Kia Cerato 2,0 CRDi Luxury

24. September 2005
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Kia
Klasse:Kompaktwagen
Antrieb:Vorderrad
Treibstoff:Diesel
Leistung:112 PS
Testverbrauch:6,5 l/100km
Modelljahr:2004
Grundpreis:18.590 Euro

Koreanischer Neuzugang in der Kompaktklasse: Kia Cerato, hier als Viertürer

Nach dem sympathisch-frechen Picanto, der ja den Vergleich der günstigen Kleinen in Heft 6/2004 gewinnen konnte, präsentierte Kia kürzlich die neue Kompakt-Limousine Cerato. Erhältlich als Vier- und Fünftürer, mit einem 1,6 Liter-Benziner (105 PS) oder dem schon aus dem Kompakt-van-Bruder Carens bekannten Zweiliter-Diesel mit 112 PS. Ab November kommen dann noch ein Zweiliter-Benziner (143 PS) und ein komplett neuer 1,5-Liter-Diesel (102 PS) dazu. Kia sieht den Cerato als Nachfolger des wenig erfolgreichen Shuma sowie – vollmundig – als Alternative zu Golf, Astra & Co.
Ganz neu ist der Cerato nämlich nicht, zumindest was seine Technik betrifft: Er rollt auf der Plattform des drei Jahre alten Schwester-Modells Hyundai Elantra. Und das zeigt sich auch beim Fahren. In Sachen Motoraufhängung und Schalldämmung kann der Cerato mit modernen Kompakten nicht mithalten, zu laut und bei niedrigen Drehzahlen schüttelnd agiert das Diesel-Triebwerk. Auch das hoppelige Fahrwerk entspricht nicht ganz dem heutigen Standard, genauso wie die weichen und nicht wirklich langstrecken-tauglichen Sitze. Wer auf diese Dinge aber weniger Wert legt, kann mit dem neuen Koreaner durchaus glücklich werden. Die Fahrleistungen sind gut, Platz gibt´s mehr als genug, die Bedienung ist einfach. Und spätestens beim Anblick des börsel-schonenden Tarifes rücken Golf, Astra & Co. in weite Ferne.

TECHNIK
R4, 16V, Turbo, 1991 ccm, 82 kW (112 PS) bei 4000/min, max. Drehmoment 245 Nm bei 1800/min, Fünfgang-Getriebe, Vorderradantrieb, vorne: Dreiecksquerlenker, Federbeine, Stabilisator, hinten: Mehrlenkerachse, Schraubenfedern, Teledämpfer, Scheibenbremsen v/h (v bel.), ABS, L/B/H 4480/1735/1470 mm, Radstand 2610 mm, 5 Sitze, Wendekreis 11,3 m, Servo, Reifendimension 185/65 R 15, Tankinhalt 55 l, Reichweite (bis Tankres.) 830 km, Kofferraumvolumen 381 l, Leergewicht 1374 kg, zul. Gesamtgewicht 1840 kg, max. Anh.-Last 1400 kg, 0-100 km/h 11,5 sec, 60-100 km/h (im 4. Gang) 9,2 sec, Spitze 190 km/h, Steuer (jährl.) EUR 382,80, Normverbrauch (Stadt/ außerorts/Mix) 8,2/4,4/5,8 l, Testverbrauch 6,5 l Diesel
Preis: EUR 18.590,-

FAHREN & FÜHLEN
Der unter Last brummig-laute und im unteren Bereich rau rüttelnde Commonrail-Diesel spricht rasch auf Gasbewegungen an und zeigt recht guten Durchzug. Relativ schmales nutzbares Drehzahlband. Schaltung mäßig präzise, zäh und langwegig. Lenkung ausreichend direkt und exakt, allerdings eher schwergängig. Passabler Federungskomfort, auf kurzen Wellen etwas hoppelig. Im Grenzbereich gutmütig, sehr frühes Untersteuern ohne Lastwechsel-Tücken. Gut dosierbare, ausreichend standfeste Bremsen. Sitze sehr weich, Rückgrat- und Schenkel-Unterstützung ungenügend. Einfache Verstellung, aber unbefriedigende Sitzposition durch zu weit entferntes Lenkrad.

PLATZ & NUTZ
Das Platzangebot in der ersten Sitzreihe entspricht dem Klassenschnitt. Im Fond knappe Höhe, aber reichlich Beinraum. Durchschnittlich großes Gepäckabteil, via 2:1 umlegbaren Fondlehnen erweiterbar, kleine Durchlade-Öffnung. Erfreulich: viele praktische Ablagen, klar gegliedertes Cockpit mit großen Rundinstrumenten, Lichtautomatik und Tagfahrlicht-Schaltung. Weniger angenehm: Lenkrad nur höhenverstellbar, großer Wendekreis, Fernbedienung vom Schlüssel getrennt, in Automatik-Stellung zu laut blasende und schlecht regelnde Klima, akustische Gurt-Warnung schon beim Anstecken des Zündschlüssels.

DRAN & DRIN
Die mittlere Version Luxury” bietet u. a. Klimaautomatik, Radiovorbereitung mit 6 LS, FB-Zentralsperre, Alarmanlage, vier E-Fensterheber, beheizbare E-Außenspiegel, Lederlenkrad, Nebelscheinwerfer. Einziges Extra: Metallic-Lack. Klapperfreie Verarbeitung, aber nicht alle Passungen sauber ausgeführt. Leder und größtenteils auch Kunststoffe ansprechend, die Polsterung wirkt etwas billig. Nüchternes, jedoch gefälliges Innen-Design.

SICHER & GRÜN
Serienmäßig: Front-, vordere Seiten- und durchgehende Kopfairbags, ABS, Bremsassistent, Isofix-Halterungen, fünf Dreipunktgurte, fünf höhenverstellbare Kopfstützen (reichen vorne bis 1,85, hinten bis 1,75 Meter). Weder Traktionskontrolle noch Stabilitätsprogramm erhältlich. Umwelt-Check positiv, der Dieselmotor erfüllt allerdings noch nicht Euro IV. Braver Verbrauch.

PREIS & WERT
Ein Blick auf die viertürige Diesel-Konkurrenz: Nur der etwas kleinere und schwächere Seat Cordoba 1,9 TDI liegt preislich auf Cerato-Niveau, alle anderen Mitbewerber sind teils erheblich teurer, so auch Plattform-Bruder Hyundai Elantra. Drei Jahre Fahrzeug- und Mobilitätsgarantie, nur sechs Jahre gegen Durchrosten. Werthaltung ungewiss, Service alle 15.000 Kilometer, dünnes Werkstatt-Netz.

ALLES-AUTO-TESTURTEIL :
Geräumige Kompakt-Limousine, technisch nicht am Letztstand, aber konkurrenzlos günstig.


Foto: Len Vincent

Diesen Test finden Sie in ALLES AUTO 10/2004