Ganz knapp nur ist der Bigster der längste Dacia, er überraget hier den Hochbau-Kombi Jogger nur um zwei Zentimeter, auch fehlt ihm die Option einer dritten Sitzreihe. Dennoch ist der neue Rumänen-SUV ganz klar das Flaggschiff der Renault-Filiale aus dem Osten, denn in Sachen Ausstattungs-Features setzt er für die Marke neue Maßstäbe: Elektrische Heckklappe, Adaptiv-Tempomat, teilelektrisch verstellbaren Fahrersitz oder Panorama-Schiebedach gab es schließlich noch nie von Dacia.
Dennoch: Von Luxus ist der Bigster weit entfernt, die Materialien im Cockpit sind sämtlich Hartplastik-Teile (wenn auch gefällig angerichtet), Laderaum-Rollo und Fußmatten wirken gar billig – letztere lassen sich aber übers Zubehör-Programm um 70 Euro auf Premium-Teppiche upgraden. Eine klare Kaufempfehlung.
Der äußere Auftritt ist alles andere als ärmlich, der Bigster wirkt wie die Stretch-Variante des optisch ebenfalls gelungenen Duster. Auf den Vordersitzen ist das Platzangebot identisch zum kleinen Bruder, im Fond bietet der Neue freilich deutlich mehr Beinfreiheit, wenn auch etwas weniger Schenkelauflage. Der größte Unterschiede im Vergleich zum 23 Zentmeter kürzeren Bruder zeigt sich im Laderaum: Bei der Hybrid-Version lautet das Plus auf 116 Liter.
Der klassische Benzin/Elektro-Zwitter ist beim Bigster auf jeden Fall die beliebteste Variante, auch wenn es bei ihr keine Allrad-Option gibt. Doch die Traktion reicht den meisten Usern locker aus – und der Verbrauch bleibt im Rahmen. Dazu bietet der Hybrid die einzige Möglichkeit sich aus der überschaubaren Palette ein Modell mit nur zwei Pedalen zu krallen.
Gutes Stichwort: Die von Renault bekannte Multimode-Automatik reagiert bisweilen etwas zögerlich und schaltet auch nicht immer ganz durchschaubar, doch in Summe funktioniert das Zusammenspiel der beiden Motoren meist harmonisch, die Fahrleistungen sind zufriedenstellend. Dazu hinterlassen die Bremsen einen tadellosen Eindruck, sowohl was die Dosierbarkeit als auch die Wirkung betrifft.
Das größte Atout des Bigster ist freilich seine Unaufgeregtheit – und dass er einen in der Regel in Ruhe lässt. Zu viele Assistenzsysteme sind nicht an Bord, mit einem Zweifach-Druck auf eine echte Taste links vom Lenkrad lässt sich die individuelle Konfiguration der elektronischen Helferlein abrufen – und wenn man die zuvor richtig „programmiert“ hat, sind dann die nervigen Warntöne auf stumm geschaltet.
Relativ leise (und komfortabel) gibt sich der Bigster auch unterwegs, allerdings gibt es ab etwa 100 km/h Windgeräusche im Bereich der A-Säulen. Es gilt also auch bei diesem Dacia: Perfekt ist er nicht, doch die Abstriche, die man gegenüber der weitaus teureren Konkurrenz machen muss, sind absolut erträglich. Und man kommt einmal mehr drauf, mit wenig Auto man das Auslangen findet – und wie befreiend das sein kann.
Foto: Robert May
Motor & Getriebe
Unter Last etwas brummiger, aber vibrationsarmer Saugbenziner mit recht viel Drehmoment. Gutes, bisweilen etwas unspontanes und ruckeliges Zusammenspiel mit dem potenten E-Motor, insgesamt befriedigende Fahrleistungen. Höhere Rekuperationsstufe über Automatik-Wählhebel einstellbar. Windgeräusche im Bereich der Frontscheibe ab 100 km/h.
Fahrwerk & Traktion
Gute Fahrwerksabstimmung, straff, aber nicht unkomfortabel, erträgliche Seitenneigung in flotten Kurven – dabei recht spätes Untersteuern und keine Lastwechsel-Tücken. Überraschend gute Traktion, kräftige Bremsen. Die im richtigen Maß Servo-unterstützte Lenkung könnte etwas mehr Fahrbahn-Kontakt vermitteln.
Bedienung & Multimedia
Ordentliche Sitzposition auf gut gepolsterten Möbeln. Simple Digitalinstrumente, kaum wandelbar. Multimediasystem langsam (vor allem das Navi), aber einfache und gut strukturierte Menüführung. Startknopf etwas versteckt hinterm Lenkrad. Plus: Kühlfach in der Mittelkonsole, USB-C-Anschlüsse auch im Fond, schlüsselloser Zugang ohne Tasten-Drücken, E-Heckklappe Serie. Genug Ablagen, Radio-Bediensatellit an der Lenksäule nach etwas Gewöhnung praktisch.
