Kommentar: Klima-Schreihälse

11. Oktober 2019
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Aktuelles

Eine Blitzumfrage beim Klimarettungs-begeisterten Nachwuchs während des großen Kinder-Kreuzzugs auf dem Heldenplatz: Wie hoch ist der CO2-Anteil in der Atmosphäre? Für wie viel der vom Menschen verursachten Kohlendioxid-Emissionen ist der Pkw verantwortlich? Was ist eigentlich der Unterschied zwischen CO2 und Kohlendioxid (zugegeben, gemein – aber die Antworten waren es wert)? Wer ist für mehr Emissionen verantwortlich – Flugverkehr oder Internet? Niemand kann auch nur eine einzige richtige Antwort (0,04 Prozent, ca. 10 Prozent, keiner, das Internet) geben. Die Lust am Demonstrieren ist offenbar größer als die, sich mit den Gründen dafür auseinanderzusetzen.

Schließlich schreitet ein Erwachsener energisch ein: Man könne dieses wichtige Thema nicht auf die Fakten reduzieren! Aha. Der Mann outet sich als die Schulklasse begleitender Lehrkörper. Was immerhin seine Aussage erklärt – hätte er auch ein wenig Geist mitgebracht, wäre ihm vielleicht ein intelligenteres Statement gelungen. Im Hintergrund rufen angejahrte Berufsjugendliche Forderungen nach einer Zwangs- und Verbots-Gesellschaft in die aus dem genauen Gegenteil davon stammende Menge, die ihre Parolen frenetisch nachschreit. Als würden Freilandhühner für ihre künftige Käfighaltung demonstrieren.

Ortswechsel in die digitale Welt: Dass es gerade beim leidigen Klima-Thema auf Facebook, Twitter, in Foren oder Chats zugeht wie bei Höhlenmenschen, die sich um ein totes Mammut prügeln, ist nichts Neues. Auch, wenn sie statt Faustkeilen mittlerweile eine Tastatur benutzen – beides eignet sich hervorragend dazu, die Evolution umzukehren: Der Mensch macht sich zum Affen. Auf der einen Seite Hass-Poster, die ihren Frust an einer schwedischen Anti-Barbie auslassen, indem sie zu deren möglichst kreativer Beseitigung aufrufen. Auf der anderen Klima-Hysteriker, die sich für betont tolerant halten, weil sie nur SUV-Fahrern den Tod wünschen.

Wer sich dort mit Fakten zu Wort meldet, wird von beiden gemeinsam gesteinigt – weil Meinungen nun einmal viel unterhaltsamer sind als Tatsachen und sowieso nur das gilt, was aus der Echokammer der eigenen Socialmedia-Blase zurückschallt. Simple und unstrittige Tatsachen, die dort nicht hineinpassen, werden postwendend als Stammtisch-Argumente diffamiert – von denen, die selbst vor allem am digitalen Stammtisch, also im Internet, mitreden.

Gemeinsam ist den Klimawandel-Leugnern und -Hysterikern nur, dass sie sich alle für Helden ihrer Sache halten. Als ob das Abrotzen von vorgefertigten Meinungen eine große Tat oder auch nur irgendwie hilfreich wäre. Wer auf diese Weise angepatzt wird, kann sich trösten: Es sind dieselben Typen Mensch, die seinerzeit „Verbrennt die Hexe!“ gekreischt haben, weil ihnen das jemand so vorgebetet hat. Für die „Hexe“ war das Geschrei zweifellos unangenehm, aber nicht ihr größtes Problem. Wer immer glaubt, dass ihm der Helden-Platz zusteht, irrt sich meistens – zumindest das hat die Geschichte ausgiebig bewiesen.

Foto: Jean-Frédéric

2 Kommentare

  1. Sehr zutreffend! Leider folgt auch die Politik diesen Schreihälsen, und immer mehr Gemeinden rufen den Klimanotstand aus. Dabei müsste man aufgrund der Fakten besser einen Bildungsnotstand ausrufen. Das Absurdeste für mich zu diesem Thema war die Forderung, Greta Thunberg den Friedensnobelpreis zu verleihen, die mit ihren Worten radikalen Umweltschützern den Weg ebnet und die Gesellschaft spaltet, indem sie die junge Generation gegen die ältere aufhetzt. Greta Thunberg ist genau das Gegenteil einer Friedensbringerin.

  2. Fortschrittliche Lehrer stehen zu ihrer Klasse, verteidigen ihr marginales Unwissen und brüllen in vorderster Reihe die Parolen mit. Mit Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen werden unsere Schüler leider eh im Unterricht ab und zu mal belästigt. Bei einer Demo aber haben die nichts verloren. Da geht es um Emotion und Stimmung. Populismus ist das nicht – den haben nur die verdammten Rechten – dies ist Ausdruck ehrlicher Empörung in leicht verständlicher Form. Und jetzt Ironie off, denn das Ganze ist viel zu traurig, um es noch mit Sarkasmus zusätzlich zu verstärken.

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