Im November 2026 gastiert die Formel 1 zum vierten Mal in Las Vegas. Wir liefern einen Rückblick.
Am späten Abend des 22. November 2025 scheiterten beide McLaren Formel 1-Rennwagen an der technischen Nachkontrolle des Großen Preises von Las Vegas. Lando Norris und Oscar Piastri verloren ihre Plätze nachträglich, weil die Bodenplatten ihrer MCL39 zwischen 8,74 und 8,96 Millimeter gemessen wurden. Die regulatorische Mindestdicke liegt jedoch bei neun Millimetern. Der Sieg ging an Max Verstappen, der mit dem Red Bull Racing RB21 nach 1:21:08,429 ins Ziel kam. Die schnellste Runde fuhr er in 1:33,365 und stellte damit einen neuen Streckenrekord auf. Hinter ihm fuhren George Russell und Andrea Kimi Antonelli auf das Podium, beide im Mercedes.
Drei Rennjahre liegen damit hinter dem Las Vegas Strip Circuit. Genug, um den Streckencharakter zu beurteilen, die wirtschaftliche Bedeutung des Wochenendes einzuschätzen und einzuordnen, warum dieses Rennen 41 Jahre nach dem letzten F1-Auftritt in der Stadt überhaupt zurückgekehrt ist.
Was Carsten Tilke der Stadt abringen musste
Verantwortlich für das Layout zeichnet Carsten Tilke vom deutschen Architekturbüro Tilke Engineers & Architects. Der promovierte Ingenieur, seit 2015 Managing Partner im Familienunternehmen, brachte das Vegas-Projekt zwischen 2022 und 2023 ins Ziel. Der Auftrag gestaltete sich heikel, weil die Strecke buchstäblich durch das Tagesgeschäft der Stadt führt.
Die Hotelgäste von Bellagio, Caesars Palace und Venetian müssen während des Rennwochenendes weiter ein- und auschecken können, Notarztfahrzeuge brauchen Zufahrtsrouten, weshalb der Strip sich nicht so einfach abriegeln lässt. Die Formel 1 hat das Recht auf die Straßennutzung über zehn Jahre gepachtet und ein ehemaliges Parkplatzgrundstück für 240 Millionen US-Dollar gekauft, auf dem heute unter anderem Boxengasse und Paddock stehen.
8,8 Milliarden Dollar Umsatz jenseits der Strecke
Die Strecke führt vorbei an Bellagio, Caesars Palace, Venetian, Paris Las Vegas, Cosmopolitan und Planet Hollywood. Sechs Casino-Adressen, deren Geschäftsmodell den Rennverlauf flankiert. 2025 setzten die Casinos am Strip 8,8 Milliarden US-Dollar Bruttospielertrag um, ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr, trotz eines Tourismusrückgangs der Stadt um 7,5 Prozent.
Das Spielangebot am Strip ist Teil des Erlebnisses und gehört zum Flair von Las Vegas. Tischspiele und Slots dort haben Auszahlungsraten unterhalb dessen, was im regulierten europäischen Online-Markt üblich ist. Seriöse Casinos, die eine hohe Auszahlung auf casino.org/de-at/ oder ähnlichen Vergleichsportalen bieten, sind deswegen selbst bei einigen Besuchern deutlich beliebter. Die Diskrepanz erklärt sich aus den höheren Betriebskosten der Strip-Resorts und dem Charakter des Geschäfts vor Ort. Spieler bezahlen also die Atmosphäre indirekt über die Auszahlungsquote mit.
Der Grand Prix selbst hat im ersten Jahr 2023 nach Berechnungen der lokalen Tourismusbehörde rund 1,5 Milliarden Dollar in die regionale Wirtschaft gespült. 2025 zog das Rennwochenende noch immer rund 300.000 internationale Gäste in die Stadt, obwohl die Hotelpreise gegenüber 2024 um 23,9 Prozent gefallen waren. Mandalay Bay, MGM Grand und das Hilton in Resorts World boten in der Rennwoche Übernachtungen von teilweise unter 100 Dollar an.
Drei Saisonen, drei Geschichten
Die Premiere am 18. November 2023 brachte zugleich das erste Strecken-Fiasko. Carlos Sainz fuhr im ersten Freien Training über einen losen Kanaldeckel; Monocoque, Verbrenner und Batterie seines Ferrari SF-23 wurden derart beschädigt, dass das Team eine dritte Energiespeichereinheit einsetzen musste. Diese Maßnahme war laut Reglement inkorrekt und hatte daher eine Rückversetzung am Start um zehn Plätze zur Folge.
Obwohl Sainz und Ferrari nichts dafür konnten, hielten die Stewards an ihrer Entscheidung fest. Nebenbei erklärten sie, dass sie eine Ausnahme gewährt hätten, wenn das Reglement sie dazu befugt hätte. Lando Norris verunfallte in der dritten Runde des Rennens und wurde zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht. Verstappen gewann trotz Fünf-Sekunden-Strafe wegen einer Berührung mit Charles Leclerc in Kurve eins. Sergio Perez fuhr auf Rang drei und fixierte damit seinen Vize-Weltmeistertitel hinter Max Verstappen.
Im Folgejahr 2024 dominierte Mercedes am 23. November 2024 sämtliche Sessions. George Russell holte die Pole-Position, fuhr von dort durch und gewann vor Lewis Hamilton, der von Startplatz zehn auf Platz zwei aufgerückt war und somit den ersten Mercedes-Doppelsieg seit dem Großen Preis von São Paulo 2022 sicherte.
Verstappen kam als Fünfter ins Ziel, und erreichte damit exakt das Resultat, das ihm ausreichte, um seinen vierten Fahrertitel in Folge zu holen. Statistisch zog er damit mit Alain Prost und Sebastian Vettel gleich.
Das Rennen 2025 lieferte eine eindrucksvolle technische Lehrstunde. Beide McLaren-Werkswagen, Norris von der Pole im regennassen Qualifying, Piastri von Rang fünf, hatten das Ziel als Zweiter und Vierter erreicht, bevor die Nachkontrolle alles über den Haufen warf.
McLaren-Teamchef Andrea Stella erklärte später, ein unerwartetes Porpoising (dabei zeigt das Auto bei hohen Geschwindigkeiten auf Geraden heftige Auf- und Abbewegungen) habe in Kombination mit verkürzten Trainings zu erhöhter Abnützung der Skid Blocks an den Bodenplatten geführt. Das zweite Freie Training musste zwei Mal wegen wieder einmal loser Kanaldeckel abgebrochen worden und das dritte fand auf nasser Strecke statt.
Norris senkte zwar in den Schlussrunden seinen Topspeed um bis zu 40 km/h, um die Messung am Skid Block zu retten, dennoch war die Abnützung der Titanplatte am Ende zu hoch. Russell und Antonelli rückten daraufhin aufs Podium nach, Verstappen schloss in der WM-Wertung zu Piastri auf, was seine Hoffnungen auf den fünften Titel in Folge erhöhte. Dass es am Ende doch nicht reichen und er gegen den neuen Weltmeister Lando Norris um zwei Punkte den Kürzeren ziehen würde, wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Foto: Red Bull Content Pool
