Kommende Elektro-Modelle in der Kompakt- und Mittelklasse

17. Dezember 2018
1.453 Views
Aktuelles

Die internationale Tesla-Jagdgesellschaft formiert sich. Im VW-Konzern überlässt man Audi endlich wieder einmal den Vortritt als Technologieträger, zumindest für einige Monate: Der e-tron (siehe auch Fahrvorstellung hier) kommt zunächst als eher konservativ gezeichneter SUV-Crossover, wird aber schon ab 2019 mindestens zwei Ableger zeugen: Der e-tron GT soll in der sportlichen Liga spielen und die kalifornischen Strom-Flitzer auch bei den schieren Fahr- und Leistungsdaten ausbremsen. Der e-tron Sportback als SUV-Shooting Brake wird eher in der Abteilung Lifestyle um Kunden werben, die sich bisher bei BMW und Mercedes zu den Coupé-SUVs hingezogen fühlten.

Den technisch weiteren Schritt innerhalb des Volkswagen-Konzerns unternimmt allerdings VW selbst: Während die e-tron-Familie noch auf einer modifizierten Variante des „Modularen Längsbaukastens“ steht, wird der ID erstmals die ausschließlich für Elektroantriebe entwickelte Plattform MEB verwenden. Die Vorteile liegen unter anderem bei Gewicht und Platzverhältnissen, aber auch in einer neuen Digital-Architektur, die weit leistungsfähigere Assistenz-Systeme bis hin zum autonomen Fahren Level 3, später zumindest theoretisch sogar Level 4 ermöglicht.

ID ist als Name für den kompakten VW-Stromer (ganz links) noch nicht endgültig durch – auch „Neo“, frei nach dem Revoluzzer  aus der Matrix-Trilogie, hat noch Chancen. Vielleicht  nicht ganz falsch: Einige sehen in  ihm das Potenzial, später einmal  den Golf zu entthronen.

ID ist als Name für den kompakten VW-Stromer (ganz links) noch nicht endgültig durch – auch „Neo“, frei nach dem Revoluzzer aus der Matrix-Trilogie, hat noch Chancen. Vielleicht nicht ganz falsch: Einige sehen in ihm das Potenzial, später einmal den Golf zu entthronen.

Dazu kommen erweiterte Optionen, etwa komplett im Head­up-Display angezeigte Ins­tru­mente. Eventuell wird hier sogar bereits erstmals eine vollkommen neue Technik zur Anwendung kommen, bei der die graphische Darstellung nicht mehr gespiegelt wird, sondern direkt in die Frontscheibe integriert ist. Auch amorph ­geformte OLED-Displays auf der Armaturenbrett-Landschaft statt der heute üblichen flachen Bildschirme könnten erstmals in ein Großserien-Modell Einzug halten.

Wie viel aus dem um­fang­rei­chen Pool des technisch Machbaren es tatsächlich in die Serienausstattung oder zumindest die Optionen-Liste schafft, ist allerdings fraglich. Der ID muss auch preislich im Rahmen bleiben, wenn er als echte Elektro-Alternative in der Kompaktklasse erfolgreich sein will – VW strebt an, zumindest den Einstiegspreis auf deutlich unter 30.000 Euro zu kalkulieren.

Nicht zuletzt, weil im kommenden Jahr auch die Neuauflage des wahrscheinlich größten Konkurrenten mit konservativem Antrieb ansteht: Der Golf VIII mit effizienten Motoren, 48 Volt Mild-Hybridtechnik und ebenfalls umfangreich aufgerüsteter Digital-Ausstattung. Der Radstand dürfte bei beiden etwa 2,75 Meter betragen, der ID wird allerdings mit gut 25 Zentimeter weniger Gesamtlänge auskommen und dennoch über einen großzügigeren Innenraum verfügen.

Ein wenig glatt und bieder wirkt der Mercedes EQC, der frühestens ab Mitte kommenden Jahres erhältlich sein wird. Der in der oberen Mittelklasse angesiedelte Elektro-SUV trumpft mit üppiger Leistung, Allradantrieb und einer Praxis-Reichweite von etwa 400 Kilometern auf Mercedes-Benz EQC 400 4MATIC, (BR N293) / hightech silver / Interior: Electric Art / The new Mercedes-Benz EQC - the first Mercedes-Benz under the product and technology brand EQ. With its seamless, clear design, the EQC is a pioneer for an avant-garde electric look with trailblazing design details and colour highlights typical of the brand both inside and out. / Quick-charging in the home: With the new-generation Mercedes-Benz Wallbox, the EQC can be charged up to three times faster in the home than from a domestic power socket.;combined power consumption: 22.2 kWh/100 km; combined CO2 emissions: 0 g/km*, provisional figures

Ein wenig glatt und bieder wirkt der Mercedes EQC, der frühestens ab Mitte kommenden Jahres erhältlich sein wird. Der in der oberen Mittelklasse angesiedelte Elektro-SUV trumpft mit üppiger Leistung, Allradantrieb und einer Praxis-Reichweite von etwa 400 Kilometern auf.

