Schöner Schein
Chice Coupés gibt es kaum noch, vor allem im leistbaren Kompakt-Bereich. Honda belebt nun das Segment.
Der erste Prelude startet 1978, der letzte lief 2002 aus – Highlight für viele war wohl die Generation drei von 1987, eines der ersten Autos mit Allradlenkung. Bewegt wurden die japanischen Zweitürer bislang ausschließlich von Vierzylinder-Saugbenzinern – das ist bei der brandneuen Renaissance nicht anders. Allerdings hat heute ein noch stärkerer Elektromotor das Sagen, der Verbrenner dient im Grunde nur zum Laden der kleinen Puffer-Batterie.
Das System kennt man etwa vom Civic, Hondas Golf-Gegner gastierte zuletzt leicht geliftet für die Dezember-Ausgabe bei uns. Ein Vergleich drängt sich auf, und der lässt den Prelude leider ein bisserl alt aussehen: Obwohl das Coupé flacher und leichter ist, sprintet der herkömmliche Fünftür-Bruder etwas flotter auf 100 und braucht auch etwas weniger Sprit. Dazu ist er nicht nur viel geräumiger, sondern selbst in der Topausstattung deutlich billiger und dabei besser ausgestattet.
Die Optik muss es also richten – und das gelingt dem Prelude tadellos, von hinten betrachtet darf man ihm durchaus eine gewisse Porsche-Attitüde attestieren. Innen verließ die Japaner ein wenig der Mut, da ist der Abstand zum Civic eher marginal, was freilich auch für den klassischen Hatchback-Kompakten des Hauses spricht.
In Sachen Handling setzt der Prelude freilich einen drauf, er liegt noch sportlicher als sein Bruder, bietet noch höheren Kurvenspeed – und zeigt dann beim Gaswegnehmen spaßige (und vom ESP jederzeit in den Griff zu bekommende) Lastwechsel-Reaktionen.
Dazu gibt es in der Mittelkonsole einen großen, mit S+ beschrifteten Knopf, damit kann man einen Modus für virtuelles Schalten über Lenkrad-Wipptasten aktivieren. Eine unnötige Spielerei, verfügt dieser Hybridantrieb doch über keine Getriebe. Nach zwei-, dreimal Herumswitchen lässt man es bald sein – das wirkt genauso sinn- und reizvoll, als würde eine KI-generierte Band dein Lieblingslied interpretieren.
Klassenübliche Coupé-Einschränkungen (kein Platz im Fond, mühsam zu beladender Kofferraum) werden potenzielle Kunden wohl nicht abschrecken, auf jeden Fall freut man sich über guten Komfort (vor allem im entsprechenden Fahrprogramm) und attraktive Verbräuche (vor allem innerorts).
Dennoch wird der Prelude ein rarer Anblick auf unseren Straßen bleiben, allein schon, weil der Preis nicht gerade heiß ist. Und weil er vielen Interessenten wohl zu brav sein wird in Sachen Antrieb. Wenn wir uns was wünschen dürften: dieses hübsche Coupé mit dem Motor aus dem im Vorjahr entschlafenen Civic Type-R.
Text: Enrico Falchetto Fotos: Robert May
Motor & Getriebe
Spontane und bullige Kraftentfaltung, ab Autobahn-Tempo lauter und zäher. Über Lenkrad-Wippen steuert man die Rekuperation sechsstufig oder nach Druck auf die Taste S+ künstlich simulierte acht Gänge – eine unnötige Spielerei.
Fahrwerk & Traktion
Dank adaptiver Dämpfer guter Komfort, selbst im gelungenen Sport-Modus nie hart. Agiles Handling, hoher Kurven-Speed möglich, dann aber bewegliches Heck bei Lastwechsel – kein Problem fürs (deaktivierbare) ESP. Lenkung: direkt und präzise, fast zu leichtgängig. Kräftige, gut dosierbare Brembo-Bremsen. Keine Traktions-Schwächen auf trockener Fahrbahn.
Bedienung & Multimedia
Sitze mit gutem Seitenhalt, leider keine Lendenwirbelstütze und etwas zu wenig Schenkelauflage. Multimediasystem recht rasch durchschaut. Genug echte Drehregler und Tasten, etwa für Klima-Regelung. Sprachsteuerung bestenfalls mittelmäßig. Genug, aber eher kleine Ablagen. Wendekreis könnte kompakter sein. Tasten-Drücken beim schlüssellosen Zugang entfällt nur beim Einsteigen.
