China-Rover
Britisch im Look, chinesisch im Pass: Der Jaecoo 7 stellt sich als Plug-in-Hybrid dem ersten Praxis-Test.
Das Jahr 2025 war ein Jahr voller Newcomer, und dazu zählen auch Omoda und Jaecoo. Erstere spricht eine Design- und Lifestyle-affine Zielgruppe an, während zweitere Urbanität mit Offroad-Qualitäten verbinden möchte. Beide Marken gehören zur 1997 gegründeten Chery Automobile Gruppe und starten hierzulande mit jeweils einem Modell. Unterstützt werden sie von 17 heimischen Händlern, darunter bekannte Namen wie Sonnleitner oder Ebner.
Beim Jaecoo 7 stehen zwei Varianten und zwei Ausstattungen zur Wahl, wobei der Allradantrieb stets der Premium-Version vorbehalten bleibt. Im Test tritt der Plug-in-Hybrid an, der sich gegen etablierte Konkurrenz behaupten muss.
Optisch ist die Anlehnung an Range Rover kaum zu übersehen. Die Situation der Briten ist derzeit nicht die rosigste, weshalb ein preiswerteres Alternativ-Angebot aus China sogar als cleverer Schachzug wirken kann. Der Jaecoo 7 bestätigt diesen Eindruck, denn er fährt erstaunlich gelassen und erledigt seine Arbeit ohne große Auffälligkeiten. Für den ersten Test stand die Topversion als Plug-in bereit, intern Super Hybrid System genannt. Die Systemleistung beträgt 347 PS, rund 90 Kilometer sind rein elektrisch möglich.
Besonders „Super“ ist der Umgang des Systems mit der Batterie. Verbrenner und Rekuperation arbeiten so zusammen, dass der Akku nie vollständig entladen wird. Dadurch fährt der chinesischer 7er keine unnötig schwere und meist nahezu leere Batterien spazieren. Der Durchzug bleibt somit stets präsent.
Viele Einstellmöglichkeiten bieten reichlich Raum für Individualisierung: Rekuperations-Grad, verschiedene Fahrmodi oder frei belegbare Shortcuts erlauben eine breite Anpassung – für Neueinsteiger kann die Fülle der Optionen allerdings etwas überwältigend wirken. Überraschungs-Potenzial bietet die elektronische Parkbremse, denn ohne angeschnallten Fahrer löst sich hier nichts und auf eine klassische Taste wurde offensichtlich verzichtet.
Das große Display harmoniert ausgezeichnet mit Apple CarPlay, da die Kartenansicht fast die gesamte Fläche der knapp 15 Zoll einnimmt und dadurch einen hochwertigen Eindruck hinterlässt. Beim Thema Materialqualität zeigen sich chinesische Hersteller generell ehrgeizig, der Jaecoo 7 setzt auf großzügigen Leder-Einsatz an Türen und Armaturenbrett. Der gesamte Innenraum wirkt dadurch hochwertiger als in der Fahrzeugklasse üblich.
Generell vermittelt der China-SUV Der Wagen einen deutlich größeren Eindruck, was die 4,5 Meter Länge schnell vergessen lässt. Die Positionierung erfolgt genau zwischen einem preisbewussten Dacia Bigster ohne Plug-In-Technik und einem VW Tiguan, allerdings zu einem Preis, der eine Ansage an den Markt darstellt.
Die Auswahl an Varianten bleibt übersichtlich: Vier Ausstattungslinien und eine kurze Liste an Extras machen die Konfiguration angenehm einfach. Wer optisch Akzente setzen will, kann für 367 Euro die Motorhaube in Schwarz lackieren lassen. Auch beim Antrieb zeigt sich der stets frontgetrieben Mokka vielseitig. Vom klassischen Benziner mit Sechsgang-Handschaltung ab 25.920 Euro bis zum elektrifizierten Topmodell GSe mit 280 PS ist alles dabei.
Text: Johannes Ibrahim Fotos: Robert May
Motor & Getriebe
Guter Durchzug sowohl im reinen E-Betrieb als auch kombiniert. Spürbare Unterschiede zwischen den Fahrmodi. Rekuperation in drei Stufen einstellbar. Siebengang-Automatik schaltet sauber ohne lange Unterbrechungen.
Fahrwerk & Traktion
Feder/Dämpfer-Abstimmung komfortorientiert mit leicht weichen Knien in schnellen Kurven – dabei keine Lastwechsel-Allüren. Lenkung direkt genug, Bremsdruck je nach Modus schwer dosierbar, der Übergang von Rekuperation zu mechanischer Bremse gelingt unauffällig. Traktion auch ohne Allrad verlässlich.