Die bisherigen Studien lassen auf ein recht minimalistisch-klares Design mit glatten, fließenden Oberflächen und bündiger Verglasung schließen. Es soll drei Batterie-Größen zu 60, 80 und 110 kWh geben, die Reichweiten zwischen 400 und 600 Kilometern ermöglichen.

Damit die nicht durch sinn­widrige Nutzung sabotiert werden, wird die Höchstgeschwindigkeit wohl auf 160 km/h limitiert sein. Ein Geheimnis macht VW noch aus der Position des zumindest 170 PS starken Motors: Er könnte an Vorder- oder Hinterachse sitzen, theoretisch auch beide antreiben.

Eher passt eine Allrad-Va­ri­ante allerdings in das Konzept von Skoda. Die tschechische VW-Tochter hat die Fahrtauglichkeit der so ausgerüsteten, 4,65 Meter langen SUV-Coupé Studie „Vi­sion E“ schon im vergangenen Jahr bewiesen. Neue Design-Updates wurden seitdem nicht präsentiert, es dürfte aber bis zum Marktstart 2020 bei ­einem SUV-Crossover bleiben.

Seit der ersten Fahr-Präsentation des noch ein wenig futuristischen Prototypen ist es ein wenig still  geworden um den 2020 auf den Markt  startenden Strom-Crossover  von Skoda.

Seit der ersten Fahr-Präsentation des noch ein wenig futuristischen Prototypen ist es ein wenig still geworden um den 2020 auf den Markt startenden Strom-Crossover von Skoda.

Auch beim Vision E werden drei Akku-Kapazitäten angeboten, vier angetriebene ­Räder aber wohl der stärksten Version vorbehalten bleiben. Noch 2019 zündet Skoda aber eine kleine E-Sensation: Ein vollelektrischer Citigo mit 300 Kilometern Reichweite und einer Ladedauer von vier Stunden für 80 Prozent der Akku-Kapazität.

Spannend macht es auch Mercedes um seinen allradgetriebenen EQC – zwar wird der seit Monaten hinreichend gezeigt und seine technischen Daten präsentiert: 408 PS und 765 Newtonmeter maximale Systemleistung, die für einen Sprint von 5,1 Sekunden auf den ersten Hunderter ausreichen.

Den Elektro-Look übernimmt der Kia e-Niro vom Bruder Soul: Statt einem Kühlergrill trägt der Kia-Schnauzer  eine bündige Blende samt Klappe zum Anstecken. Bei den Assistenzsystemen legt er gegenüber seinen Hybrid-Geschwistern noch einmal zu.

Den Elektro-Look übernimmt der Kia e-Niro vom Bruder Soul: Statt einem Kühlergrill trägt der Kia-Schnauzer eine bündige Blende samt Klappe zum Anstecken. Bei den Assistenzsystemen legt er gegenüber seinen Hybrid-Geschwistern noch einmal zu.

 

Mit der Fahrbarkeit zieren sich die Stuttgarter allerdings: Bis Mitte 2019 heißt es hier noch ­„bitte warten“. Mit über 2,4 Tonnen und 4,76 Meter Länge spielt der im Verhältnis zum derzeit sonst eher mutigen Mercedes-Design gar ein wenig glatt und bieder wirkende Akku-Stern allerdings schon fast in der elektrischen Oberliga.

Wer es etwas kompakter mag und der nächsten Technik-Generation gegenüber aufgeschlossen ist, kann in naher Zukunft den Wasserstoff-Batterie-Hybriden GLC Fuel Cell ordern. Die Preisliste soll bei rund 65.000 Euro beginnen, allerdings wird vermutlich kein Kauf, sondern nur eine Miet/Leasing-Variante angeboten. Der Starttermin ist noch für heuer angekündigt.

Insgesamt ein wenig geerdeter gibt sich der Kia e-Niro. Die nach Hybrid und Plug-In-Hy­brid dritte Variante des koreanischen Crossover ist vollelektrisch unterwegs, die Basisversion mit 136 PS und 39,2 kWh-Akku für 312 Kilometer Reichweite, in stärkster Bestückung mit 204 PS und 64 kWh-Batterie kommt man 485 Kilometer weit. Dank aufwändiger Energie-Rückgewinnungs-Technik kann die Reichweite bei ausschließlichem Stadtbetrieb auch deutlich darüber liegen.

Für den Sprint von Null auf Hundert nennt Kia 9,8 bzw. ­7,8 Sekunden. Exakte Preise sind noch nicht bekannt, orientiert man sich am nahen Verwandten Hyundai Kona Elektro, so ist ein Einstiegstarif bei etwa 40.000 Euro wahrscheinlich. Österreich-Premiere feiert der e-Niro auf der Vienna Auto Show, die 100 bereits bestellten und angezahlten Fahrzeuge werden noch bis Ende ­Februar ausgeliefert.

Schon bestellbare Zukunft: Der Wasserstoff-Akku-Hybrid GLC Fuel Cell ist  der Vorgriff von Mercedes auf das, was nach dem batterieelektrischen Hype kommt.

Schon bestellbare Zukunft: Der Wasserstoff-Akku-Hybrid GLC Fuel Cell ist der Vorgriff von Mercedes auf das, was nach dem batterieelektrischen Hype kommt.

Kommentar abgeben