Sechster Sinn
Renaults Bestseller geht in die sechste Runde. Mit Handschaltung und unter 20.000 Euro bleibt er vernünftig wie eh und je.
Es braucht keinen sechsten Sinn, um zu erkennen, dass alles teurer geworden ist. Genau da setzt Renault an und bringt seinen Bestseller unterhalb der 20.000 Euro-Marke auf den Markt – in einem Segment, das stetig schrumpft, zunehmend weniger Beachtung findet, aber dennoch solide Zulassungszahlen liefert.
In Österreich wurden über fünf Generationen hinweg 138.700 Clios verkauft. Weltweit ging der kleine Franzose in 120 Länder, insgesamt wurden bis dato 17 Millionen Stück ausgeliefert.
Im Vergleich zum Vorgänger hat der Clio in nahezu allen Abmessungen leicht zugelegt – mit einer Ausnahme: die Breite fiel etwas schmaler aus. Unverändert bleibt das Kofferraumvolumen mit 391 Litern. Das große schwarze Loch bietet ordentlich Platz, liegt aber tief – schwere Kisten müssen rund 20 Zentimeter nach oben gehoben werden, bevor sie draußen sind. Im internen Modell-Vergleich ist der Clio um 12 Zentimeter kürzer und 4650 Euro günstiger als sein größerer Bruder, der Captur.
Optisch geht Renault einen mutigeren Weg. Das neue Gesicht, das auf den ersten Pressefotos noch für Stirnrunzeln sorgte, entpuppt sich auf der Straße als Blickfang mit überwiegend positiver Resonanz. Darunter arbeitet die überarbeitete CMF-Plattform des Vorgängermodells.
Im Innenraum bleibt Renault konservativ. Der Clio greift auf bekannte Elemente zurück. Die getestete Einstiegsversion „Evolution“ bringt 7 Zoll große Digital-Instrumente und ein 10-Zoll-Multimedia-Display mit. Ab der Ausstattungslinie „Techno“ sind beide Bildschirme jeweils 10 Zoll groß. Der zentrale Touchscreen ist leicht fahrerorientiert positioniert, was Ablesbarkeit und Bedienung verbessert.
Das OpenR-Link-Infotainmentsystem mit Google-Basis ist ab der Techno-Version serienmäßig an Bord bzw. darunter gegen Aufpreis nachrüstbar. Und erfreulicherweise hält Renault auch beim neuen Clio an den bewährten physischen Klimatasten unterhalb des Touchscreens fest – ein seltener Anflug von Vernunft in der Touch-or-die-Welt.
Bei den Antrieben hat man eine kleine Auswahl: Neben dem getesteten Verbrenner mit Handschaltung gibt es denselben Motor mit Doppelkupplungsgetriebe – der Aufpreis liegt bei vertretbaren 1500 Euro. Wer rund 5000 Euro tiefer ins Budget greift, bekommt den Hybridantrieb mit 1,8 Liter-Sauger und 158 PS Systemleistung. Diesel? Nicht mehr vorgesehen für den kleinen Franzosen.
Die getestete Handschalt-Version verlangt zwar nach Drehzahl, liefert dann aber auch den passenden Vorschub. Auf der Autobahn wird es allerdings akustisch lebhafter.
Bei der Lackierung zeigt sich Renault farbenfroh. Wer’s bunt mag, wählt aus einem Sortiment, das an eine Smarties-Packung erinnert. Ab Werk rollt der Clio in Weiß aus dem türkischen Werk, Rot, Blau oder Grün gibt es gegen 900 Euro Aufpreis.
Text: Johannes Ibrahim Fotos: Robert May
Motor & Getriebe
Drehfreudiger, aber akustisch präsenter Dreizylinder-Turbobenziner. Die Handschaltung arbeitet mit langen, aber präzisen Wegen
Fahrwerk & Traktion
Komfortables Gesamtpaket mit agiler Abstimmung. Wankbewegungen sind spürbar, bleiben aber im Rahmen. Das Heck bleibt bei Lastwechseln unauffällig. Die Lenkung ist angenehm direkt und liefert gutes Feedback. Im Grenzbereich untersteuert der Clio sicher, die Traktion geht in Ordnung. Bremsen gut dosierbar.
Bedienung & Multimedia
Bequeme Sitzposition auf passender Bestuhlung, gute Rundumsicht. Das Cockpit ist übersichtlich gestaltet, die Multimedia-Menüführung intuitiv. Angenehmer Mix aus physischen Tasten und Touch-Flächen, Smartphone-Spiegelung erfolgt kabellos. Ausreichend Ablagen vorhanden. In Reihe zwei fällt die Schenkelauflage etwas knapp aus. Manuelle Klima-Regelung kein Hit.
