Smart fortwo mhd passion

23. April 2008
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Smart
Klasse:Kleinwagen
Antrieb:Hinterrad
Treibstoff:Benzin
Leistung:71 PS
Testverbrauch:5,5 l/100km
Modelljahr:2008
Grundpreis:13.225 Euro

Smart fortwo: Sein Revier sind Stadt & Stau, zumal als mhd” mit Start/Stopp-Automatik

Ein Smart ist anders. Nur 2,70 Meter lang, Motor im Heck, Antrieb auf die Hinterräder. Der unter Mercedes-Regie in Frankreich gebaute Zwerg stellt alle landläufigen Vorstellungen von Kleinwagen auf den Kopf. Und das aktuell bereits in zweiter Generation.
Angetrieben wird der Zweisitzer von einem Dreizylinder-Saugbenziner aus einer Kooperation mit Mitsubishi. In unserem Testwagen sitzt die mittlere Leistungsstufe mit 71 PS, zudem als “mhd”, was laut Prospekt für “micro hybrid drive” steht. Ein kleines bisserl Hybrid sozusagen.
Doch einen Elektromotor, der dem Benziner hilfreich unter die Arme greift oder den Zwerg gar lautlos dahingleiten lässt, sucht man im mhd vergebens. Was man um die 200 Euro Mehrpreis zum normalen Modell bekommt, ist eine Start/ Stopp-Automatik, wie sie etwa BMW/Mini und Citroën bereits verbauen.
Bleibt der Wagen stehen, stirbt der Motor ab. Geht der Fuß von der Bremse, springt der Benziner von selbst unauffällig wieder an. Voraussetzung dafür sind ausreichende Betriebstemperatur und geladene Batterie. Je nach Verkehrsdichte spart eine Start/Stopp-Automatik in der Stadt erfahrungsgemäß bis zu 20 Prozent Sprit.
Geschaltet wird ausschließlich über ein automatisiertes Fünfgang-Getriebe. Das sortiert die Gänge seit dem letztjährigen Modellwechsel deutlich weicher und schneller. Die getestete Topversion “passion” verfügt als Draufgabe über einen Automatik-Modus, der via Knopfdruck aktiviert werden kann.
Selbsttätig schaltet der Smart aber reichlich träge hoch, womit man vor allem im Stop-and-go-Verkehr oft mit unwirtschaftlich hohen Drehzahlen einherjubelt. Schade, ist doch gerade in der Stadt die Automatik eine willkommene Entlastung für den Fahrer.
Seine 71 PS machen den Smart innerorts zum echten Flitzer. Überland schwimmt man im Verkehr mit, Überholmanöver wollen sorgsam geplant werden, Autobahn-Tier ist der Zwerg mit Spitze 145 ohnehin keines.
Dem Fahrkomfort setzen die kurzen Federwege Grenzen, auf kurzen Wellen kann der Zweisitzer leicht zu hoppeln beginnen.
Die 478 Euro teure Aufpreis-Servolenkung unseres Testwagens können wir bedingungslos empfehlen. Sie ist präzise, ausreichend direkt und macht Rangieren zum Kinderspiel.
Obwohl der Smart fortwo ganz und gar nicht zum Schnellfahren gebaut ist, machte er bei den obligaten Tests im Driving Camp Pachfurth gar keine schlechte Figur. Weder wechselnde Fahrbahnbeläge noch blitzartige Richtungsänderungen können ihm etwas anhaben.
Trotz des kurzen Radstands bleibt der Smart stets brav in der Spur. In Kurven untersteuert er gutmütig, und noch ehe der Grenzbereich erreicht ist, bremst ESP den Übermut rigoros ein. Der fortwo liegt narrensicher auf der Straße.
Als Daimler-Tochter schreibt Smart Sicherheit überhaupt groß. Selbst ohne die optionalen Kopf/Seitenairbags hat der fortwo im NCAP-Crashtest vier von fünf Sternen errungen – für einen Kleinstwagen ein tolles Ergebnis. Ehrensache, dass auch alle elektronischen Fahrhilfen serienmäßig an Bord sind.
Und was stört im Alltag? Eigentlich nur Kleinigkeiten. Etwa das stehende und schlecht dosierbare Bremspedal. Die Übersicht nach rechts hinten könnte besser sein, der Blick auf Ampeln aus der Pole-Position ebenfalls. Der Innenspiegel schränkt in Rechtskurven den Blick auf die Straße ein.
Kommen wir letztlich zum Verbrauch. In der Stadt sind mit dem mhd Werte um fünf Liter erreichbar. Bei höherem Tempo steigt der Durst des Kleinen jedoch überproportional an. Die kastenförmige Karosserie bietet dem Fahrtwind mehr Widerstand als eine Mittelklasse-Limousine. Auf Autobahnreisen können auch sechs bis sieben Liter durchrinnen. Bei Tempo 130 verbraucht unser Audi A5 TDI gut einen halben Liter weniger. Vielleicht bietet Smart deshalb einen Bordcomputer nicht einmal gegen Aufpreis an. Mag sein, dass der Spritverbrauch für die Smart-Klientel aber gar nicht so wichtig ist.
Ein billiges Massenauto ist der Zweisitzer ohnehin keines. Viele viersitzige Kleinwagen kosten deutlich weniger. Eher schon taugt der mhd zum politisch korrekten Zweitauto für Anwälte, Ärzte & Architekten. Auch davon profitiert letztlich die Umwelt. Wenn nämlich S-Klasse oder Cayenne hin und wieder in der Garage bleiben.

