Mercedes-Vorstand Uhlenhaut – einst schneller als Fangio

15. Februar 2021
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Rudolf Uhlenhaut, bis zu seiner Pensionierung 1972 Leiter der Pkw-Entwicklung bei Mercedes in Stuttgart, war Zeit seines Lebens eine Rennsportseele. Vor seinem Engagement als Vorstand und Technik-Chef des Konzerns betreute er fast zwei Jahrzehnte die legendäre Rennwagenabteilung von Mercedes und verhalf Größen wie Rudolf Caracciola, Stirling Moss oder Juan Manuel Fangio zu allseits umjubelten Erfolgen. Als sich Mercedes nach der Katastrophe von Le Mans 1955 aus dem Motorsport zurückzog, übersiedelte er in die Pkw-Abteilung des Unternehmens und wurde später in den Vorstand berufen.

Uhlenhaut war freilich kein Schreibtisch-Ingenieur, sondern ein Mann der Praxis (siehe Artikel: Mercedes-Vorstand als Werkstatt-Meister). Als talentierter Fahrer hatte er einst das Chassis des berühmten Silberpfeil-Rennwagens abgestimmt, das ihm zu weich erschienen war – nach der Überarbeitung gewann Caracciola die Grand Prix-Europameisterschaft 1937. Jahre später, 1954, entstand übrigens aus dem von Uhlenhaut entwickelten Rennsportwagen Mercedes 300 SL das berühmte Flügeltürer-Coupé für die Straße.

In Motorsportkreisen kursierte damals folgende Anekdote: Als sich Juan Manuel Fangio (im Bild beim Formel-1-GP von Spa-Francorchamps 1955), der beste Rennfahrer seiner Zeit, bei Uhlenhaut beschwerte, dass sein Wagen nicht optimal liefe, klemmte sich dieser nach einem opulenten Mittagessen, mit Maßanzug und Krawatte, selbst hinter das Steuer des Fangio-Autos und umrundete die Nürburgring-Nordschleife im vollen Renntempo – um drei Sekunden schneller als der Weltmeister. Zu Fangio sagte Uhlenhaut nachher trocken: „Der Wagen ist in Ordnung, Sie müssen halt noch ein bisschen üben.“

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Foto: Daimler AG

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