Studie: Porsche 981 Bergspyder

4. Juni 2019
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Aktuelles

Porsche zeigte bei Bergrennen der Konkurrenz meist die Auspuffrohre. „Andere hatten vielleicht mehr PS, aber wir hatten den Trumpf des Leichtbaus“, schmunzelt Eberhard „Ebs“ Mahle, der 1966 in einem Porsche 911 Europabergmeister wurde. Das Resultat dieses Diät-Wettrüstens waren kompromisslose Bergkraxler, wie der Porsche 909 Bergspyder – eine atemberaubende Rennmaschine mit einer zehn Kilogramm schweren GFK-Karosserie, einem Gitterrohrrahmen aus Aluminium und einem 275 PS (202 kW) starken Achtzylinder-Einspritzmotor, was sich in einem Gesamtgewicht von 384 Kilogramm oder einem Leistungsgewicht von 1,4 Kilogramm pro PS manifestiert. Ein Berg-Hinaufballern in diesem Leichtbau-Vehikel muss dem Ritt auf der Kanonenkugel des berühmten Lügenbarons Münchhausen ziemlich nahekommen. Konsequenz: 1968 fuhren die Porsche 909 bei den beliebten Bergauf-Kräftemessen der Konkurrenz um die Ohren.

Vor vier Jahren sollte diese ruhmreiche Tradition wieder aufleben und der Porsche-Vorstand erteilte den Tüftlern im Entwicklungszentrum Weissach den Auftrag, das Konzept auf Basis eines Boxster der Baureihe 981 – Vorgänger des aktuellen Boxster 982 – neu zu interpretieren. Das Lastenheft ist schnell geschrieben: radikal, möglichst leicht und kompromisslos. Das Mittelmotorkonzept des Boxster eignete sich perfekt, um die Vorgabe der Führungsspitze umzusetzen.

Also machten sich Exterieur-Designer Grant Larson und seine Truppe daran, das Projekt umzusetzen, und griffen dabei auf ein altbewährtes Leichtbau-Prinzip zurück. „Schmeiß alles raus, was unnötig ist, und Gewicht ins Auto bringt“, lächelt Larson. Also flogen die unter anderem die Windschutzscheibe, das Dach, jede Menge Dämmmaterial und der Beifahrersitz aus dem Boxster. Nur ein kleiner Windabweiser befindet sich vor dem Fahrer, der von einem Sportsitz des 918 Spyder umklammert wird und auf ein Cockpit blickt, dass dem des Hybrid-Hyper-Sportwagen nachempfunden ist.

Die Abdeckung des Innenraums besteht, wie die Motor- und die Kofferraumhaube, aus Kohlefaserverbundstoff. Darunter lässt sich der Helm des Fahrers verstauen. Das Resultat dieser Radikal-Diät ist ein Gewicht von 1.099 Kilogramm, knapp 300 Kilogramm weniger als der Porsche Boxster Spyder. Befeuert wird der heißblütige Kraxler von dem 393 PS (289 kW) starken Sechszylinder Boxer aus dem Cayman GT4. Das ergibt ein Leistungsgewicht von 2,8 Kilogramm pro PS, eine Sprintzeit von etwas mehr als vier Sekunden von null auf hundert und eine Rundenzeit auf der Nordschleife des Nürburgrings von 7:30 Minuten.

Klingt zu schön, um wahr zu sein. „Momentan ist nicht geplant, dieses Auto zu bauen, aber es gibt immer wieder Gedankenspiele“, erklärt Grant Larson und zieht bedauernd die Schultern hoch. Wer aber die Liebe der Porsche-Topmanager zu außergewöhnlichen Sondermodellen kennt, darf noch auf eine Kleinserie des Porsche 981 Bergspyder hoffen.

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