Stromspitzen – wann startet Elektromobilität durch?

9. Februar 2020
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Alles Klartext

2020 wird das Jahr der Elektromobilität! Wer glaubt, diese Prognose schon einmal gehört zu haben: stimmt – ihr Verfallsdatum verlängert sich mit jedem Nicht­ein­treffen automatisch. Ähnlich wie die Ankündigungen zum rasanten Ausbau der Lade-Infrastruktur. Wer da nicht schon alles tausend weitere Schnell-Ladesäulen bis 2018, na wart, doch 2019, gut, dann halt 2020, und wenn nicht, ganz sicher 2021 angekündigt hat. Der hundertjährige Kalender braucht keine Bauernweisheiten mehr – er ist jetzt vollelektromobil.

2019 waren etwa 2,75 Prozent aller Neuwagen – oder einer von 36 – strombetrieben. Die Käufer sind zu gut 90 Prozent Firmen, Kommunen und Institutionen. Ein Null-Emis­sions-Dienstwagen dient nicht nur als hippes Accessoire, sondern auch zur Aufbesse­rung des Salärs: Der Sachbezug-Entfall taugt für ein paar Hunderter mehr auf der Ge­haltsabrechnung des Nutzers. Und der Zweitwagen für alles, was der elektrische nicht kann. Eine praktische Nettolohn-Zulage für Besserverdienende, staatlich gefördert über Ankaufsprämien und finanziert aus Steuergeldern – mit einem grünen Mascherl ver­sehen lässt sich soziale Gerechtigkeit plötzlich ganz neu interpretieren.

Bei Privatkunden waren die E-Auto-Anschaffungen allerdings schon 2018 um gut 25 Prozent rückläufig – ein Trend, der sich fortsetzen dürfte. Ob die Politik dem­nächst erkennt, dass die Strom-Wende eventuell voreilig verkündet wurde und sie außerhalb ihrer Überheblichkeits-Blase gar nicht stattfindet? Eher unwahrscheinlich – eine wider­spenstige Realität, die sich partout nicht der Ideologie anpassen will, lässt g’standene Polit-Genies noch lange nicht zweifeln.

Doch jetzt kommt der VW ID.3, der Volks-E-Wagen! Wer, wenn nicht der bringt den Umschwung? Zumindest der VW-Chef und deklarierte Elon Musk-Fan Herbert Diess glaubt fest daran. Mit einem Startpreis von etwa 30.000 Euro ist der Wolfsburger für ein Elektroauto auch wirklich gut eingepreist. Allerdings gibt es dafür keine üppige Reich­weite und auch eher wenig Austattung. Wer mehr von beidem will, wird wohl einen Tarif mit einem Vierer vorne ansteuern – über das Doppelte von dem, was die Öster­reicher durchschnittlich für eine Auto-Anschaffung privat ausgeben. Um die Differenz lassen sich mehr als nur Sprit, Steuer, Service und Versicherung für das halbe Autoleben eines klassischen Pkw bezahlen.

Und die bösen Verbrenner-Dinger danach immer noch gut verkaufen – wohingegen sich gebrauchte E-Autos bei Händlern und Internetbörsen ihre reibungsoptimierten Reifen plattstehen. Leistungsverlust der Batterien und gegenüber den neuen Modellen wenig konkurrenzfähige Reichweiten sind nicht die besten Argumente für den Wieder­verkauf. Auch bei den Kasko-Prämien droht Ungemach: Das gehäufte Verglühen samt folgen­dem Entsorgungs-Fiasko von Modellen eines bestimmten US-Herstellers verursacht Kosten, anhand derer die Versicherungsmathematiker gerade eifrig Prämien-Modelle nachrechnen.

Wegen des jetzt aber ganz sicher kommenden Durchbruchs der E-Mobilität allgemein und des ID.3 im Speziellen soll der brandneue Golf VIII dereinst angeblich gar keinen Nachfolger mehr bekommen. Wetten darauf oder dagegen werden gerne angenommen.

(Kommentar)

Foto: VW

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