Porsche Cayman S

4. Mai 2013
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Porsche
Klasse:Coupé
Antrieb:Hinterrad
Treibstoff:Benzin
Leistung:325 PS
Testverbrauch:8,8 l/100km
Modelljahr:2013
Grundpreis:76.420 Euro

Just im Jubiläums-Jahr des 911 kommt ein kleiner Porsche-Sportler, der der Haus-Ikone das Leben schwer machen möchte

Die Bezeichnung Porsche für Arme“ ist angesichts von 60.000 Euro Basistarif natürlich ein Affront für jeden Normalverdiener. Doch sie haftete dem 2005 präsentierten Cayman stets an, ungeachtet seiner Qualitäten. An dieser Stelle sei gleich auf die Klassik-Story über den ewigen Porsche-Außenseiter 944 hier im Heft ab Seite 116 verwiesen. Am Prestige des Package sollte es auch diesmal nicht scheitern, soweit der große Unterschied zum Ahnen aus den Achtzigern: Sechs Zylinder, natürlich boxend, und das als Mittelmotor konfiguriert – so schauen echte Imagebringer aus. Dazu wiederholt der große Walter, was er uns schon vor mehr als sieben Jahren bei der Vorstellung des ersten Cayman ins Gedächtnis geschrieben hat: „Wenn du einen Porsche nur zum Porschefahren haben möchtest, dann ist der Cayman das perfekte Auto.“ Röhrl redet natürlich vom stärkeren S-Modell, also notieren wir als Basistarif bereits über 75.000 Euro.
Mehr schwärmen lassen wir den Bayern nicht, schließlich steht er ja im Sold der Stuttgarter – was natürlich wunderbar ist: Die Motorsport-Legende darf als Entwicklungshelfer bei jedem neuen Modell ran. Das hat uns etwa mit dem letzten Elfer endlich richtige Schaltwippen beschert. Ja, natürlich PDK! 70 Prozent der Cayman-Kunden sollen sich mittelfristig für das Doppelkupplungsgetriebe entscheiden, beim großen Bruder 911 sind es aktuell rund 85 Prozent.
Die Vorteile liegen nicht nur auf der Hand, sondern auch in besseren Fahrleistungen bei besserem Verbrauch. 800 Euro Aufpreis beim S sind zudem ein echter Hit – nicht nur angesichts der teils irrwitzigen Tarife für Porsches sonstige Sonderausstattungen. Die beinhalten beim neuen Cayman übrigens auch so nette Features wie Radar-Tempomat samt Kollissionswarner, 20 Zoll-Räder und Keyless-Go, wenn´s wen interessiert.
Zurück zum Thema Getriebe. Wir starten unsere Testfahrten in einem Auto mit manueller Schaltung, das geht wie gewohnt per Schlüssel-Dreh links. Und sogleich sei einem der nächste Aufpreisposten ans Herz gelegt: Die Sportabgasanlage ist jeden der 2435 Zusatz-Euros wert, auf Knopfdruck erntet man damit eine Extra-Portion Brabbeln, Fauchen und Brüllen. Getrost verzichten darf man ungeachtet des Nutzens auf ein weiteres Extra-Feature: die automatische Zwischengas-Funktion beim Herunterschalten. Man kennt sie schon vom Nissan 370 Z, und hier bei Porsche ist es genauso sinnentleert. Wer sich schon dem ehrenwerten Spleen eines manuellen Getriebes hingeben möchte, der sollte es mit voller Konsequenz tun.
Gäbe es nicht die formidable PDK, es würde einem beim Cayman nichts abgehen in Sachen Fahrspaß. Mehr Lob kann man der manuellen Sechsgang-Schaltung nicht aussprechen. Doch nicht nur auf der Rennstrecke zeigt sich: Doppelt gekuppelt bringt bessere Performance bei gleicher, nur eben etwas anders gearteter Fahrfreude. Die Piste heißt in diesem Fall Portimão, und selten noch stellt sich so schnell eine Vertrautheit mit dem Gerät ein.

