Opels Zukunft: global, elektrisch und teurer

17. Januar 2018
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Aktuelles

Opel steht vor vielen, teilweise sicherlich schmerzvollen, aber wichtigen Veränderungen. Nun, da die Marke endgültig Teil der Groupe PSA ist, hat allen voran der neue Opel-Chef Michael Lohscheller vor allem einen Auftrag: Geld sparen. Die Produktion ist ineffizient, die Produkte sind zu komplex, die Stückkosten zu hoch. Das sagen nicht wir – das sagt er selbst; in einem Interview mit unseren Kollegen von auto, motor und sport. Klar wird dieser Umstand nun vor allem durch die komplette Vergleichbarkeit innerhalb des neuen Mutterkonzerns, die vorher offensichtlich fehlte.

Dennoch soll Opel alles andere als noch eine französische Marke werden. „Opel bleibt deutsch“, betonte Lohscheller. Das sei nicht nur ihm, sondern auch der Gruppe wichtig. Dennoch soll und muss das Profil der Marke weiter geschärft werden. Das soll durch Änderungen bei den Produkten, aber auch der Preisgestaltung passieren. Heißt: Opel könnte künftig teurer werden. Lohscheller dazu im O-Ton: „In der Vergangenheit haben wir zu oft über die Preisschiene verkauft. Das werden wir uns sehr genau ansehen und dann Schritt für Schritt ändern.“

Ganz großes Thema sind bei Opel aber freilich auch die Modelle. Hier soll gleichzeitig ausgebaut, aber auch eingedampft werden. Ausgebaut wird ganz zeitgemäß vor allem in Richtung E-Mobilität. Bis 2020 sollen neun neue Modelle auf den Markt kommen – vier davon werden elektrifiziert sein, 2024 soll es in jeder Baureihe elektrifizierte Antriebe geben (entweder mit reinem Batterieantrieb oder als Plug-in-Hybride). Den ersten Schritt macht hier eine Hybrid-Version des Grandland X und nächstes Jahr der neue Corsa auf einer PSA-Platform, der auch als reines E-Auto kommen wird.

Natürlich muss aber auch eingespart werden. Dabei nannte Lohscheller noch keine expliziten Modelle, die gestrichen werden sollen, machte aber klar, dass die Komplexität der Modelle reduziert werden muss. Beim Insignia etwa können theoretisch 400 unterschiedliche Vordertüren geordert werden, für den Corsa gibt es 16 unterschiedliche Frontscheiben. Zu viel. Daher wird schon recht bald bei jedem Modell jede Option gestrichen, die bis heute von weniger als einem Prozent der Kunden geordert wurde. Besonders stark individualisierbare Modelle wie etwa den Adam möchte man aber an und für sich dennoch unbedingt behalten. Lohscheller:

Der Adam hat viel erreicht, ist ein sehr erfolgreiches Modell und hat gemeinsam mit dem Mokka das höchste Eroberungspotenzial von rund 50 Prozent sowie einen besonders hohen Frauenanteil. Das stärkt die Marke. Das werden wir nicht aufgeben. Allerdings werden wir uns etwa Farben und Varianten ansehen und solche mit geringer Resonanz streichen.

Auch der Blick in die fernere Zukunft ist spannend. Das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim ist das zweitgrößte im PSA-Konzern. Es verantwortet als Kompetenzzentrum bereits jetzt die Themen Brennstoffzelle, Fahrerassistenz-Entwicklung sowie alternative Kraftstoffe – weitere sollen folgen. Die Elektro-Experten aus Rüsselsheim wurden hingegen nach Paris geschickt, um dort für schnelleres Vorankommen zu sorgen. Vor allem aber bestätigte Lohscheller, das jeder Opel künftig immer noch in Rüsselsheim entwickelt wird – nur eben nicht mehr jedes einzelne Bauteil das dafür verwendet wird.

Wir fahren eine intelligente Plattformstrategie und werden die Opel-Modelle dabei sehr deutlich differenzieren, nicht nur beim Design, sondern auch beim Thema Sitzen, Beleuchtung, Schalt- und Fahrverhalten. Alles, was der Kunde sieht und fühlt, wird typisch Opel sein. Darunter nutzen wir viele gemeinsame Teile, um die Kosten zu drücken.

Ein solches Modell funkioniert ja bei so manch anderem Hersteller auch bereits ganz ausgezeichnet (VW, Hyundai/Kia, Renault-Nissan). Warum nicht also auch bei Opel?

Zum Schluss noch ein letztes Wort zum Ampera-e: Dieser ist nicht tot. Ab Jänner 2018 soll er wieder bestellbar sein und Opel ist bemüht GM so viele Fahrzeuge wie irgendmöglich abzunehmen.

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