Maserati MCPURA: Carbon statt Chrom

Maserati schlägt ein neues Kapitel auf. Mit dem MCPURA zeigt die Marke aus Modena, was passiert, wenn man italienische Designtradition mit einem kompromisslosen Fokus auf Performance verbindet. Puristische Linien, ein vollständig aus Carbon gefertigter Karosseriekörper und die Wahl zwischen geschlossenem Coupé oder offenem Spyder: Der MCPURA verzichtet auf überflüssigen Zierrat und konzentriert sich auf das Wesentliche – Geschwindigkeit, Präzision, Emotion.

Der neue Supersportler feierte im Rahmen des Goodwood Festival of Speed seine offizielle Premiere. Die äußere Gestaltung wirkt betont reduziert, fast klassisch – kein übertriebener Flügel, kein überzeichnetes Gimmick. Was auffällt, ist die Klarheit. Und damit ein seltener Gegenentwurf zu vielen seiner Mitbewerber. Unter der Kohlefaser-Haut steckt eine Technikplattform, die konsequent auf Leichtbau getrimmt wurde. Genaue Leistungsdaten hält Maserati zwar noch zurück, doch die Zielrichtung ist klar: maximale Fahrdynamik, möglichst wenig Masse, verbunden mit Alltagstauglichkeit und italienischem Stilbewusstsein. Ob Trackday oder Côte d’Azur – der MCPURA soll beides können.

Der Name spielt auf den Begriff „pura“ an – rein, unverfälscht. Und damit knüpft Maserati bewusst an ein historisches Vorbild an, das ebenfalls 1959 für Furore sorgte: den legendären Maserati 5000 GT. Damals war es Reza Pahlavi, der Schah von Persien, der ein Einzelstück auf Basis des Maserati 3500 GT bestellte – allerdings mit dem V8 des Rennwagens 450S. Was daraus wurde, ist ein Paradebeispiel italienischer Automobilkunst: Ein Gran Turismo mit 4,9-Liter-V8, etwa 340 PS stark, handgeschaltet und bis zu 280 km/h schnell – damals ein Wert, der selbst Ferrari ins Schwitzen brachte.

Gerade einmal 34 Exemplare des 5000 GT wurden gebaut, jedes von einer anderen Karosserieschmiede gestaltet. Allemano, Touring, Frua, Bertone, Pininfarina, Ghia – es war eine Art rollender Wettbewerb in Schönheit, Eleganz und Exklusivität. Kein Wagen glich dem anderen, jeder war maßgeschneidert für gekrönte Häupter, Filmstars und Industrielle, die sich nicht nur Leistung, sondern auch Einzigartigkeit leisten wollten. Der MCPURA greift diesen Geist auf – wenn auch in anderer Form. Wo früher Chrom glänzte, funkelt heute Carbon. Wo einst Individualisierung durch Karosseriebau entstand, zeigt sich nun Reduktion auf das Wesentliche. Es ist ein anderer Ausdruck derselben Idee: Automobil gewordene Leidenschaft, stilisiert für Kenner, nicht für Poser.

Fotos: Werk

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