Jeep Grand Cherokee 3,1 TD Limited

9. Juli 2001
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Jeep
Klasse:Geländewagen/SUV
Antrieb:Allrad
Treibstoff:Diesel
Leistung:141 PS
Testverbrauch:12,9 l/100km
Modelljahr:2000
Grundpreis:55.035 Euro

Mächtig Eindruck hat der neue Jeep Grand Cherokee 4,7 beim großen Test in Heft 4/98 mit seiner brutalen Beschleunigung hinterlassen. Dafür verantwortlich: 220 PS und 390 Nm. Jetzt ist der Diesel dran, der zwar nur” 141 PS hat, aber mit 384 Nm praktisch dasselbe Drehoment wie der Top-Benziner. Und was viel wichtiger ist (nicht nur offroad): Es liegt bei deutlich tieferen Touren an.
Beim Biss ist der 3,1-Liter-Turbodiesel aber nicht mit dem V8 zu vergleichen, Schuld daran trägt auch die längere Übersetzung der unteren Gänge. Störender als mangelnde Sprintstärke: der Verzicht auf Direkteinspritzung. Damit wäre noch mehr Drehoment drin gewesen – und mit Sicherheit ein günstigerer Verbrauch. Vielleicht auch eine gepflegtere Sound-Kulisse, dem brummigen Fünfzylinder kann man allenfalls positiv nachsagen, dass er kalt kaum lauter ist als warm.
Im Gelände bewegt sich der Cherokee kompetent, eine zuschaltbare Getriebereduktion und automatische Differenzialsperren – damit kommt man selbst dann vorwärts, wenn nur ein einziges Rad Grip hat – bringen mehr Kraxel-Talent als etwa ein M-Mercedes hat. Doch der vom selben Band in Graz laufende Konzern-Bruder hat seit neuestem ein heißes Eisen im Feuer, nämlich einen Fünfzylinder-Common-Rail-Diesel. Nein, der ML 270 CDI bietet keine so lückenlose Ausstattung wie der Limited-Cherokee. Doch mehr Leistung, mehr Drehmoment, geringerer Verbrauch, die moderne Fünfgang-Automatik, bessere Crashtest-Ergebnisse und – Überraschung – der niedrigere Preis bringen den Stern zum Strahlen.

TECHNIK
5-Zylinder-Reihe, Turbo, 3125 ccm, 103 kW (141 PS) bei 3600/min, max. Drehmoment 384 Nm bei 1800 /min, Viergang-Automatik, perm. Allradantrieb (mit zuschaltb. Geländereduktion), vorne: Längslenker, Panhardstab, hinten: untere Längslenker, oberer Dreieckslenker, vorne und hinten: Starrachse, Stabilisator, Schraubenfedern, Gasdruckdämpfer, Scheibenbremsen v/h (v bel.), ABS, L/B/H 4613/
1845/1762 mm, Radstand 2690 mm, 5 Sitze, Wendekreis (Spur) 11,4 m, Servo, Reifendimension 245/70 R 16, Tankinhalt 78 l, Reichweite (bis Tankreserve) 490 km, Kofferraumvol. 1105-2045 l, Leergewicht 1898 kg, zul. Gesamtgewicht 2505 kg, 0-100 km/h 14,0 sec, Spitze 170 km/h, CO2-Emission 308 g/km, Normverbrauch (Stadt/außerorts/Mix) 14,5/9,7/11,7 I, Testverbr. 12,9 l Diesel
Preis: S 753.900,-

FAHREN & FÜHLEN
Der Fünfzylinder-Turbodiesel: langes Vorglühen, bullig, nicht spritzig, unüberhörbares (sonores) Brummen, Laufruhe bestenfalls Durchschnitt. Lenkung: zäh, nicht gerade leichtgängig, ausreichend direkt, unexakt um die Mitte. Die Automatik schaltet schnell und spontan (fallweise nervös), doch nicht sehr sanft. Offroad-kompetent dank Dauer-4×4, Getriebe-Reduktion und automatischer Differenzialsperren. Bremsen: nicht sehr fein zu dosieren, kräftig, leicht fading-anfällig. Das Starrachsen-Fahrwerk: straff, ausreichend komfortabel, Filter- und Spurstabilitäts-Schwächen bei Querfugen. Neutral bis untersteuernd in der Kurve. Sitze: weich, eher klein dimensioniert, geringer Verstell-Bereich.

PLATZ & NUTZ
Generell genug Platz auf allen Sitzen, Knieraum hinten leidlich, Ellbogen-Freiheit vorne nur zur Mitte hin üppig. Durchaus geräumiges, gut nutzbares Kofferabteil mit hoher Ladekante. Praktisch: Zusätzliche 12V-Steckdose, acht Verzurrösen, Gepäcknetz, Dachreling mit verschiebbaren Querträgern, Heckscheibe separat zu öffnen, Rückbank 60:40 umlegbar (ebene Fläche). Weitere Pluspunkte: keine Ergonomie-Patzer, Memory für Sitz- und Außenspiegel-Position sowie Radiosender. Übersicht OK, One-Touch nur fürs Fahrer-Fenster-Absenken, Tankdeckel extra zu sperren.

DRAN & DRIN
Üppigst, die Limited-Version – Highlights: Leder, Klimaautomatik, beheizbare E-Sitze, Hifi-Anlage mit CD-Wechsler und Lenkrad-FB, Alarm, elektr. beheiz-, verstell- und anklappbare Außenspiegel, Tempomat u.v.m. Extras: E-Schiebedach, Metallic, getönte Fond-Schieben. Ordentliche Verarbeitung, gefälliges Design, hochwertig wirkende Materialien, nur mit Automatik erhältlich.

SICHER & GRÜN
Sicherheits-Paket: Fahrer- und Beifahrer-Airbag, ABS, vier höhenverstellbare Dreipunktgurte mit Gurtkraftbegrenzern, vier Kopfstützen (reichen vorne nur bis 1,70 m Körpergröße, hinten gar nur bis 1,60 m). Kein vollständiger Wasserbasislack-Einsatz, kein Verbrauchs-Hit.

PREIS & WERT
Billiger als Range Rover, Puch G und Toyota Landcruiser 100, teurer als Mercedes M und Nissan Patrol. Jeep-Plus: Top-Ausstattung (in der gar nicht ärmlichen Laredo-Version übrigens um 60 Tausender günstiger), Garantie (inkl. Mobilität) drei Jahre bzw. 60.000 km (100.000 gegen Aufpreis). Werthaltung Durchschnitt, kurzes Inspektions–Intervall (10.000 km).

ALLES-AUTO-TESTURTEIL:
Der große Diesel-Cherokee: bullig, aber nicht billig, offroad-kompetent, aber kein Komfort-Talent.”