Im Zentrum der Macht. Die flache ansteigende Mittelkonsole kennt man bereits aus allen anderen Porsche-Modellen. Haptisch lässt sich dem Cayman jetzt auch nichts mehr vorwerfen – zumal wenn jemand massig Aufgeld in einen Leder-Over-kill investiert hat

Nicht nur im Profil betrachtet sitzt der Fahrer mitten im Geschehen, die Gewichtsverteilung (46:54) sorgt beim Mittelmotor-Renner für feine Balance, die nun elektrische Servolenkung für viel Feedback. Das Fahrwerk ist frei von Lastwechsel-Tücken, aber für jeden Spaß zu haben, wenn man es bei abgeschalteter Stabilitätskontrolle wissen möchte in Sachen Power-Drift. Fein dosieren lassen sich die Bremsen, ankern tun sie gnadenlos. Dazu hängt der Sauger (vor allem im Sport-Modus) so gierig am Gas und dreht so mühelos hoch, dass sich die stets aufgeladenen TT und Z4 in der Sekunde aus der Shoppinglist eliminieren.
Von der Algarve zur grünen Hölle: 7 Minuten 55 lautet die Nordschleifen-Rundenzeit für den Cayman S, natürlich mit PDK – das ist 17 Sekunden schneller als beim Vorgänger. Der Dank geht unter anderem an fünf Mehr-PS sowie ans geringere Gewicht (minus 30 Kilo) bei deutlich höherer Steifigkeit (plus 40 Prozent). Im Vergleich zum Vorgänger legten aber auch Spurbreite und Radstand (plus sechs Zentimeter) zu, womit der Komfort etwas stieg – so kann sich gerade der lange Röhrl über mehr Beinraum freuen.
Wenn wir schon wieder bei der deutschen Motorsport-Ikone sind, notieren wir noch zwei empfehlenswerte Optionen für Fahrspaßvögel: zum einen die Hinterachs-Quersperre, zum anderen das Sport-Chrono-Paket. Letzteres liefert nicht nur die hübsche Stoppuhr fürs Cockpit, sondern auch eine Launch Control und – Obacht! – dynamische, sprich: in Steifigkeit und Dämpfung variable Getriebelager. So etwas hat garantiert keiner am Stammtisch in seinem Auto.
Zum Schluss wollen wir es doch noch wissen. Wie fühlt sich die „Arme Leute“-Version an? Den Basis-Cayman identifiziert man nur am Heck, wo das S fehlt und das Endrohr einteilig ist und oval. Kaum Abstriche gibt´s beim Sound zu machen, überraschend wenig beim Druck der kleineren Maschine. Wenn etwas abgeht, dann mehr Punch von unten. PDK kostet hier dramatisch mehr, deren Segel-Funktion, also das zeitweilige automatische Auskuppeln zur Verbrauchs-Senkung, macht beim Einstiegsmodell gleichermaßen Sinn.
Ob S oder nicht, der Cayman wird es auch diesmal nicht schaffen, den 911 zu überflügeln – diese Prognose ist alles andere als gewagt. Aber auch nicht ernüchternd. Denn eines ist diesmal anders: Irgendwie scheint der Cayman so gereift, dass einen die hauseigene Ikone gar nicht mehr kratzt.

44 Prozent der Cayman-Karosserie besteht aus Aluminium, so auch die Heckklappe – die schließt freilich nur bei wuchtigem Zuschlagen korrekt. Das Doppelrohr entlarvt den S, weit eleganter als beim Vorgänger gerieten die seitlichen Kiemen für den Mittelmotor

[ i]TECHNIK:[ /i]
B6, 24V, 3436 ccm, 325 PS (239 kW) bei 7400/min, max. Drehmoment 370 Nm bei 4500-5800/min, Sechsgang-Getriebe (Siebengang-Doppelkupplung), Hinterradantrieb, Scheibenbremsen v/h (bel.), L/B/H 4380/ 1801/1294 mm, Radstand 2475 mm, 2 Sitze, Reifendimension 235/40 R 19 (v), 265/40 R 19 (h), Tankinhalt 64 l, Kofferraumvolumen 150 (v), 162-275 (h) l, Leergewicht 1320 (1350) kg, 0-100 km/h 5,0 (4,9) sec, 0-200 km/h 17,2 (17,1) sec, Spitze 283 (281) km/h, Normverbrauch (Stadt/außerorts/Mix) 12,2/6,9/8,8 (11,2/6,2/8,0) l ROZ 98, CO2 206 (188) g/km

Preis: EUR 76.420,- (EUR 77.240)
(Werte in Klammer für Version mit PDK-Doppelkupplungsgetriebe)

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