Im Rückspiegel: Heute vor zehn Jahren

10. Juni 2016
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Feature

Was bei Alles Auto vor allem passiert, ist hinlänglich bekannt: Wir testen Autos. Alle. Und wir bringen auch alles über alle, daher heißen wir ja Alles Auto. Das war schon immer so, doch gleichzeitig drängt sich die Frage auf: Hatten wir auch immer recht? Ein Auto zu bewerten, ist zum Teil ja doch immer eine subjektive Disziplin – kann man also jemals falsch liegen? Das Ganze ist also gar nicht so einfach, und genau deswegen riskierte die Redaktion vor zehn Jahren ein Experiment: Kein Lauftext, sondern nur die Wertungskapitel, um nur mehr Fakten sprechen zu lassen. Aber hat das funktioniert?

#2Da gab es zum Beispiel den Suzuki SX4 Streetline. Streetline, das war so etwas wie die Zivilversion, die rein über Frontantrieb verfügte. Für diese Information musste der Vorspann reichen, es gab ja wie gesagt keinen Text mehr. Eindeutige Aussagen dafür beim Fahrwerk: „Straff abgestimmt, wenig Komfort, arbeitet stoßig.“ In diesem Bereich haben die Japaner in den letzten Jahren jedenfalls gehörig dazu gelernt.

Und Sätze wie „Der 1600er-Benziner arbeitet laut und wird erst bei hohen Drehzahlen munter“ zeigt unmissverständlich, dass Benziner damals einfach unmöglich waren – und nicht grundlos jeder zu einem Diesel griff. Schade übrigens, dass keiner ein Wort über die Radkappen verlor. Aber halt – das wäre schon wieder zu persönlich gewesen.

#ADiesel, oh ja, das war seinerzeit einfach das Maß der Dinge. Heute eh auch noch, aber nicht mehr so unantastbar wie damals. Feinstaub? CO2? Cheating device? Kinder, was soll das alles, gebt einfach Gas mit Eurem Ölofen. Zum Beispiel mit dem brandneuen Golf GT TDI DSG. Was sich so stotternd anhört wie der hoffnungslose Anstartversuch eines alten Vorkammerdiesels, war die Bezeichnung des damals schnellsten Selbstzündergolf. Der GTD ließ noch auf sich warten, wir befanden dafür, dass der erstmalige Common-Rail-VW-Murl „gut gedämmt ans Werk geht. Das Turboloch ist größer als bei den schwächeren Versionen.“ Logisch – gleich viel Hubraum, größerer Turbo, das kann nicht gut gehen. Resümee: „Souverän motorisierter, wenn auch nicht billiger Kompaktsportler.“ Ein Urteil, das sich bis heute auf praktisch jeden Sportgolf anwenden ließe.

Aufmacher

Ja und dann gab es noch diesen hier: Den Volvo V50 D5. Rückblickend ein erstaunliches Auto, denn die Schweden kombinierten das kleine Kastl mit geräumigem Kombi-Heck und dem beliebten Fünfzylinder-Diesel. Der verschwand zwar unter einer furchtbar faden Plastikabdeckung, aber er verhalf dem Autor im Rahmen der nüchternen Kapitel-Formulierungen schon fast zu literarischen Höhenflügen: „Das Turboloch ist ausgeprägt, eine Anfahrschwäche obligat. DetailMotor

Ist der Lader aber in Schwung, pfeifft er unüberhörbar und baut üppig Drehmoment auf.“ Turboloch, Anfahrschwäche, stimmte sicher alles, und es stimmt auch heute noch. Dafür werden Automatik-Getriebe heute kaum mehr mit „weich schaltend, dämmt aber das Temperament“ bewertet. Cool auch die Marktübersicht: Als Konkurrenten werden Jaguar X-Type und Alfa 159 angeführt – beides Modelle, die es heute Gott sei Dank nicht mehr gibt. Aber mittlerweile über recht interessante Nachfolger verfügen. Im Vergleich zum V50. Der kommt nie wieder. Genau so wie der Fünfzylinder.

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