Glavitzas Gschichtln – Zwei für ein Halleluja

2. Juni 2022
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Feature

Mein Partner Peter Huber und ich hatten uns Ende der 60er-Jahre zwar nicht wie Terence Hill und Bud Spencer aufgeführt, aber viel hatte nicht gefehlt. Wer uns damals auch nur in die Nähe kam, war nahe daran, es nachher bitter zu bereuen. Inzwischen sind wir wie die meisten unserer Jahrgänge müder und vor allem ruhiger geworden – im hohen ­Alter auch harmloser. Doch ein Schwank unseres dama­ligen zügellosen Treibens ist mir bis heute in Erinnerung ­geblieben.

Es hatte während eines der üblichen Heurigenbesuche beim „Welser“ im erweiterten Kreise der Stuppacher-Gang be­gonnen. Ottos Stuppachers mächtige Mutter, die „Frau Com­mendatore“, hatte zu einem Festl geladen. Als sie Peter ­Huber bemerkte, kommentierte sie sofort dessen frommes, stets unschuldiges Gehabe – während sie von mir nicht ­einmal Notiz nahm. Und als sie gerade Peter mit Lob und Preisung überschüttete, sagte ihr Sohnemann: »Pass jo auf, wennst di umdrahst, schneid’ er G’sichter!«

Die illustre Runde brüllte vor Lachen – Peter aber blieb wie immer gelassen und holte zum Gegenschlag aus: Er ­fragte Otto, ob er nicht so nett wäre und ihn einmal seinen Mercedes-Kleinlaster kurz probefahren ließe, wir wären ge­rade auf der Suche nach einem Transporter für unsere ­Rennwagen. Otto roch irgendwie den Braten und murmelte was von »Jo, zehn Minuten, oba ned mehr.« Frau Commen­datore unterbrach ihren Sohn brüsk und bestimmte: »Klar, mein ­lieber Peter – mach ruhig eine Probefahrt. Und wennst das Auto kaufen willst, kommst zu mir – ich mach dir einen guten Preis.«

Wir holten am nächsten Tag den Wagen vom Modenapark und fuhren „Probe“ – zunächst nach Bruck an der Mur, luden den Renn-Escort auf, und weil’s grad so lustig war, gleich weiter bis England. Zuerst nach Boreham zum „Ford Compe­tition Center“, da wir vom Ford Austria-Sportboss Sternbach die Bewilligung bekamen, ein paar wenige Ersatzteile aus­zusuchen. Das hatte der Ford-Mann an der Budel falsch ­verstanden, denn er gab uns grünes Licht für mehr als nur ein „paar wenige Ersatzteile“ – also luden wir so viele auf, wie der schwer geprüfte Kleinlaster gerade noch derschnaufen konnte. Von außen sah es aus, als würden die Räder an den Kotflügeln kleben.

Von Boreham ging es dann weiter zum Mallory Park, immerhin in der Nähe von Leicester, also nicht gerade ums Eck von London. Gott strafte uns dann mit einer explodierten Schwungscheibe – doch wir hatten sicherheitshalber ­ohnehin gleich einen ganzen Ersatzmotor von Boreham mitgehen lassen, also hielt sich der Schaden in Grenzen. Zuhause angekommen, übergaben wir den wohlgetesteten ­Laster Otto Stuppachers Mechaniker Pollak, eine Wiener Schwarzenegger-­Kopie, und verabschiedeten uns knapp: »Der Wagen ist ned wirklich ideal, wir suchen ­eigentlich was ­anderes.« Otto blieb uns trotzdem bis an sein frühes Ende in den Neun­zigern gewogen. ■

Foto: Archiv Glavitza

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