Test: Audi A6 allroad quattro 50 TDI

15. November 2019
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Audi
Klasse:Kombi
Antrieb:Allrad
Treibstoff:Diesel
Leistung:286 PS
Testverbrauch:7,1 l/100km
Modelljahr:2019
Grundpreis:75.180 Euro

Vor 20 Jahren feierte der A6 allroad Premiere, die Lorbeeren für die Erfindung des höhergelegten und mit Kotflügel-Verbreite­r­ungen & Co. auf Offroad geschminkten Kombis gebühren freilich Volvo – die Schweden hatten diese Idee bereits zwei Jahre zuvor unter der Bezeichnung Cross Country beim V70 realisiert.

Konnte der erste allroad ­anno 1999 noch mit Untersetzungsgetriebe geordert werden, scheint die brandneue Generation optisch irgendwie zum reinen Lifestyle-Produkt verschwom­men – was womöglich auch daran liegt, dass Audi mittlerweile jede Menge „echte“ SUV im Programm führt. Wie gehabt gibt’s  eine serienmäßige Luftfederung, die den großen Kombi nicht nur komfortabler macht, sondern die Bodenfreiheit auf Knopfdruck um weitere 45 Millimeter erhöht – zumindest bis 35 km/h. Maximal 184 Millimeter Spielraum nach unten sind jedenfalls sehr OK verglichen mit klas­sischen SUV. Ein Bergabfahr- und Neigungswinkel-Assistent sowie ein zusätzlicher Gelände-Modus für die anwählbaren Fahr­­pro­gramme runden das Offroad-Paket ab. 

Natürlich ist auch dieser A6 eher ein Langstrecken-Fahrzeug – und ab 120 km/h senkt sich die Karosserie um 15 Millimeter ab, der Aerodynamik wegen. Angeblich soll der A6 allroad auch nicht mehr Sprit brauchen als der konventionelle, 5850 Euro billigere Avant. Im Test waren es aber gute 20 Prozent mehr als im Prospekt versprochen – und das trotz Mild-Hy­brid mit 48 Volt-Bordnetz, das ­Segeln in weiten Geschwindigkeitsbereichen ermöglicht, ge­nauso wie den Einsatz des Start/Stopp-Systems bereits unter 22 km/h.

Unterwegs waren wir im mittleren der drei Diesel (allerdings mit riesigen 21 Zoll-Rädern), als Alternative gäbe es noch einen 340 PS starken Benziner – allesamt Sechszylinder. 

Formal spricht wenig gegen die bulligen Selbstzünder, doch in der Praxis kann das Zusammenspiel aus Motor- und Getriebesteuerung nicht vollends überzeugen. Vom Stand weg gibt es eine eklatante Anfahrschwäche, auch während der Fahrt sind die Reaktionen aufs Gaspedal stark verzögert – auch weil meistens mit unnötigem Zurückschalten verbunden. 

Natürlich sind die Fahrleistungen des ganz gut gedämmten V6 TDI mehr als OK, die unharmonische Kraftabgabe ist aber nicht nur im Premium-Segment unbefriedigend. Angeblich ist das vor allem der strengen, um nicht zu sagen übervorsichtigen Steuerung der Abgasreinigung geschuldet, Stichwort Diesel-Skandal. Ohne die Emissionen gemessen zu ­haben: So wie dieser Bulle mit 286 PS und 620 Nm agiert, ist er garantiert super-sauber.

Motor & Getriebe – Der V6-Diesel ist ganz gut gedämmt und grundsätzlich sehr ­bullig, die massive Anfahrschwäche und die verzögerte Reaktion beim Gasgeben auch während der Fahrt (unnötiges Zurückschalten selbst bei relativ zartem Pedaldruck) sind aber kein Hit. Etwas Abhilfe schafft der Dynamic-Modus.

Fahrwerk & Traktion – Dank serienmäßiger Luftfederung vor allem im „Comfort“-Modus sehr gut beim Stöße Filtern (akustisch freilich nicht ganz top), erträgliche Seitenneigung im unkritischen Grenzbereich. Lenkung: präzise, ausreichend direkt – die Allradlenkung ist ein empfehlenswertes Extra. Top-Traktion dank 4×4, solide Bremsleistung. 

Cockpit & Bedienung – Sehr gute Sitze und Sitzposition. Nach etwas Gewöhnung klappt die Bedienung über die beiden Touchscreens gut, fein ist die Handschrift-Erkennung bei der Eingabe von Navi-Zielen. Fein: großer Kraftstoff-Tank – apropos: Gegen 65 Euro Aufpreis fasst der AdBlue-Behälter 24 statt 12 Liter. Genug brauchbare Ablagen.

Innen- & Kofferraum – Viel Passagier-Platz, Fond-Kniefreiheit geradezu üppig. Größe des Kofferraums im Klassenschnitt, fast ebener Boden auch nach Umlegen der 2:1-Fondlehnen. Empfehlenswert: das Schienensystem zur Ladegut-Sicherung um 224 Euro extra. Die Heckklappe ist serienmäßig elektrisch bewegt (und hebt auch gleichzeitig die Abdeckung an), gegen sattes Aufgeld, weil mit Keyless-Go kombiniert, auch per Sensor-Steuerung. 

Dran & Drin – Keinesfalls überbordende Mitgift. Beim Testwagen schlecht schließende Türen und Knistergeräusche im Cockpit – nicht gerade Audi-typisch, im Gegensatz zur wirklich gelungenen Material-Wahl. Sehr viele Extras, teilweise richtig teuer.

