgt der bei allen Teams niedrige Heckspoiler für eine gestrecktere Linie und lässt die Hecks bulliger und breiter wirken. Das wird insbesondere die Hinterbänkler freuen, werden sie doch oft nicht mehr als die Rückseite von Mercedes und Co sehen.

Diese ganzen Aerodynamikänderungen, so toll sie auch sein mögen, kommen aber nicht ohne die passende Lackierung zur Geltung. Traditionalisten dürften sich dabei vor allem über den neuen McLaren freuen, der wie früher in Orange Lackiert ist. Auch Sauber hat sich von dem Design der letzten Saison verabschiedet und taucht seinen Boliden in ein sehr geschmackvolles blau-weiß-goldenes Kleid. Eine Überraschung war auch die Präsentation des neuen Toro Rosso. Dieser ist nun erstmalig auf den ersten Blick vom großen Bruder Red Bull zu unterscheiden und strahlt in Blau und Chrom.

Der Toro Rosso ist sofort als solcher zu erkennen. Die Verwechslungen mit den Red Bulls gehören der Vergangenheit an

Renault setzt auf einen höheren Schwarzanteil und Williams hebt die umstrittene Heckfinne mit seinen Martini-Streifen stark hervor. Die restlichen Teams setzen Bodypaint-mäßig mehr auf Evolution statt auf Revolution.

Um zum Schluss noch mal zur Anfangsfrage zurückzukommen: Haben wir wirklich bekommen, was uns versprochen wurde?

Zum Teil ja. Die Autos sehen deutlich aggressiver und dynamischer als in den Vorsaisonen aus und werden vermutlich einige Uralt-Rekorde, die teilweise seit 2004 bestehen, brechen. Schnell werden die Wagen in jedem Fall sein. Ob wir am Ende dann aber auch wirklich mehr Action geboten bekommen, hängt maßgeblich vom neuen Regelwerk ab. Dieses lässt allerdings noch auf sich warten. Da das momentane Geschehen in der Formel 1 aber nach „auf zu neuen Ufern“ schreit, könnten die Motorsportfans sich bestimmt auf viel Positives in der Saison 2017 freuen.

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