Innen- & Kofferraum
Genug Platz vorne wie hinten, die Schenkelauflage könnte aber üppiger sein, vor allem im Fond. Die Hybrid-Technik raubt dem Kofferraum satte 121 Liter, er reicht aber für Familien aus. Großes Fach unterm doppelten Boden, ist dieser auf der oberen Position, entsteht keine Stufe nach Umlegen der 2:1:2 geteilten Fondlehne – der Boden bleibt fast eben. Beim Hybrid-Modell 500 Kilo weniger Anhängelast. Minus: hohe Ladekante.
Dran & Drin
Um attraktive 2000 Euro Aufpreis hat der getestete „Journey“ der Basis-Version „Expression“ unter anderen größere Digital-Instrumente, Navi, abgedunkelte Fondscheiben, Adaptiv-Tempomat, schlüssellosen Zugang, induktives Handyladen, E-Heckklappe, teilelektrischen Fahrersitz, 18-Zöller und Fernlicht-Automatik voraus. Viel Hartplastik innen, immerhin gut verarbeitet. Eine Handvoll Extras sowie etwas Zubehör ums günstige Geld. Weiß ist die einzige aufpreisfreie Farbe.
Schutz & Sicherheit
Herkömmliches Airbag-Menü, auch bei den Assistenzsysteme gibt es keine Ausreißer – den Toterwinkel-Warner bekommt man mit dem empfehlenswerten City-Paket, einen Spurführungs-Assistenten gar nicht. Nervige Warntöne mit einer (echten) Taste deaktivierbar
Preis & Kosten
Mit Abstand günstigster SUV dieser Größe, die (stärkeren) Kia Sportage, Ford Kuga und Honda ZR-V kosten gut 15 Tausender mehr. Mit ähnlicher Antriebstechnik kommt der Coupé-hafte Konzern-Bruder Renault Arkana rund 2000 Euro teurer. Ums vergleichbare Geld wie den Bigster gäbe es deutlich kleineren Hyundai Kona. Drei Jahre Neuwagen-Garantie, aber nur sechs gegen Durchrosten. Dichtes Werkstatt-Netz, lange Service-Intervalle. Praxis-Verbrauch durchaus attraktiv.
R4, 16V, 1793 ccm, 109 PS (80 kW) bei 5300/min, max. Drehmoment 172 Nm bei 3000/min, E-Motor 48 PS(35 kW) bzw. 205 Nm, Systemleistung 156 PS (115 kW), Akku 1,4 kWh, Multimode-Automatik, Vorderradantrieb, Scheibenbremsen v/h (v bel.), L/B/H 4570/1813/1712 mm, Radstand 2702 mm, 5 Sitze, Wendekreis 11,0 m, Reifendimension 215/60 R 18 (Testwagen-Bereifung 205/55 R 19), Tankinhalt 50 l, Reichweite 860 km, Kofferraumvolumen 546–1851 l, Leergewicht (EU) 1487 kg, zul. Gesamtgewicht 1940 kg, max. Anh.-Last 1000 kg, 0–100 km/h 9,7 sec, Spitze 174 km/h, Steuer (jährl.) € 976,32, Werkstätten in Österreich162, Service alle 30.000 km (mind. alle 2 Jahre),WLTP-Normverbrauch kombiniert 4,6 l, Testverbrauch 5,8 l ROZ 95, CO2 (Norm/Test) 105/133 g/km
Front- und Seitenairbags v, durchgehende Kopfairbag-Vorhänge, Notbremsassistent inkl. Fußgänger- und Radfahrer-Erkennung, Spurhalte-Assistent inkl. Spurhalte-Warner, Müdigkeitswarner, Verkehrszeichen-Erkennung, LED-Tagfahr- und Abblendlicht, Nebelscheinwerfer, Licht-, Regen- und Fernlichtsensor, Rückfahrkamera, akustische Einparkhilfe h, Adaptiv-Tempomat, Digital-Cockpit 10 Zoll, Infotainmentsystem mit 10 Zoll-Touchscreen, Navigationssystem, DAB+, 6 Lautsprecher, Android Auto & Apple CarPlay (beides kabellos), induktives Handy-Laden, je 2 USB-C v/h, Zweizonen-Klimaautomatik, Außenspiegel heizbar sowie el. verstell- und klappbar, schlüsselloser Zugang, E-Parkbremse, Lenkrad höhen- und reichweitenverstellbar, Fahrersitz teilelektr. verstellbar, vier E-Fensterheber, abgedunkelte Fondscheiben, E-Heckklappe Dachreling, 18 Zoll-Leichtmetallräder etc.
Winter-Paket (Vordersitze und Lenkrad heizbar) € 244,– (inkl. heizb. Windschutzscheibe € 488,–), E-Panorama-Glasschiebedach € 915,–, Aluräder 19 Zoll € 366,–, City-Paket (Einparksensoren vorne und seitlich, Rundum-Kamera, Toter Winkel-Warner) € 427,–, Metallic- oder Perl-Lack € 732,–
Zubehör: Schmutzfänger € 32,– (exkl. Montage), Kofferraum-Matte € 115,–, beleuchtete Einstiegsleisten € 180,–, seitliche Trittstufen € 558,– (exkl. Montage), Anhängekupplung € 488,– (abnehmbar € 611),– etc.









