Glavitzas Gschichtln – Jochen Rindt und das blonde Model

10. April 2020
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Anno 1966 organisierte Porsche Salzburg ein österreichisches Team mit Jochen Rindt, Michael Walleczek und Günther Huber, um mit 1200 ccm-VW-Motoren gemäß US-Reglement im Rahmen der „Bahamas Speed Week“ bei einem Formel V-Rennen (sprich: Formel Vau) zu starten. Jochen nahm seine damalige (und für seine Begriffe) ständige Begleiterin mit, ein hübsches blondes Wiener Fotomodell.

Der Tiroler Wolfgang Marsoner organisierte nicht nur den Ausflug des öster­reichi­schen Teams, sondern überwachte auch Anstand und Moral der Truppe. Damals waren Flüge selten, weil unglaublich teuer und nach Amerika überhaupt eine Sensation. Die Österreicher benahmen sich auf den Bahamas anständig und verbliesen die Amis, dass es eine Freude war. Rindt gewann vor Huber und Walleczek.

Zufrieden und mit vielen Gschichtln zum Erzählen kam das Team nach dem Baha­mas-Abenteuer wieder nach Hause. Berichtet wurde damals üblicherweise zuerst einmal im berühmten „Maxingstüberl“ in Wien Hietzing. Dort hatte sich stets das Benzinvolk der Welt getroffen – selbst Jackie Stewart, Graham Hill und Jim Clark erfreuten sich in der Maxingstraße schon an Wiener Gulasch-Köstlichkeiten. Wolfgang Marsoner hatte aus den USA die modische Sensation, bunte Wollsocken, mitgebracht und am Wirthaustisch zum Anfassen aufgelegt. Wien hatte es zu dieser Zeit noch nicht weiter als zu schwarzen Nylonstrümpfen gebracht. Spitzengespräch war natürlich das Paar Jochen und seine Freundin. Rindt war eher als Sparefroh stadt­bekannt, und so stellte sich die Frage, ob Jochen die Kosten seiner blonden Maid allein getragen hatte oder nicht – denn er streute das Gerücht, dass Porsche Salzburg sich nicht nur um sein leibliches Wohl gekümmert hatte, sondern auch seiner Begleiterin den sonnigen Urlaub auf den Bahamas gezahlt hatte.

Die Diskussion wogte anfangs hin und her. Bis Wolfgang Marsoner, Chef des Baha­mas-Abenteuers, den Gerüchten ein jähes Ende bereitete und – wie in Wien bei solchen Situationen üblich „Ich sag’s nur dir, sonst niemand“ – dem Edel­schreiber Gösta Zwilling die Wahrheit verkündete: Porsche Salzburg bezahlte keinen Groschen (heute Cent)! Gösta rang minutenlang nach Luft. Die Nachricht hatte schließlich die Bedeutung, als wäre die Dritte Republik ausgerufen worden. Nachdem sich Gösta drei rote Spritzer bestellt und rasch geleert hatte, stürzte er, noch immer nach Luft ringend, in die Redaktion, um im „Neuen Österreich“ wortwörtlich zu verkünden: Porsche bezahlte für Jochens Mädel keinen Groschen – Jochen brannte wie ein Luster!

Rindt brannte nun nicht nur wegen der Freundin, sondern vor Wut, und er raste zu Dr. Friedl Witschka, seinen Hof-Rechtsverdreher am Modenapark, und verklagte Gösta und das „Neue Österreich“. Allein die Klage kam zu spät: Das „Neue Österreich“ hatte gerade den Betrieb eingestellt.

Foto: The Chicane

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