Bedienung & Multimedia
Bequeme Sitzposition, Fahrersitz fährt beim Aussteigen automatisch zurück. Klar ablesbare Digitalanzeigen, logisch bedienbarer Menüaufbau. Infotainment reagiert flott und ist simpel aufgebaut, wenn auch viele Untermenüs. Keine Taste für die elektrische Parkbremse. Sprachsteuerung funktioniert zuverlässig und kann auch Fenster öffnen. Rundumkamera mit Glasboden-Effekt ideal für Abstecher ins Gelände. Viele Ablagen, inklusive großem gekühltem Fach unter der Mittelarmlehne. Ungewöhnlich bei einem PHEV: Vehicle-to-Load-Adapter.
Innen- & Kofferraum
Großzügiges Platzangebot in beiden Sitzreihen. Im Fond ausreichend Kopf- und Kniefreiheit. 2:1-Umlege-Lehnen ergeben eine ebene Ladefläche, darunter gut nutzbares Fach. Kofferraumgröße und Ladekanten-Höhe im Klassenschnitt.
Dran & Drin
Wer 3500 Euro spart, verzichtet beim „Comfort“ auf klimatisierte Sitze, Ambientebeleuchtung in den Türen, elektrische Heckklappe, Panoramadach, automatisch abblendenden Innenspiegel, Headup-Display, induktive Ladeschale, Sony-Sound, abgedunkelte Fondscheiben und beheiztes Lenkrad. Verarbeitung ohne Fehlstellen, Material-Mix stimmig und angenehm.
Schutz & Sicherheit
Standard-Set an Airbags mit Zusatz-Kissen in der Fahrzeugmitte und für die Knie des Piloten. Assistenzsysteme arbeiten zuverlässig – Warnmeldungen lassen sich im Menü nach einigen Klicks deaktivieren.
Reichweite & Laden
90 Kilometer E-Reichweite realistisch, ebenso ein Gesamt-Aktionsradius von über 1000 Kilometer. Gleichstrom-Laden nur mit maximal 6,6 kW (in rund fünf Stunden voll), Wechselstrom mit bis zu 40 kW – von 30 auf 80 Prozent dauert es etwa 20 Minuten.
Preis & Kosten
Preislich über einem Dacia Bigster, dafür mit deutlich mehr Luxus sowie Plug-in-Antrieb. Günstiger als VW Tiguan oder Kia Sportage, leistungsmäßig teils überlegen. Positiv: sieben Jahre Garantie, solider Verbrauch. Händlernetz noch überschaubar.
R4, 16V, Turbo, 1499 ccm, 143 PS (105 kW) bei 5200/min, max. Drehmoment 215 Nm bei 2500/min, E-Motor 204 PS (150 kW) bzw. 310 Nm, Systemleistung 347 PS (255 kW) bzw. 515 Nm, Akku 18,3 kWh, Siebengang-Automatik, Vorderradantrieb, Scheibenbremsen v/h (bel.), L/B/H 4500/1865/1670 mm, Radstand 2672 mm, 5Sitze, Wendekreis 11,0 m, Reifendimension 235/50 R 19, Tankinhalt 60 l, Reichweite 1015 (plus elektr. 85) km, Kofferraumvolumen 500–1265 l, Leergewicht (EU) 1870 kg, zul. Gesamtgewicht 2310 kg, max. Anh.-Last1500 kg, 0–100 km/h 8,5 sec, Spitze 180 (el. 120) km/h, Steuer (jährl.) € 483,84, Werkstätten in Österreich17, Service alle 15.000 km (mind. 1x/Jahr), WLTP-Normverbrauch kombiniert 0,7–6,5 l, Testverbrauch 0,9–5,9 l ROZ 95, CO2 (Norm/Test) 23/21–136 g/km
Serienausstattung: sechs Airbags plus Mittenairbag und Fahrer-Knieairbag, Adaptiv-Tempomat, Spurhalte- und Spurwechsel-Assistent, Toterwinkel-Assistent, Stau-Assistent, Querverkehrs- und Türöffnungs-Warner, Licht- und Regensensor, Parksensoren v+h, Rundumkamera, Zweizonen-Klimaautomatik, 10,25 Zoll Digital-Instrumente, 14,8 Zoll Touchscreen, Headup-Display, kabellose Smartphone Spiegelung, induktives Handyladen, abgedunkelte Fondscheiben, Sony-Sound mit 8 LS, V2L-Adapter, Kunstleder-Polsterung, elektrisch verstell- und klimatisierbare Vordersitze, beheizbares Lenkrad, el. klappbare Außenspiegel, sensorgesteuerte E-Heckklappe, schlüsselloser Zugang, Aluräder 19 Zoll, Metallic-Lack etc.
Extras: keine