Adrette Farben und sympathische Materialien schmücken das Cockpit. Uhr und Drehzahlmesser kosten auch bei der Topversion Aufpreis

MOTOR & GETRIEBE
Der kleine Dreizylinder schiebt vom Stand weg munter an, braucht dazu aber Drehzahl. Bei höherem Tempo lässt der Vortrieb stark nach. Sportlich kerniger Sound. Das automatisierte Fünfgang-Getriebe schaltet weich und einigermaßen flott, bleibt im Automatik-Modus jedoch zu lang in den unteren Gängen.

FAHRWERK & TRAKTION
Präzise und ausreichend direkte (Aufpreis-)Servolenkung. Extrem sicheres Fahrverhalten. Trotz kurzer Federwege brauchbarer Komfort. Schlechte Straßen quittiert der Aufbau allerdings ziemlich hoppelig. Starke Seitenwind-Empfindlichkeit. Standfeste Bremsen, doch über das stehende Pedal nicht leicht zu dosieren.

COCKPIT & BEDIENUNG
Übersichtliches Armaturenbrett, einfache und logische Bedienung, auch von Radio und Klimaanlage. Ausnahme: der umständliche Startvorgang (erst Zündung ein, danach Schalthebel auf Neutral, dann erst starten). Erstklassiges Gestühl, gute Sitzposition trotz nicht verstellbarem Lenkrad. Mäßige Karosserie-Übersicht, die breiten Türen stören in engen Parklücken. Konkurrenzlos kleiner Wendekreis.

INNEN- & KOFFERRAUM
Zwei Erwachsene finden gut Platz. Recht brauchbarer Kofferraum, der Beifahrersitz lässt sich komplett vorklappen (über den innen liegenden Hebel allerdings mühsam). Einige offene Ablagen, Handschuhfach-Deckel nur gegen Aufpreis.

DRAN & DRIN
Selbst als Top-Version “passion” nur mittelmäßig bestückt (siehe nebenstehende Liste). Radio, Uhr, Drehzahlmesser und Servolenkung finden sich erst in der Aufpreisliste. Ansprechende Materialien, in bunten Farben kombinierbar und sauber verarbeitet. Pfiffiges Innen- wie Außen-Design.

SICHER & GRÜN
Bis auf Kopf/Seitenairbags (die kosten Aufpreis) komplette Ausstattung mit allen gängigen aktiven und passiven Sicherheitssystemen. Vernünftiger, doch nicht sensationell niedriger Verbrauch.

PREIS & KOSTEN
Der Smart ist preislich ein typisches Produkt aus dem Hause Daimler. Die meisten viersitzigen und teils fünftürigen Kleinwagen sind billiger, manche Fernost-Autos sogar erheblich. Kleines Zuckerl vom Österreich-Importeur: vier Jahre Garantie. Werthaltung bestenfalls durchschnittlich.

FAZIT:
Kein echtes Hybrid-Auto, nur ein grüner Realo. Zum Fundi fehlt der Elektro-Antrieb.

MOTOR-BAUART:
Dreizylinder Reihenmotor hinten quer liegend. Vierfach gelagerte Kurbelwelle, zwei oben liegende Nockenwellen mit Kettenantrieb, vier Ventile pro Zylinder, variable Ventilsteuerung. Elektronische Mehrfach-Benzineinspritzung. Abgasreinigung mittels Oxidations-Katalysator.