Innen- & Kofferraum
Vorne wie hinten ausreichend Platz mit klarer Auslegung auf vier Personen. Der Kofferraum liegt im Klassenschnitt eher am oberen Ende. Durch den tiefen Boden und die hohe Ladekante eingeschränkter Belade-Komfort. Die Fondlehnen sind im Verhältnis 2:1 umklappbar, bringen jedoch eine deutliche Stufe – eine ebene Fläche ist nicht möglich (kein doppelter Ladeboden zu haben)
Dran & Drin
Wer 2000 Euro mehr investiert und zur „Techno“-Version greift, erhält digitale 10,3-Zoll-Instrumente, adaptive LED-Scheinwerfer mit Fernlichtassistent, Google-Navigation, HiFi-Sound, Rückfahrkamera, Klimaautomatik, elektrisch klappbare Außenspiegel, automatisch abblendenden Innenspiegel, Licht- und Regensensor sowie Ambientebeleuchtung. Die getestete Einstiegs-Version ist serienmäßig bestenfalls passabel bestückt. Günstige Extra-Preise. Saubere Verarbeitung, die Materialien wirken nicht billig – trotz des hohen Kunststoff-Anteils
Schutz & Sicherheit
Klassisches Airbag-Aufgebot trifft auf eine solide Serienausstattung an Assistenzsystemen. Besonders positiv: Der adaptive Tempomat ist serienmäßig an Bord. Akustische Warnhinweise lassen sich unkompliziert per Doppelklick am Armaturenbrett deaktivieren
Preis & Kosten
Preislich auf Augenhöhe mit VW Polo, Hyundai i20 und Toyota Yaris – letzterer bringt allerdings serienmäßig einen Hybridantrieb mit. Günstiger ist der Clio im Vergleich zu Landsmann Peugeot 208. Allgemein schwanken Preise stark durch Aktionen. Positiv: das dichte Händlernetz und der niedrige Testverbrauch. Mittelmaß: drei Jahre Garantie.
R3, 12V, Turbo, 1199 ccm, 115 PS (84 kW) bei 4350/min, max. Drehmoment 190 Nm bei 1750/min, 12V-Mildhybrid, Sechsgang-Getriebe, Vorderradantrieb, Scheibenbremsen v/h (v bel.), L/B/H 4116/1768/1451 mm,Radstand 2591 mm, 5 Sitze, Wendekreis 10,4 m, Reifendimension 195/60 R 16, Tankinhalt 39 l, Reichweite 640 km, Kofferraumvolumen 391–1176 l, Leergewicht (EU) 1155 kg, zul. Gesamtgewicht 1655 kg, max. Anh.-Last 900 kg, 0–100 km/h 10,3 sec, 60–100 km/h (im 4./5. Gang) 7,6/12,4 sec, Spitze 180 km/h, Steuer (jährl.)€ 372, Werkstätten in Österreich 154, Service alle 15.000 km (mind. 1x/Jahr), WLTP-Normverbrauch kombiniert 5,1 l, Testverbrauch 6,1 l ROZ 95, CO2 (Norm/Test) 115/140 g/km
Serienausstattung: sechs Airbags, aktiver Notbremsassistent, Aufmerksamkeits- und Müdigkeits-Warner, Verkehrszeichenerkennung, aktiver Spurhalte-Assistent, Adaptiv-Tempomat, LED-Scheinwerfer, digitale Instrumente 7 Zoll, Multimediasystem mit 10,1 Zoll-Touchscreen und 4 LS, 2x USB-C, Einparkhilfe h, Klimaanlage, FB-Zentralsperre, vier E-Fensterheber, abgedunkelte Fondscheiben, 16 Zoll Stahlfelgen etc.
Extras: Sitzheizung v € 260,–, Rückfahrkamera € 313,–, Notrad € 188,–, Navigations-Paket (10,3 Zoll Instrumente, Rückfahrkamera, HiFi-Sound, Google-Navigation) € 938,–, Komfortpaket (el. beheiz- und klappbare Außenspiegel, Funkschlüssel, Voll LED-Scheinwerfer, Regen- und Lichtsensor, Fernlicht-Assistent) € 573,–, Metallic Lackierung ab € 660,–, 16 Zoll Alufelgen € 417,– etc.







