Rolls-Royce – nur die Uhr war zu laut

7. Mai 2020
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Haben Sie gewusst, das ein gebürtiger Österreicher in den siebziger Jahren Chefkonstrukteur bei Rolls-Royce war? Er hieß Fritz Feller, hatte damals den Silver Shadow II und in der Folge auch den Silver Spirit (Bild unten) gestaltet, der als Nachfolger des Silver Shadow (Bild oben) 1980 auf den Markt kam.

Es grenzte ja schon an ein Wunder, dass ein Wiener (wenngleich er mittlerweile auch einen britischen Pass besaß) im königlichen England die Karrierestufen in einem Autokonzern bis ganz weit nach oben steigen durfte. Noch dazu in einer Zeit, da Rolls-Royce vollkommen britisch war und die Queen sozusagen noch auf jedem Kolben klebte.

Bei Testfahrten mit dem Silver Shadow II in Südfrankreich 1977 hatte ich das Vergnügen, dass sich Feller neben mir auf dem Beifah­rersitz niederließ. Schon ganz der berufene Brite, meinte er: „Was sagen Sie, ein neuer Silver Shadow, und fast nichts ist anders als beim Vorgänger. Wir können einfach nichts mehr verbessern, weil wir die Besten sind.“

Ich fasste Mut und fragte: „Wenn schon ein Konstrukteur wie Fritz Feller mit mir im Auto fährt, und es hört ja niemand zu: Wann kommt denn wirklich die nächste große technische Änderung bei Rolls-Royce?“ Feller, ganz leise, als ob tatsächlich jemand lauschen könnte: „Ich kann’s Ihnen sagen, es wird ein Durchbruch. Der nächste Rolls kriegt statt einer Analog- eine Digitaluhr.“ – „Aha“, sagte ich, „und was ist der Vorteil?“ Feller: „Das Fahrzeug wird noch leiser, denn das Ticken der Uhr hat unsere Kunden gestört.“

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Fotos: Werk

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