MOTOR-DATEN:
Hubraum 999 ccm, Bohrung x Hub 72,0 x 81,8 mm, Verdichtungsverhältnis 11,4:1, Max. Leistung 52 kW (71 PS) bei 5800/min, Spez. Leistung 52,0 kW/l (71,1 PS/l), Max. Drehmoment 92 Nm bei 4500/min, Ölinhalt 3,3 l, Kühlwasserinhalt 4,3 l

KRAFTÜBERTRAGUNG:
Hinterradantrieb, automatisiertes Fünfgang-Getriebe.
Übersetzungen: I. 3,071, II. 1,913, III. 1,258, IV. 0,943, V. 0,707, R. 3,231
Achsantrieb 4,529

FAHRWERK:
Vorne: Dreiecks-Querlenker, McPherson-Federbeine, Stabilisator. Hinten: DeDion-Achse, Schraubenfedern, Teleskop-Stoßdämpfer. Radstand 1867 mm, Spurweite vorne/hinten 1283/1385 mm. Zahnstangen-Lenkung (mit optionaler Servounterstützung). Hydraulische Zweikreisbremse mit Bremskraftverstärker, massive Scheiben mit Einkolben-Faustsattel-Zangen vorne, Trommeln hinten. Feststellbremse auf die Hinterräder wirkend. Reifen & Räder: 155/60 R 15 74T Conti WinterContact TS 800 auf Leichtmetall-Felge 4,5 J x 15 vorne, 175/55 R 15 77T Conti WinterContact TS 800 auf Leichtmetall-Felge 5,5 J x 15 hinten.

KAROSSERIE:
3 Türen/2 Sitze, Luftwiderstandsbeiwert cw 0,345, Stirnfläche A 2,06 m2, Luftwiderstandsindex A x cw 0,71, Länge/Breite/Höhe 2695/1559/1542 mm, Wendekreis 8,75 m, Tankinhalt 33 l, Eigengewicht 750 kg, max. zul. Gesamtgewicht 1020 kg, max. zul. Anhänge-Last -, Kofferraumvolumen (VDA-Norm) 220-340 l

VERBRAUCH (ROZ 95):
Norm (Stadt/außerorts/ Mix) 4,9/3,9/4,3 l, Testverbrauch 5,5 l/100 km, CO2-Ausstoß (Norm/Test) 103/128 g/km, Reichweite (bis Tankres.) 550 km

FAHRLEISTUNGEN:
Werksangaben: 0-100 km/h 13,3 sec, Spitze 145 km/h
ALLES AUTO-Messwerte: 0-80 km/h 10,5 sec, 0-100 km/h 14,5 sec, 60-100 km/h (im 4. Gang) 14,0 sec, 80-120 km/h (im 4. Gang) 15,8 sec

WARTUNG:
Service/Ölwechsel verschleißabhängig

GARANTIE:
4 Jahre Fahrzeug-Garantie (maximal 120.000 Kilometer), 4 Jahre Lack-Garantie, 12 Jahre Garantie gegen Durchrosten, 2 Jahre Mobilitätsgarantie

PREIS UND AUSSTATTUNG:
Basispreis: EUR 13.225,-
Serienausstattung: Frontairbags, ABS, Bremsassistent, ESP, zwei Dreipunktgurte mit Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer, Klimaanlage, E-Fensterheber, Lederlenkrad, Aluräder, FB-Zentralsperre etc.
Extras: Kopf/Seiten-Airbags EUR 322,-, Isofix EUR 83,-, Radio-Vorrüstung EUR 93,-, CD-Radio ab EUR 467,- (EUR 758,-), Navigationssystem EUR 514,-, Alarmanlage EUR 312,-, Servolenkung EUR 478,-, beheizbare E-Außenspiegel EUR 192,-, Uhr plus Drehzahlmesser EUR 151,-, Regensensor EUR 104,-, Sportlenkrad inkl. Schaltwippen EUR 334,-, Deckel fürs Handschuhfach EUR 31,-, Lederpolsterung EUR 467,-, Sitzheizung EUR 265,-, Metallic-Lack EUR 353,-, Nebelscheinwerfer EUR 192,-, Komfort/Licht-Paket (beheizb. E-Außenspiegel, Licht- und Regensensor) EUR 306,-, Bluetooth-Freisprecheinrichtung EUR 265,- (als Zubehör) etc.


Fotos: Robert May

Diesen Test finden Sie in ALLES AUTO 3/2008