Schutz & Sicherheit – Serienmäßiges Aufkommen von Airbags und Assistenzsystemen ohne Highlights, gegen Aufpreis gibt es aber nahezu alles bis
hin zum teilautonomen Fahren. Die Elektronik-Armada lässt sich dann auf Maximal- oder Basis-Schutz bzw. individuell konfigurieren.

Preis & Kosten – Fast 6000 Euro teurer, aber auch etwas besser bestückt als ein normaler A6 Avant – damit nahezu gleich gepreist wie der ge­räumigere SUV-Bruder Q7. Deutlich billiger gäbe es den schwächeren Volvo V90 Cross Country, spürbar teurer bilanziert der stärkere Mercedes E All-Terrain. Die zweijährige Neuwagen-
Garantie kann man gegen knapp 800 Euro auf fünf Jahre verlängern. Plus: dichtes Werkstatt-Netz, lange Service-Intervalle. Absolut gesehen hoher Wertverlust.

Gewohntes A6-Cockpit, gegen Aufpreis sind auch die Instrumente hinterm Lenkrad digitalisiert und individuell konfigurierbar – etwa mit Google Maps-Karte.

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6.9

FAZIT

Hochwertiger Oberklasse-Kombi mit spürbaren Offroad-Ambitionen – und ebensolchen Antriebs-Schwächen.

Motor & Getriebe
Fahrwerk & Traktion
Cockpit & Bedienung
Innen- & Kofferraum
Dran & Drin
Schutz & Sicherheit
Preis & Kosten
User-Wertung : Keine Bewertungen bisher!
7

V6, 24V, Turbo, 2967 ccm, 286 PS (210 kW) bei 3500–4000/min, max. Drehmoment 620 Nm bei 2250–3000/min, Achtgang-Automatik, Vorderradantrieb, Scheibenbremsen v/h (bel.), L/B/H 4951/1902/1542 mm, Radstand 2925 mm, 5 Sitze, Wendekreis 12,2 m, Reifendimension 235/55 R 18 (Testwagen-Bereifung Continental SportContact 6 245/40 R 21), Tankinhalt 73 l (AdBlue: 12, a.W. 24 l), Reichweite 1030 km, Kofferraumvolumen 565–1680 l, Leergewicht 1945 kg, zul. Gesamtgewicht 2625 kg, max. Anh.-Last 2500 kg, 0–100 km/h 5,9 sec, Spitze 250 km/h, Steuer (jährl.) € 1558,44, Werkstätten in Österreich 219, Service alle 30.000 km (mind. alle 2 Jahre), Normverbrauch (Stadt/außerorts/Mix) 6,4/ 5,6/5,8 l, Testverbrauch 7,1 l Diesel, CO2 (Norm/Test) 152/187 g/km

Sechs Airbags, Spurverlassens-Warner, Audiosysteme mit 8 LS, Navigation mit 8,8 Zoll-Touchscreen, Tempomat, el. klappb. Spiegel, Einparkhilfe v+h, LED-Licht, Innenspiegel autom. abblend., Klimaautomatik, Multifunktions-Lederlenkrad, Licht- und Regensensor, Luftfederung, 18 Zoll-Aluräder, E-Heckklappe etc.

Fond-Seitenairbags € 564,–, Matrix-LED-Licht ab 1593,–, Fernlicht-Assistent € 180,–,  Business-Paket (Rückfahrkamera, Audi-Soundsystem, Stau-Assistent, Abstandsregel-Tempomat, Abbiege-Assistent, Verkehrszeichen-Erkennung, Spurverlassens-Warner, Fernlicht-Assistent etc.) € 1373,–, Allradlenkung € 2439,–, Headup-Display € 1798,–, Keyless-Go inkl. Sensorsteuerung Heckklappe € 1078,–, Panorama-Schiebedach € 2427,–, Einpark-Assistent € 539,–, Rück-/Rundumfahrkamera € 605,–/1477,–, TV-/DAB-Tuner € 1477,–/552,–, Lederpolsterung ab € 1349,–, Sitzheizung v/v+h € 488,–/977,–, Sitzkühlung v € 1027,– (inkl. Massage-Funktion € 1991,–), E-Sitze v € 1606,–, 19/20/21 Zoll-Räder ab € 1412,–/2825,–/4109,–, B&O-Sound ab € 1477,–, Virtual Cockpit inkl. 10,1 Zoll-Touchscreen € 2593,–, Metallic-Lack € 1336,– etc.

3 Kommentare

  1. Stimmt das mit den auf Knopfdruck zusätzlich aktivierbaren 45 Zentimetern Bodenfreiheit wirklich?
    MfG J

  2. Der VW-Konzern bringt – mit Ausnahme des V8 beim Touareg – offenbar keinen halbwegs konkurrenzfähigen Diesel mit 6d-Temp zusammen. Das ist bei einem Auto mit 76 Tausendern Grundpreis = ab ca. 85.000.- mit Ausstattung, inakzeptabel. Es ist aber auch beim T-Roc des AA-Dauertests inakzeptabel, wenn sich ein 115 PS Diesel anfühlt wie ein 75 PS Diesel und man kaum halbwegs normal aus einer Kurve rausbeschleunigen kann. Weil sie die Motorenkompetenz verloren haben, versteht man den Focus des Konzerns auf Batterieautos, denn da ersparen sie sich solche Peinlichkeiten aufgrund der Trivialität des Antriebs.
    Bleibt zuletzt die Frage, wer so eine motorische Fehlkonstruktion wie den Audi Allroad – nach einer vergleichenden Testfahrt mit dem Mercedes E und dem Volvo V 90 – ernstlich in die nähere Wahl zieht.

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