Innen- & Kofferraum
Vorne ähnliches Platzangebot wie in einem Civic mit Schiebedach, hinten bestenfalls für kleine Kinder geeignet – Zustieg in den Fond zudem mühsam, Vordersitz muss dann auch immer neu justiert werden. Kofferraum vom Volumen her brauchbar, Gepäck will aber über eine sehr hohe Ladekante gewuchtet und dann tief unten abgestellt werden. Laderaum-Abdeckung gar simpel ausgeführt, immerhin flaches Fach unterm Boden – kleiner Anstieg in der Fläche nach Umlegen der 2:1 geteilten Fondlehne.
Dran & Drin
Ordentlich, aber keinesfalls lückenlos bestückt, das Civic-Topmodell bietet etwa Panoramadach, E-Sitze oder Lenkradheizung. Kaum Extras, und die sind nicht gerade billig. Top: die Verarbeitungs- und Materialqualität.
Schutz & Sicherheit
Zentralairbag als kleines Luftpolster-Atout, keine Highlights in Sachen Assistenzsysteme – diese funktionieren gut und sind ausreichend flott deaktiviert. Minus: keine Fond-Kopfstützen.
Preis & Kosten
Keine Okkasion. Einziger echter Konkurrent: das etwas billigere, aber nicht so gut bestückte BMW 218i Coupé, es schafft vergleichbare Fahrleistungen bei deutlich mehr Praxistauglichkeit. Ums ähnliche Geld gäbe es einen Golf GTI mit 265 PS und sogar den Cupra Leon mit 300 PS. Drei Jahre bzw. 100.000 Kilometer Garantie (fünf Jahre auf Hybrid-Komponenten) Für 2190 Euro fünf Jahre oder 100.000 Kilometer Wartung. Günstig: Kfz-Steuer und Verbrauch.
R4, 16V, 1993 ccm, 143 PS (105 kW) bei 5900/min, max. Drehmoment 186 Nm bei 4500/min, E-Motor (=Systemleistung): 184 PS (135 kW) bzw. 315 Nm, Akku 1,05 kWh, Eingang-Getriebe, Vorderradantrieb, Scheibenbremsen v/h (v bel.), L/B/H 4532/1880/1349 mm, Radstand 2604 mm, 4 Sitze, Wendekreis 11,6 m,Reifendimension 235/40 R 19, Tankinhalt 40 l, Reichweite 690 km, Kofferraumvolumen 264–760 l,Leergewicht (EU) 1470 kg, zul. Gesamtgewicht 1850 kg, max. Anh.-Last –, 0–100 km/h 8,2 sec, Spitze 188 km/h, Steuer (jährl.) € 570,24, Werkstätten in Österreich 54, Service alle 20.000 km (mind. 1x/Jahr), WLTP-Normverbrauch kombiniert 5,2 l, Testverbrauch 5,8 l ROZ 95, CO2 (Norm/Test) 117/133 g/km
Serienausstattung: sechs Airbags plus Zentral-Airbag, zwei Knieairbags, Notbrems-, Toterwinkel-, Querverkehrs-, Spurhalte-, Auspark-, Stau-,und Spurführungs-Assistent, Adaptiv-Tempomat mit Stop and go-Funktion, adaptive Dämpfer, Zweizonen-Klimaautomatik, digitale Instrumente 10,2 Zoll, 9 Zoll-Touchscreen, Navigation, Sprachsteuerung, Bose-Sound mit 10 LS, 2x USB-C, induktive Ladeschale, Lederpolsterung, E-Vordersitze, Sitzheizung v, Lenkradheizung, akustische Einparkhilfe v+h, Rückfahrkamera, aut. abblend. Innenspiegel, el. klappb. Außenspiegel, schlüsselloser Zugang, digitaler Schlüssel, abgedunkelte Fondscheiben, Alarmanlage, 19 Zoll-Aluräder etc.
Extras: Metallic/Pearl-Lackierung € 850,–, Beleuchtungspaket (Fußraum, Getränkehalter, Konsolen, Einstiegsblenden etc.) € 1450,–, Black Paket (Heckspoiler, Dekor für Front-Stoßstange unten, schwarze Embleme etc.) € 1590,–, schwarze Embleme € 390,–, Aluräder mit Diamantschliff € 2390,–






