Glavitzas Gschichtln – Autostunts für James Bond

12. Mai 2020
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Feature

Ich war schon immer anders. Ob in der Kindheit, Jugend oder frühen Adoleszenz – der Übergang ins gesetzte, seriöse Mannesalter traf bei mir mit großer Verzögerung ein. Anders ist es für meine Umwelt, besonders für meine Mutter, nicht erklärbar, dass ich auf die Frage, ob ich in der Lage wäre, ein Auto zu überschlagen, knapp antwortete: „Wie oft wollen Sie’s?“. Diese schicksalsschwere, weil mein Leben total verändernde Frage stellte mir im Sommer 1968 ein Hamburger mit Kasernenhof-Stimme namens Hubert Fröhlich, seines Zeichens Produktionsleiter diverser Filmwerke wie „Gesprengte Ketten“ oder James Bond-Streifen.

Er schien von meiner Antwort dermaßen überrascht, dass er mich vom Fleck weg für die neueste Ian Fleming-Kreation „James Bond 007 – Im Geheim­dienst Ihrer Majestät“ engagierte – und mich über Nacht zum (Schilling-)Millionär machte. Natürlich stand im Mittelpunkt der automobile Überschlag – aber das viele Geld bekam ich eigentlich aus einem ganz anderen Grund. Man hatte in Mürren, nahe der Eiger Nordwand, eine ganze Horde der weltbesten Stuntmen, auf die Künste eines Kapfenbergers wartete dort eigentlich niemand. Warum die Glückskugel aber gerade in meinem Feld Halt mach­te, kam nicht von ungefähr: Denn nach den Kosten gefragt, ant­wortete ich Herrn Fröhlich, ohne lange darüber nachzudenken: 1000 englische Pfund pro Auto und Woche. Und da hatte ich die weltbe­rühmten Stunt-Agenturen an den „Balls“ – denn die wollten ein dichtes Vertragsgeflecht mit getrennten Hotelspesen, Versicherungen und vieles mehr. Während der Glavitza schnell eine Antwort parat hatte: all inclusive!

Fröhlich wollte die Kosten-Sorgen einfach loshaben, und allein aus diesem Grunde hatte ich den Vertrag. Aus ursprünglich fünf Autos wurden später fünfundzwanzig und aus zwei Wochen deren fünf. Alle Fahrzeuge mussten „Bond-gerecht“ in voller Farbe hergerichtet werden, dazu kamen dann noch die Planung und Fertigung der Eisrennbahn, auf der die Auto-Verfolgungsjagd in Szene gehen sollte,  sowie die Bauaufsicht. Also eine Menge Klein- und Großarbeit, die mich fast ein halbes Jahr auf Trab hielt. Als im Februar 1969 alles vorbei war, spazierte ich vollbepackt mit Geldbündeln zur nächsten Schweizer Bank und eröffnete ein fettes Konto.

Die Überschläge selbst waren eher eine matte Sache für einen g’führigen Ober­stei­rer. Für den ersten Knaller ließ ich einen Holzbalken quer zur Kurve eins platzieren – der hat dann für den „Roll over“ das Vorderrad aus der Aufhängung gerissen. Für den zweiten ließ ich hinter der Holzbande der Rennbahn einen Eiskeil anfrieren. Als ich mit der Front des Autos die Bande durchbrach, verlieh der Keil dem rechten Vorderrad das entscheidende Drehmoment um die Längsachse und rollte den betagten Mercedes 220 aufs Dach.

Das Ganze war für uns eine riesige Gaudi, und auch die Hauptdarstellerin Diana Rigg als „Tracy“ hatte viel Spaß mit uns. Als ich sie in die Winterfahrkünste mit dem schweren Ford Mercury Cougar ein­wei­hen wollte, hatte sie am blanken Eis und vor allem wegen ihrer High Heels Probleme. Nachdem mehrere Startversuche misslungen waren, rief sie: „Eric, Sweetie, please help, I can’t get off.“ Was im Englischen durchaus auch anders ausgelegt werden kann…

Fotos: Archiv Glavitza

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